Vistra-Aktie erholt sich: Vier Milliarden Dollar für Kernkraftwerke
Ein Bloomberg-Bericht über ein geplantes US-Darlehen von rund vier Milliarden Dollar gibt der Aktie von Vistra neuen Auftrieb.

Die Aktien von Vistra Corp (NYSE:VST) haben am Freitagnachmittag einen Teil ihrer früheren Verluste zurückerobert. Das Papier notierte zuletzt mit einem Minus von 0,3 Prozent bei 139,20 Dollar, nachdem es im Handelsverlauf bis auf ein Sessionstief von 135,79 Dollar gefallen war. Vor Bekanntwerden der jüngsten Nachrichten hatte die Aktie bei rund 137 Dollar gehandelt.
Auslöser der Erholung ist ein Bericht von Bloomberg. Demnach will die Trump-Verwaltung dem Energieversorger ein Darlehenspaket in Höhe von rund vier Milliarden Dollar anbieten, um drei seiner Kernkraftwerke aufzurüsten. Wie es in dem Bericht heißt, soll US-Energieminister Chris Wright die Finanzierung bereits am Montag im Rahmen eines geplanten Besuchs des Perry-Kernkraftwerks nordöstlich von Cleveland ankündigen.
Das Paket würde dem Bericht zufolge Investitionen in zwei Kraftwerke von Vistra in Ohio sowie in ein weiteres in Pennsylvania finanzieren. Diese Angaben stammen von mit der Angelegenheit vertrauten Personen, die nicht öffentlich dazu Stellung nehmen durften. Sowohl das US-Energieministerium als auch Vistra reagierten laut dem Bericht zunächst nicht auf Anfragen zur Kommentierung.
Hintergrund: Steigende Stromnachfrage durch Rechenzentren
Das Darlehen soll Kapazitätserweiterungen an bestehenden Standorten unterstützen. Hintergrund ist die rapide steigende Stromnachfrage, die unter anderem von rechenintensiven Rechenzentren ausgeht, die rund um die Uhr Energie benötigen. Die genaue Größe der geplanten Erweiterungen war zunächst nicht bekannt.
US-Präsident Trump hat sich zum Ziel gesetzt, die US-amerikanische Kernenergiekapazität bis zum Jahr 2050 zu vervierfachen. Der Ausbau bestehender Anlagen gilt dabei als eine der wenigen Möglichkeiten, die Kernkapazitäten relativ schnell zu erhöhen. Denn die Genehmigung und der Bau neuer Reaktoren bleiben weiterhin ein langwieriger und kapitalintensiver Prozess.
Für Anleger ist der Bericht deshalb von Bedeutung, weil er eine mögliche staatliche Unterstützung für das Geschäft von Vistra signalisiert. Die Finanzierung würde es dem Unternehmen erleichtern, bestehende Standorte zu erweitern, ohne vollständig auf eigene Mittel oder den Kapitalmarkt zurückgreifen zu müssen. Zugleich bleibt die Nachricht bislang unbestätigt, da sowohl das Energieministerium als auch Vistra keine Stellungnahme abgegeben haben.
Vistra beliefert einen der größten Stromnetzbetreiber der USA
Vistra liefert Strom an den größten US-Stromnetzbetreiber PJM Interconnection LLC. Dessen Netzgebiet erstreckt sich von Illinois bis Washington, D. C., und versorgt rund 67 Millionen Menschen. PJM hatte zuletzt Schwierigkeiten, mit der stark steigenden Stromnachfrage aus der regionalen Entwicklung von Rechenzentren Schritt zu halten.
Die Verbindung zwischen Vistra und PJM dürfte ein wesentlicher Grund für das staatliche Interesse sein. Wenn der Netzbetreiber die wachsende Nachfrage nicht mehr zuverlässig decken kann, rückt die Frage der gesicherten Erzeugungskapazität in den Fokus. Kernkraftwerke liefern dabei grundlastfähigen Strom, also Energie, die unabhängig von Wetter und Tageszeit rund um die Uhr verfügbar ist.
Ob und in welchem Umfang das Darlehen tatsächlich zustande kommt, ist offen. Klarheit könnte der für Montag geplante Besuch von Energieminister Wright im Perry-Kraftwerk bringen. Marktbeobachter werden die offizielle Ankündigung genau verfolgen, um zu bewerten, wie stark das Paket die Erweiterungspläne von Vistra voranbringt.
Für deutsche Anleger ist die Entwicklung ein Beispiel dafür, wie stark die Energienachfrage durch den Ausbau von Rechenzentren inzwischen die Bewertung von Versorgern und Kraftwerksbetreibern beeinflusst. Vistra profitiert dabei von einem Bestand an Kernkraftwerken, die sich vergleichsweise zügig erweitern lassen. Ob die Aktie ihre Erholung vom Freitag nachhaltig fortsetzen kann, hängt maßgeblich von den Details der angekündigten Finanzierung ab.
