Volex rechnet mit Gewinn am oberen Ende der Analystenschätzungen
Der britische Komponentenhersteller meldet mindestens 710 Millionen US-Dollar Umsatz im ersten Halbjahr und stellt einen operativen Gewinn am oberen Rand der Schätzungen in Aussicht.

Der britische Komponentenhersteller Volex rechnet für das laufende Geschäftsjahr 2027 mit einem zugrunde liegenden operativen Gewinn an der Oberkante der Analystenschätzungen. Das teilte das in London unter dem Ticker VLX notierte Unternehmen am Montag mit. Grundlage ist ein Umsatzplus im ersten Halbjahr, das organisch um mindestens 21 Prozent auf mindestens 710 Millionen US-Dollar zulegte.
Volex stellt kritische Produkte für die Strom- und Datenübertragung her. Das Wachstum von 21 Prozent fiel auf konstanten Wechselkursen an, und der Umsatz stieg in allen Endmärkten. In dem Halbjahresumsatz sind rund 11 Millionen US-Dollar aus Kepler SignalTek enthalten, dessen Übernahme im Juli 2026 abgeschlossen wurde.
Die vom Unternehmen selbst zusammengestellten Analystenschätzungen für das am 31. März 2027 endende Geschäftsjahr liegen nach Stand vom 16. Oktober durchschnittlich bei einem zugrunde liegenden operativen Gewinn von 150,4 Millionen US-Dollar. Die Spanne reicht von 145,9 Millionen bis 153,3 Millionen US-Dollar. Bei den Umsätzen liegt der Durchschnitt bei 1,39 Milliarden US-Dollar, in einer Spanne von 1,37 Milliarden bis 1,44 Milliarden US-Dollar.
Die Details
Das Wachstum hat sich im Vergleich zu den 28 Prozent verlangsamt, die für die ersten vier Monate des Jahres gemeldet wurden. Als Grund nennt das Unternehmen die Programme im Rechenzentrumsgeschäft, die im Vorjahr angelaufen sind und nun ein volles Geschäftsjahr durchlaufen. Auf organischer Basis zu konstanten Kursen lag der Umsatz im ersten Halbjahr etwa 7 Prozent über dem Niveau im zweiten Halbjahr des Geschäftsjahres 2026 (FY2026).
Der Umsatz im Bereich Rechenzentren lag deutlich über dem Vorjahreszeitraum, jedoch unter dem Niveau des zweiten Halbjahrs FY2026. Dieser Vergleichszeitraum hatte zusätzliche Verkäufe enthalten, die auf kurzfristige Kundenbedürfnisse zurückgingen, welche andere Anbieter nicht erfüllen konnten, nachdem Volex wichtige Komponenten frühzeitig gesichert hatte. Die Lieferbedingungen haben sich seitdem normalisiert.
Hinzu kommt ein Sondereffekt: Kunden nahmen im ersten Halbjahr zusätzliche Lieferungen ab, um Pufferbestände während der Konsolidierung der US-amerikanischen Produktionsstandorte von Volex aufzubauen. Dadurch wurden etwa 10 Millionen US-Dollar des eigentlich im zweiten Halbjahr erwarteten Umsatzes vorverlegt. Die Konsolidierung läuft nach Plan und soll bis zum Ende des Geschäftsjahres abgeschlossen sein.
Nach Endmärkten aufgeschlüsselt meldet Volex ein sehr starkes Wachstum im Bereich „EV & Electrification“. Treiber war ein größerer Anteil an den Anforderungen des größten E-Auto-Kunden. Der Off-Highway-Bereich wuchs trotz eines einmaligen Kundenprojekts im Vorjahr, und Consumer Electricals kehrte dank neuer Projekte mit großen globalen Kunden zum organischen Wachstum zurück. Im Medizinbereich verzeichnete das Unternehmen ein moderates organisches Wachstum. Dass der Umsatz in allen Endmärkten zulegte, deutet auf eine breite Nachfragebasis statt einer Abhängigkeit von einem einzelnen Geschäftsfeld hin.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 28.07.2026 berichtete aktien.news, dass der britische Elektronikhersteller Luceco ein starkes Trading-Update für das erste Halbjahr 2026 vorlegte und seine Prognosen für die Geschäftsjahre 2027 und 2028 anhob. Luceco steigerte den Umsatz auf organischer Basis bei konstanten Wechselkursen um 13 Prozent auf 143 Millionen Britische Pfund, wobei sich das Wachstum im Jahresverlauf beschleunigte: Das erste Quartal lag bei plus 11 Prozent, das zweite Quartal bei plus 15 Prozent.
Am 19.05.2026 meldete aktien.news, dass Fujikura einen mittelfristigen Geschäftsplan bis zum Geschäftsjahr 2036 vorstellte. Der japanische Technologiekonzern, der unter anderem im Bereich Glasfaserkabel und Verbindungstechnologien tätig ist, peilt für das Geschäftsjahr 2028 einen Betriebsgewinn von 264 Milliarden Yen an, für das Geschäftsjahr 2029 dann 315 Milliarden Yen bei einer angestrebten Eigenkapitalrendite von 28,5 Prozent.
Ebenfalls aus dem Umfeld berichtete aktien.news am 23.07.2026 über die Volution Group, die ihre Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr 2026 anhob und ein Ergebnis je Aktie von rund 38,0 Pence erwartet – ein Plus von etwa 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Am 21.01.2026 folgte der Bericht über TE Connectivity, das für das zweite Quartal einen bereinigten Gewinn pro Aktie von etwa 2,65 US-Dollar prognostizierte und vom KI-Boom mit verstärkten Investitionen in Rechenzentren und Netzwerkausrüstung profitiert.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist Volex vor allem als Zulieferer der Daten- und Strominfrastruktur interessant, also als Profiteur des Ausbaus von Rechenzentren und der Elektrifizierung. Die nun gemeldete Verlangsamung des Wachstums von 28 auf mindestens 21 Prozent ist weniger ein Nachfrageproblem als ein Basiseffekt: Die im Vorjahr angelaufenen Rechenzentrumsprogramme laufen inzwischen ein volles Jahr, sodass der Vergleichsmaßstab anspruchsvoller wird.
Positiv hervorzuheben ist die Margenentwicklung. Die zugrunde liegende operative Gewinnmarge im ersten Halbjahr wird voraussichtlich näher an das mittelfristige Ziel von 12 Prozent heranreichen. Begünstigt wird dies durch höhermargige Verkäufe aus Kepler SignalTek sowie durch Effizienzsteigerungen. Ein Teil des Umsatzes wurde allerdings aus dem zweiten in das erste Halbjahr vorverlegt, was die zweite Jahreshälfte entsprechend belastet.
Anleger sollten zudem beachten, dass die genannten Analystenschätzungen vom Unternehmen selbst zusammengestellt wurden und nicht zwingend die unabhängige Marktmeinung widerspiegeln. Die Spanne beim operativen Gewinn reicht von 145,9 Millionen bis 153,3 Millionen US-Dollar, was zeigt, wie breit die Erwartungen gestreut sind. Dies ist keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung.
Ausblick
Für das zweite Halbjahr erwartet Volex einen Umsatz, der annähernd dem des ersten Halbjahrs entspricht, wenn man die vorverlegten Umsätze berücksichtigt. Die aktuellen Handelsbedingungen dürften sich in den meisten Endmärkten fortsetzen. Die Konsolidierung der US-amerikanischen Produktionsstandorte soll bis zum Ende des Geschäftsjahres abgeschlossen sein.
Das Geschäftsjahr 2027 endet am 31. März 2027. Bis dahin will das Unternehmen den zugrunde liegenden operativen Gewinn an der Oberkante der Analystenschätzungen erreichen und sich bei der operativen Marge dem mittelfristigen Ziel von 12 Prozent weiter annähern.
Kurz erklärt
- Zugrunde liegender operativer Gewinn: bereinigter Gewinn aus dem laufenden Geschäft, der Sonder- und Einmaleffekte ausklammert.
- Organisches Wachstum: Umsatzwachstum aus eigener Kraft, ohne Zukäufe und ohne Währungseffekte.
- Operative Gewinnmarge: Verhältnis des operativen Gewinns zum Umsatz eines Unternehmens.
