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Zentralbankchefin der Türkei tritt zurück

Sachlage unklar: Rufmordkampagne oder Vetternwirtschaft?

2 Min
Zentralbankchefin der Türkei tritt zurück

Die türkische Zentralbankchefin Hafize Gaye Erkan hat ihren Rücktritt bekannt gegeben. Dieser Schritt erfolgt vor dem Hintergrund schwerwiegender Anschuldigungen gegen sie, die sich auf Vetternwirtschaft konzentrieren. Erkan, die mit 44 Jahren an der Spitze der türkischen Zentralbank stand, sieht sich und ihre Familie einer Rufmordkampagne ausgesetzt. Sie betonte, dass sie diese Belastung ihrer Familie nicht weiter zumuten möchte und hat daher Präsident Recep Tayyip Erdogan gebeten, sie von ihren Aufgaben zu entbinden. Erkan erklärte, dass sie ihre Pflichten seit dem ersten Tag mit Ehre erfüllt habe.

Die Vorwürfe gegen Erkan umfassen unter anderem, dass ihr Vater von der Zentralbank diverse Privilegien wie ein Büro, einen Dienstwagen und Personenschutz erhalten habe. Zudem sei ihm erlaubt worden, Personalentscheidungen zu treffen. Erkan selbst weist diese Anschuldigungen zurück und bezeichnet sie als grundlos. Ihrer Meinung nach zielen diese darauf ab, das Vertrauen in die Zentralbank zu untergraben.

Ein weiterer Punkt, der für Aufsehen sorgte, war Erkans Äußerung gegenüber der Zeitung "Hürriyet", in der sie erwähnte, dass sie aufgrund der hohen Mieten in Istanbul wieder bei ihren Eltern eingezogen sei. Diese Bemerkung soll Präsident Erdogan verärgert haben.

Nach Erkans Rücktritt äußerte sich der türkische Finanzminister Mehmet Simsek, der betonte, dass es sich um eine persönliche Entscheidung Erkans handle. Er versicherte, dass die Wirtschaftspolitik des Landes ohne Unterbrechung fortgesetzt werde. Als möglicher Nachfolger für Erkan wird der Zentralbank-Vizechef Fatih Karahan gehandelt.

Erkan wurde von Präsident Erdogan nach seiner Wiederwahl im Mai des Vorjahres ernannt und war die erste Frau in der Geschichte, die dieses Amt bekleidete. Während ihrer Amtszeit konzentrierte sie sich auf drastische Leitzinserhöhungen als Mittel im Kampf gegen die hohe Inflation, eine Politik, die im Gegensatz zu Erdogans langjähriger Ablehnung solcher Maßnahmen stand. Die Inflation in der Türkei hatte im Jahr 2022 mit 85 Prozent einen historischen Höchststand erreicht und lag im Dezember des vergangenen Jahres bei 65 Prozent. Erkans Rücktritt markiert ein signifikantes Ereignis in der türkischen Wirtschaftspolitik und wirft Fragen bezüglich der zukünftigen Richtung der Zentralbank und ihrer Strategien im Umgang mit den wirtschaftlichen Herausforderungen des Landes auf.

Türkei

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