Afrika im Fokus: USA und China buhlen um kritische Rohstoffe
Zwei konkurrierende Eisenbahnprojekte symbolisieren den globalen Wettlauf um Kupfer, Kobalt und andere Mineralien.

Der Kampf um Afrikas Bodenschätze nimmt Fahrt auf. Zwei massive Eisenbahnprojekte verdeutlichen, wie die Großmächte um die Kontrolle kritischer Mineralien ringen, die für Industrie und Energiewende unverzichtbar sind. Während der Westen auf den Lobito-Korridor nach Angola setzt, baut China die TAZARA-Eisenbahn nach Tansania aus.
Der Lobito-Eisenbahnkorridor wird bis 2030 rund 6 Milliarden US-Dollar kosten. Die 1.700 Kilometer lange Strecke soll Kupfer und Kobalt aus der Demokratischen Republik Kongo und Sambia zum angolanischen Hafen Lobito transportieren. USA und Europa finanzieren die Modernisierung der kolonialen Eisenbahn, um die Kapazität auf 4,6 Millionen Tonnen jährlich zu steigern.
In die entgegengesetzte Richtung verläuft Chinas Alternative: Die TAZARA-Eisenbahn verbindet dieselben mineralienreichen Regionen mit dem Indischen Ozean. Mit Investitionen von 1,4 Milliarden Dollar soll die 1.860 Kilometer lange Strecke auf 2,4 Millionen Tonnen Jahreskapazität ausgebaut werden. Die kürzeren Seewege nach China verschaffen dem Reich der Mitte logistische Vorteile.
Strategiewechsel in Washington
Auf der Mining Indaba-Konferenz in Kapstadt vollzog die Trump-Administration einen bemerkenswerten Kurswechsel. Statt kämpferischer Rhetorik setzen US-Vertreter nun auf Investitionsanreize und Risikoabsicherung für Bergbauprojekte. Das geplante US-Lager für kritische Mineralien wird afrikanische Ressourcen benötigen – ein Treffen von über 50 Ländern signalisiert ernsthaftes Engagement.
Die Frage bleibt, ob westliche Angebote ausreichen, um Chinas etablierte Position zu erschüttern. Chinesische Unternehmen decken die gesamte Wertschöpfungskette ab – von Exploration über Förderung bis Transport. Das Simandou-Eisenerzprojekt in Guinea zeigt die Stärke dieses Ansatzes: Nachdem westliche Firmen jahrelang scheiterten, brachten chinesische Investitionen die Mine auf 120 Millionen Tonnen Jahreskapazität.
Afrikas Chance auf faire Deals
Im Gegensatz zur kolonialen Vergangenheit haben afrikanische Staaten heute deutlich mehr Verhandlungsmacht. Sie können Partner auswählen und Bedingungen diktieren. Richtig genutzt, versprechen verstärkte Investitionen Arbeitsplätze, Steuereinnahmen und Lizenzgebühren. Allerdings behindern schlechte Regierungsführung und inkonsistente Rahmenbedingungen vielerorts das Potenzial.
Die westlichen Länder bevorzugen private Betreiber mit öffentlichen Partnerschaften. China hingegen setzt auf integrierte staatliche Konzerne. Beide Modelle haben Vor- und Nachteile – entscheidend wird sein, welches den afrikanischen Ländern mehr langfristigen Nutzen bringt.
Der verschärfte Wettbewerb senkt Projektrisiken und erhöht das Investitionsvolumen. Ob daraus eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten entsteht, hängt von erheblichen Anstrengungen und Kooperation ab. Afrikas bisherige Bilanz in diesem Bereich ist bestenfalls gemischt – doch die aktuelle Konstellation bietet eine historische Chance.
