Vier Vanguard-ETFs, die sich für 20 Jahre lohnen
Wer zwei Jahrzehnte Zeit hat, kann weit mehr als nur den S&P 500 ins Visier nehmen – vier ETFs stechen besonders hervor.

Wer mit einem Anlagehorizont von 20 Jahren investiert, muss kurzfristige Marktschwankungen kaum fürchten. Bärenmärkte, Rezessionen und andere Schocks lassen sich aussitzen – die Wahrscheinlichkeit einer vollständigen Erholung und solider langfristiger Renditen ist über einen solchen Zeitraum historisch hoch. Genau diesen Vorteil nutzen vier Vanguard-ETFs, die über die üblichen Standardlösungen hinausgehen.
Der Vanguard S&P 500 ETF (VOO) und der Vanguard Total Stock Market ETF (VTI) gelten als die naheliegenden Antworten für Langfristanleger. Doch wer bereit ist, etwas tiefer zu schauen, findet Bereiche des Marktes, die eine überdurchschnittliche Performance versprechen könnten. Die Gewinner der nächsten zwei Jahrzehnte müssen nicht dieselben sein wie die der vergangenen Jahre, in denen Künstliche Intelligenz und Technologiewerte das Geschehen dominierten.
Die Details
Der erste Kandidat ist der Vanguard Dividend Appreciation ETF (VIG). Er mag nicht der aufregendste ETF im Portfolio sein, bietet aber eine interessante Kombination: langfristiges Dividendenwachstum kombiniert mit einer Gewichtungsstrategie, die mehrere Megacap-Technologiewerte hervorhebt. Die aktuelle Dividendenrendite liegt bei 1,5% – kein Instrument für hohe laufende Erträge, aber Unternehmen mit stetig steigenden Dividenden haben langfristig starke risikobereinigte Renditen erzielt. Sollte der Markt irgendwann vom KI-Trend abrücken, sind Dividendenaktien aufgrund ihrer Qualität und Beständigkeit gut positioniert, die Marktführerschaft zu übernehmen.
Der zweite ETF ist der Vanguard Small Cap Value ETF (VBR), der auf einen Marktbereich zielt, der seit geraumer Zeit unbeliebt ist. Value-Aktien wurden im KI-Boom weitgehend ignoriert, und die Kategorie der Small-Cap-Value-Werte gilt als anfällig für Unternehmen, die „aus gutem Grund billig" sind. Dennoch sprechen aktuelle Bewertungen und Gewinnerwartungen für einen Einstieg: Die Wachstumsraten der Gewinne im Small-Cap-Bereich sollen im Jahr 2026 20% erreichen. Gleichzeitig wird der ETF nur mit etwa dem 14-fachen der erwarteten Gewinne der nächsten 12 Monate gehandelt – ein Growth/Value-Profil, das so attraktiv ist wie seit Langem nicht mehr.
Der dritte Fonds, der Vanguard Total International Stock ETF (VXUS), bildet den globalen Aktienmarkt außerhalb der USA ab. Im vergangenen Jahrzehnt hatte er im Vergleich zu US-Aktien kaum Chancen – Anleger bevorzugten die USA als Wachstumsstandort, was sich in der relativen Performance deutlich niederschlug. Doch internationale Aktien sind so lange in Ungnade gefallen, dass eine Aufholjagd möglich erscheint. Die Geschichte zeigt, dass globale Marktführerschaft in mehrjährigen Zyklen rotiert: Internationale Aktien führten während des gesamten Jahrzehnts der 2000er Jahre, während US-Aktien seither fast durchgehend besser abschnitten. Wenn ausländische Aktien gegenüber dem S&P 500 wieder in Gunst steigen, könnten sie dort eine Weile bleiben.
Der vierte ETF ist der Vanguard Total Bond Market ETF (BND). Angesichts der miserablen jüngsten Renditen langfristiger Staatsanleihen dürfte er für viele Anleger nicht auf dem Radar sein. Doch langfristige Anleihen bieten inzwischen Renditen von 5% bis 6% – eine Anlageklasse, die man nicht länger ignorieren kann. Die Rendite für 10-jährige Staatsanleihen liegt auf dem höchsten Stand seit fast einem Vierteljahrhundert, was einen soliden Ausgangspunkt für hohe Erträge und potenziellen Kapitalzuwachs in den kommenden Jahren darstellt. Kurzfristig könnten die Renditen weiter steigen, da die Inflation beständig deutlich über 3% liegt und die Fed die Zinsen in den nächsten 12 Monaten möglicherweise mehrfach anheben könnte. Andererseits könnten eine Lösung im Iran-Konflikt oder eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums die Zinsen deutlich sinken lassen.
Hintergrund: Was bisher geschah
Das Thema langfristiger Vanguard-ETF-Strategien beschäftigt aktien.news bereits seit Monaten. Bereits am 27.09.2026 berichtete aktien.news über drei Vanguard-Fonds für einen 20-Jahres-Horizont: Ein US-Analyst von The Motley Fool beschrieb damals, wie er 10.000 Dollar auf drei Indexfonds aufteilen würde – einen S&P-500-Fonds, einen dividendenorientierten und einen wachstumsorientierten Fonds. Hintergrund war, dass der S&P 500 zu diesem Zeitpunkt etwa 1% unter seinem Rekordhoch notierte und frisches Kapital anzulegen sich unangenehm anfühlte – der größere Fehler über 20 Jahre sei jedoch, gar nicht zu investieren.
Am 02.05.2026 stellte aktien.news vier günstige Vanguard-ETFs für die Altersvorsorge vor. Der Bericht betonte, dass eine klare Strategie und kostengünstige, breit diversifizierte Fonds eines etablierten Anbieters die Auswahl aus Tausenden von Produkten deutlich eingrenzen können. Am 04.06.2026 folgte ein Bericht über drei Vanguard-ETFs für das Portfolio im Juni 2026, der auch die besondere Eigentümerstruktur von Vanguard hervorhob: Das Unternehmen ist nicht börsennotiert, sondern gehört seinen eigenen Fonds – und damit letztlich seinen Anteilseignern.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger, die langfristig Vermögen aufbauen wollen, bieten diese vier ETFs unterschiedliche Bausteine. Der VIG eignet sich als stabiler Kern mit Dividendenwachstum, der VBR als Beimischung für Anleger, die auf eine Erholung von Value- und Small-Cap-Aktien setzen möchten. Der VXUS ermöglicht eine breite internationale Streuung jenseits des US-Marktes – ein klassisches Diversifikationsinstrument, das nach Jahren der Underperformance wieder interessanter werden könnte. Der BND schließlich bietet eine Anleihenkomponente, die angesichts der aktuellen Renditeniveaus wieder eine echte Alternative darstellt.
Wichtig: Alle vier ETFs sind in US-Dollar notiert, was für deutsche Anleger ein Währungsrisiko bedeutet. Zudem unterliegen Erträge aus ausländischen ETFs der deutschen Abgeltungsteuer. Eine individuelle steuerliche Beratung bleibt unerlässlich. Dieser Artikel stellt keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar.
Ausblick
Für den Small-Cap-Bereich wird erwartet, dass die Gewinnwachstumsraten im Jahr 2026 die Marke von 20% erreichen. Für den Anleihenmarkt bleibt offen, ob die Fed die Zinsen in den nächsten 12 Monaten mehrfach anheben wird – die Inflation liegt beständig deutlich über 3%. Eine mögliche Lösung im Iran-Konflikt oder eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums könnte hingegen zu sinkenden Zinsen und damit steigenden Anleihekursen führen.
Kurz erklärt
- ETF: Ein börsengehandelter Indexfonds, der einen bestimmten Marktindex nachbildet und wie eine Aktie an der Börse gehandelt werden kann.
- Small-Cap-Value: Bezeichnung für Aktien kleinerer Unternehmen, die anhand von Kennzahlen wie dem Kurs-Gewinn-Verhältnis als günstig bewertet gelten.
- Dividendenrendite: Das Verhältnis der jährlichen Dividende zum aktuellen Aktienkurs, ausgedrückt als Prozentwert.
