Wolfe-Analyst zweifelt an Trumps Zuversicht für Iran-Abkommen
Tobin Marcus von Wolfe Research hinterfragt, ob Trumps Optimismus den echten Verhandlungsstand widerspiegelt oder nur Bombardierungsdruck.

Tobin Marcus, politischer Analyst bei Wolfe Research, äußert erhebliche Zweifel an einem unmittelbar bevorstehenden diplomatischen Durchbruch zwischen den USA und dem Iran. Er stellt die zentrale Frage, ob das öffentliche Vertrauen von Präsident Trump in ein baldiges Abkommen den tatsächlichen Stand der Verhandlungen widerspiegelt – oder lediglich seine Theorie, dass anhaltende Bombardierungen Teheran an den Verhandlungstisch zwingen würden. Die Analyse fällt in eine besonders angespannte Phase: Die USA befinden sich erneut weniger als 48 Stunden vor Ablauf von Trumps jüngster Frist für Angriffe auf iranische Kraftwerke.
Trump selbst äußerte sich gegenüber Journalisten ausweichend: „Es könnte einen Deal geben, und es könnte auch keinen Deal geben. Ich weiß es nicht. Ich habe keine Ahnung bei diesen Leuten, sie werden verdammt noch mal fertiggemacht, und das ist alles, was ich Ihnen sagen kann." Marcus interpretiert diese Aussage als Hinweis darauf, dass Trumps Optimismus weniger auf konkreten Verhandlungsfortschritten basiert als auf der Erwartung, militärischen Druck in Zugeständnisse umzuwandeln. Die Drohung mit Angriffen auf iranische Kraftwerke hatte Trump seit dem 9. März mehrfach ausgesprochen und verlängert, ohne sie bisher umzusetzen.
Bodenoperation unwahrscheinlich – aber Luftangriffe als Alternative
Zur Frage einer möglichen Bodenoperation zeigt sich Marcus skeptisch. Sein Instinkt sage ihm, dass Trump trotz des anhaltenden militärischen Aufbaus in der Region kein Interesse an einem großangelegten Bodeneinsatz habe. Die spezifischen Bodenoperationen, die Berichten zufolge in Erwägung gezogen werden, wiesen laut dem Analysten „tiefgreifende strategische Mängel" auf. Als Alternative könnten weitere Luftangriffe auf neue Ziele dienen, um den Druck für eine Entsendung von Bodentruppen zu verringern.
Marcus warnt zudem vor dem Risiko iranischer Vergeltungsmaßnahmen gegen die Energieinfrastruktur am Persischen Golf, sollten Angriffe auf Kraftwerke tatsächlich erfolgen. Besonders besorgniserregend: Der Iran besitzt Berichten zufolge noch immer etwa die Hälfte seines Bestands an ballistischen Mittelstreckenraketen. Gleichzeitig ziehen die USA für den Konflikt Abstandswaffen aus Asien ab – ein Schritt, den Marcus als Reaktion auf die Risiken für US-Flugzeuge wertet, die aus kürzerer Distanz operieren würden.
Straße von Hormus: Kein Grund für übertriebenen Optimismus
Auch beim Thema Schifffahrt dämpft Marcus voreiligen Optimismus. Der jüngste Anstieg des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus sei kein verlässliches Zeichen für eine Normalisierung. Bei den derzeit passierenden Schiffen handele es sich primär um solche, die den Golf verlassen – nicht um neu einfahrende Schiffe. Marcus veranschaulicht dies mit einem einprägsamen Bild: „Wenn Sie eine Geisel bei einem Banküberfall sind und die Räuber Sie freilassen, werden Sie nicht zurück in diese Bank gehen, um einen Scheck einzulösen, während der Überfall noch im Gange ist."
Eine echte Normalisierung der Warenströme setze voraus, dass sich Schiffsbetreiber sicher genug fühlen, um wieder einzulaufen und neue Ladungen aufzunehmen. Davon sei man derzeit noch weit entfernt. Marcus geht davon aus, dass sich der Konflikt noch über mehrere Wochen hinziehen könnte – selbst wenn das letztendliche Ziel ein erklärter Sieg und ein Rückzug ohne die militärische Wiedereröffnung der Meerenge sei.
Für Anleger und Märkte bleibt die Lage damit hochgradig unberechenbar. Marcus verwies zudem auf Aufnahmen von einem Osteressen mit Verbündeten, die versehentlich vom Weißen Haus veröffentlicht wurden und in denen Trump den Wunsch äußerte, länger im Iran zu bleiben und „das Öl zu nehmen" – ein Detail, das die strategischen Ambitionen der US-Regierung in einem neuen Licht erscheinen lässt.
