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WorldSkills in Shanghai: China fehlen 50 Millionen Fachkräfte

Berufs-WM in Shanghai: 36 Deutsche treten gegen 1.400 Fachkräfte aus knapp 70 Ländern an.

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WorldSkills in Shanghai: China fehlen 50 Millionen Fachkräfte

Mehr als 8.000 Kilometer trennen Maximilian Buerger von seiner Werkbank. Der 22-jährige Stuckateur aus Wetter im Ruhrgebiet steht bei der Berufe-WM WorldSkills in Shanghai und baut dort eine zwei Meter hohe Gipskartonwand. Für die Konstruktion hat er zehn Stunden Zeit. Ein Mittelfeldplatz wäre für ihn ein Erfolg – an den Sieg denkt der Deutsche nicht.

Der Wettbewerb ist der wichtigste seiner Art. WorldSkills findet seit 1950 alle zwei Jahre statt, das Gastgeberland wechselt dabei. Diesmal richtet Shanghai die Meisterschaft aus. 36 junge Deutsche sind angetreten, insgesamt messen sich rund 1.400 Fachkräfte aus knapp 70 Ländern in 64 Disziplinen. Das Spektrum reicht vom Handwerk über die Zahntechnik bis zum Software-Testing und zum Drohnen-Bau.

China tritt mit größter Delegation an

Das Gastgeberland schickt die größte Delegation und ist in allen 64 Disziplinen vertreten. China gewann bereits vier vergangene Weltmeisterschaften die meisten Titel und reist seit Jahren mit den meisten Teilnehmern an. Der sportliche Ehrgeiz ist Teil einer größeren Strategie: Das Land versucht, sein Ausbildungssystem grundlegend zu reformieren.

Der Handlungsdruck ist enorm. China fehlen rund 50 Millionen Fachkräfte, mehr als die Hälfte davon in Schlüsselbereichen. Zugleich drängen 12,7 Millionen Universitäts-Abgänger auf den Arbeitsmarkt. Die Nachfrage nach Arbeitskräften liegt zu über 70 Prozent bei Fachkräften – doch das System produziert vor allem Akademiker.

Wang Guangyan bringt das Kernproblem auf den Punkt: "Industrie und Ausbildung zu verzahnen ist entscheidend." Genau hier liegt die Schwäche. China verfügt über 11.000 Berufsschulen und damit das größte Ausbildungsnetz der Welt. Doch die praktische Lehre wird lediglich durch Theorie in der Berufsschule ergänzt. Das deutsche duale Ausbildungssystem, in dem Betrieb und Schule verzahnt sind, versucht China zu kopieren.

Statusproblem und fehlende Standards

Die Hindernisse sind struktureller Natur. Kleinen und mittleren Unternehmen in China fehlen oft die Ressourcen und die Ambition, selbst auszubilden. Zudem mangelt es an einheitlichen Lernstandards, die von Handwerkskammern zertifiziert werden – ein zentrales Element des deutschen Modells.

Hinzu kommt ein kulturelles Problem. In China gilt akademische Bildung als die einzig wahre Bildung, die Berufsausbildung hat einen deutlich geringeren Status. Xiong Bingqi vom 21st Century Education Research Institute formuliert es so: "Tatsächlich wird bis heute eine Berufsausbildung im Vergleich zu akademischer Bildung als weniger wert angesehen."

Für die Betroffenen wird diese Hierarchie zunehmend zum Problem. Universitäts-Abgänger haben wegen der schwachen Wirtschaft und der Umbrüche durch Künstliche Intelligenz schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Gleichzeitig bleiben Fachkräftestellen unbesetzt.

Was bedeutet das für Anleger?

Für Privatanleger liefert die Berufe-WM einen interessanten Blick auf die industrielle Basis Chinas. Ein Land, dem 50 Millionen Fachkräfte fehlen, muss seine Produktivität über Automatisierung und Weiterbildung sichern. Beide Themenfelder dürften langfristig an Bedeutung gewinnen.

Der deutsche Vergleich lohnt sich ebenfalls. Das duale System genießt international hohes Ansehen, wie die Versuche Chinas zeigen, es zu kopieren. Wettbewerbe wie WorldSkills machen sichtbar, wo diese Stärke liegt – etwa in der Präzision handwerklicher Arbeit unter Zeitdruck. Buerger beschreibt die Herausforderung nüchtern: "Die größte Schwierigkeit ist die Zeit, also die Konstruktion in den vorgegebenen zehn Stunden herzustellen."

Ob China den Rückstand aufholt, hängt weniger an der Zahl der Berufsschulen als am gesellschaftlichen Ansehen beruflicher Bildung. Solange akademische Abschlüsse als wertvoller gelten, wird das größte Ausbildungsnetz der Welt sein Potenzial nicht voll ausschöpfen können.

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