AfDB und BMZ schließen Partnerschaft für Afrikas Eisenbahnsysteme
Die AfDB-Gruppe und das BMZ wollen Afrikas Schienennetz modernisieren und die regionale Integration vorantreiben.

Die Entwicklungsbank African Development Bank (AfDB) Group und das deutsche Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) haben eine Partnerschaft zur Entwicklung der Eisenbahnsysteme Afrikas sowie zur Vertiefung der regionalen wirtschaftlichen Integration geschlossen. Beide Institutionen wollen gemeinsam die Transportkosten in Afrika senken, die grenzüberschreitende Interoperabilität verbessern und kohlenstoffarme Transportlösungen fördern. Darüber hinaus soll eine nachhaltige Verkehrspolitik vorangetrieben und verankert werden.
Ein weiterer Schwerpunkt der Kooperation liegt auf dem Aufbau eines robusten lokalen Arbeitsmarktes im Eisenbahnsektor. Dies soll durch Wissenstransfer, berufliche Ausbildung und die Schaffung nachhaltiger Beschäftigungsmöglichkeiten gelingen. Damit rückt neben der reinen Infrastruktur auch die Qualifizierung der Menschen in den Mittelpunkt des Vorhabens.
Die Zusammenarbeit beginnt mit einer gemeinsamen Machbarkeitsstudie für ein afrikanisches Kompetenzzentrum für Schienenverkehr. Die Studie wird von der deutschen Entwicklungszusammenarbeit GIZ durchgeführt und soll noch in diesem Monat starten. Nach Angaben der Organisationen vereint das Projekt Innovation und Schulung, um die Eisenbahnen in Afrika zu modernisieren und auszubauen.
Afrikas Schienennetz mit großem Potenzial
Das afrikanische Schienennetz macht derzeit nur 8% bis 10% des weltweiten Gesamtnetzes aus. Zugleich treibt die Afrikanische Kontinentale Freihandelszone (AfCFTA) die wachsende Nachfrage nach grenzüberschreitendem Güter- und Personenverkehr auf einem Markt mit mehr als 1,4 Milliarden Menschen voran. Dieser wachsende Bedarf trifft auf ein bislang vergleichsweise dünn ausgebautes Bahnnetz.
Mike Salawou, Direktor für Infrastruktur und städtische Entwicklung bei der AfDB-Gruppe, nannte fünf Prioritäten für den Sektor: einen kontinentalen Markt, der von der AfCFTA angetrieben wird, Reformen zur Modalitätsverschiebung, interoperable Standards, Finanzierung, die privates Kapital mobilisiert, sowie die Kompetenzen, die zum Betrieb der Netze nach deren Fertigstellung erforderlich sind.
„Afrikanische Regierungen und Bahnaufsichtsbehörden sollten eine klare Vision entwickeln, glaubwürdige Machbarkeitsstudien in Auftrag geben, frühzeitig reformieren und Investoren regulatorische Sicherheit bieten. Die europäische Industrie sollte langfristige Partnerschaften, lokale Wertschöpfung und Wissenstransfer anbieten, nicht nur Ausrüstung“, sagte Salawou. Finanzierer sollten sich bereits in der Vorbereitungsphase von Projekten engagieren. Die AfDB werde diese mit Garantien, gebündelter Finanzierung und technischer Unterstützung begleiten, so Salawou weiter.
AfDB unterstützt zahlreiche Korridore und Projekte
Die Bank unterstützt nach seinen Angaben bereits Investitionen in mehreren Schlüsselprojekten: im Lobito-Korridor, im Standard-Gauge-Eisenbahnprogramm in Ostafrika, im Nacala-Korridor, im nord-südlichen Schienenkorridor Algeriens, im Hochgeschwindigkeitszugnetz Marokkos sowie in städtischen Bahnprojekten in Senegal und Nigeria. Damit spannt sich der geografische Bogen der geförderten Vorhaben über mehrere Regionen des Kontinents.
Michael Krake, stellvertretender Generaldirektor für wirtschaftliche Zusammenarbeit beim BMZ, betonte die deutsche Rolle in der Partnerschaft. „Das BMZ arbeitet mit unseren afrikanischen Partnern daran, die regionale Konnektivität zu stärken und eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung zu unterstützen. Gemeinsam mit der AfDB werden wir die praktische Zusammenarbeit in den Bereichen Interoperabilität, Qualifizierung und weiteren Prioritäten vorantreiben, die dazu beitragen, einen stärkeren Eisenbahnsektor aufzubauen“, sagte Krake.
Für deutsche Anleger und Unternehmen im Bahn- und Infrastruktursektor könnte die Partnerschaft neue Perspektiven eröffnen. Die Betonung von langfristigen Partnerschaften, lokaler Wertschöpfung und Wissenstransfer deutet darauf hin, dass europäische Industrie und Finanzierer stärker in die Vorbereitung und Umsetzung afrikanischer Bahnprojekte eingebunden werden sollen. Entscheidend dürfte dabei sein, wie schnell die angekündigten Reformen und Standards aufseiten der afrikanischen Staaten umgesetzt werden.
