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Warum Rüstungsaktien trotz geopolitischer Spannungen unter Druck stehen

Kleinere Rüstungstitel enttäuschen trotz Ukraine-Krieg und Nahost-Konflikten: IPO-Flut, Wahlunsicherheit und Haushaltssorgen drücken die Kurse.

• 2 Min
Warum Rüstungsaktien trotz geopolitischer Spannungen unter Druck stehen

Trotz der angespannten geopolitischen Lage mit den Konflikten im Nahen Osten und dem anhaltenden Ukraine-Krieg stehen die Aktien kleinerer und mittelgroßer Rüstungsunternehmen unter Druck. Die Notwendigkeit moderner Verteidigungstechnologien ist offensichtlich – doch an der Börse spiegelt sich das derzeit nicht wider. Während die Konflikte die Waffenbestände erschöpfen, zeigt sich ein ökonomisches Missverhältnis: Millionenschwere Abfangjäger müssen gegen kostengünstige Drohnen eingesetzt werden. Die Kurse der kleineren und mittleren Rüstungstitel bleiben dennoch hinter den Erwartungen zurück.

Die Trump-Administration forciert zwar eine Beschleunigung und einen stärkeren Wettbewerb bei der militärischen Beschaffung. Dennoch leidet der Sektor unter einer ausgeprägten Underperformance. Der „State Street SPDR S&P Aerospace & Defense ETF“, der durch seine gleichgewichtete Struktur stärker auf kleinere Unternehmen ausgerichtet ist, verzeichnete in den vergangenen Wochen einen Rückgang von 21 %. Der „iShares U.S. Aerospace & Defense ETF“, der stärker in etablierte Großkonzerne wie RTX und Boeing investiert ist, weist im Vergleich dazu ein Minus von 15 % auf.

Die Bewertung der kleineren Titel ist entsprechend gesunken. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt aktuell bei etwa dem 36-fachen der erwarteten Gewinne. Während der zweiten Amtszeit von Präsident Trump lag der Durchschnitt noch bei 44.

Drei Gründe für die Schwäche

Analysten von Capital Alpha Partners führen diese Entwicklung auf mehrere Faktoren zurück. Erstens hat eine Flut von Börsengängen (IPOs) das Angebot an verfügbaren Rüstungstiteln massiv erhöht. In diesem Jahr gingen sechs Unternehmen in den USA und fünf in Europa an die Börse – die meisten dieser Neulinge zeigten bislang enttäuschende Kursverläufe.

Zweitens sorgt die politische Unsicherheit im Vorfeld der Zwischenwahlen für Zurückhaltung bei den Investoren. Daten von Polymarket zufolge ist die Wahrscheinlichkeit eines Wahlsiegs der Demokraten seit dem Sommer stetig gestiegen. Mitte September lag sie bei über 60 %.

Fiskalische Sorgen belasten den Sektor

Zusätzlich belasten fiskalische Sorgen den Sektor. Angesichts eines erwarteten Haushaltsdefizits von über 6 % des Bruttoinlandsprodukts und hoher Zinsen wächst der Druck auf die Staatsausgaben. Besonders gefährdet ist dabei ein Teil von 350 Milliarden US-Dollar aus Trumps 1,5-Billionen-Dollar-Verteidigungsbudget, der über ein Versöhnungsverfahren (Reconciliation) finanziert werden müsste.

In diesem gefährdeten Budgetposten sind unter anderem 54 Milliarden US-Dollar für Drohnen und 49 Milliarden US-Dollar für Künstliche Intelligenz vorgesehen. Diese beiden Posten gelten damit als besonders exponiert, sollten die geplanten Mittel im Rahmen des Reconciliation-Verfahrens nicht wie vorgesehen bereitgestellt werden.

Für deutsche Anleger ist die Entwicklung ein Hinweis darauf, dass geopolitische Spannungen nicht automatisch steigende Kurse im Verteidigungssektor bedeuten. Neben der Nachfrage nach Waffensystemen spielen das Angebot an Titeln, die politische Lage und die Haushaltslage eine mindestens ebenso große Rolle. Die jüngste Underperformance zeigt, wie stark diese Faktoren die Bewertung kleinerer und mittelgroßer Rüstungsunternehmen beeinflussen können – und wie sehr sich die Kursentwicklung des Sektors von der sicherheitspolitischen Großwetterlage entkoppeln lässt.

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