VDMA fordert Schwarze Liste und schärfere Marktüberwachung für Maschinenimporte
Der VDMA verlangt eine Schwarze Liste für Hersteller unsicherer Maschinen und schärfere Kontrollen von Importen aus Drittstaaten.

Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) fordert eine deutlich schärfere Marktüberwachung für Maschinenimporte aus Drittstaaten. Hintergrund ist eine Umfrage unter mehr als 400 Mitgliedsfirmen, in der eine große Mehrheit von Wettbewerbsverzerrungen durch unsichere Maschinen berichtet. Der Verband verlangt deshalb eine Schwarze Liste für Hersteller, die europäische Sicherheitsstandards nicht einhalten.
Nach den Ergebnissen der Umfrage sehen knapp zwei Drittel der befragten Unternehmen einen Wettbewerb mit unsicheren Maschinen. Mehr als die Hälfte der betroffenen Firmen meldet dadurch Auftragsverluste. Die Angaben stützen sich auf einen Vorabbericht der Welt am Sonntag.
Der VDMA verlangt, dass Hersteller unsicherer Maschinen aus Drittländern auf eine Schwarze Liste gesetzt werden. Diese Liste soll unmittelbar ein Importverbot nach sich ziehen. Als Vorbild nennt der Verband die USA und Indien, die laut VDMA bereits solche Verbote praktizieren.
Die Details
Die Umfrage des VDMA unter mehr als 400 Mitgliedsfirmen zeichnet ein deutliches Bild. Knapp zwei Drittel der Befragten gaben an, im Wettbewerb mit unsicheren Maschinen zu stehen. Betroffen sind nach Verbandsangaben knapp 20 Fachzweige des Maschinen- und Anlagenbaus.
Als typische Mängel nennt der VDMA fehlende Notabschaltungen, mangelhafte Schutzvorrichtungen und Defizite bei der elektrischen Sicherheit. Solche Maschinen gefährden nicht nur den fairen Wettbewerb, sondern auch die Beschäftigten, die an ihnen arbeiten. Der Verband verweist darauf, dass europäische Sicherheitsstandards durch derartige Importe untergraben würden.
Als häufigstes Herkunftsland unsicherer Maschinen nennt der VDMA China. Auf die Volksrepublik entfallen 52 Prozent der Fälle. In 37 Prozent der Fälle ließ sich die Herkunft nach Verbandsangaben nicht klar zuordnen. Neben China werden auch andere Länder als Herkunft genannt.
Die wirtschaftlichen Folgen sind laut Umfrage erheblich. Mehr als die Hälfte der betroffenen Firmen berichtet von Auftragsverlusten. Der Grund: Anbieter, die gesetzliche Anforderungen missachten, erzielen dadurch Kostenvorteile und können günstigere Preise anbieten.
Der VDMA beschränkt seine Forderungen nicht auf die Schwarze Liste. Der Verband verlangt zusätzlich schärfere Produktkontrollen und eine Marktüberwachung aus einer Hand. Die bestehenden Marktüberwachungsstrukturen bewertet der Verband als unzureichend.
Thilo Brodtmann, Hauptgeschäftsführer des VDMA, macht die Haltung des Verbands deutlich: "Sicherheit darf kein Wettbewerbsnachteil sein". Er ergänzt: "Unsere Unternehmen halten europäische Sicherheitsvorschriften ein und stecken erhebliche Ressourcen in sichere Maschinen. Sie dürfen nicht gegenüber Anbietern benachteiligt werden, die gesetzliche Anforderungen missachten und dadurch Kostenvorteile erzielen."
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuelle Forderung des VDMA steht in einer längeren Reihe von Warnungen aus der Branche. Bereits am 22.09.2026 berichtete aktien.news, dass die Europäische Zentralbank (EZB) vor Chinas industriellem Wandel warnt. Demnach verdrängt China europäische Unternehmen zunehmend von globalen Schlüsselmärkten. Besonders betroffen seien deutsche Firmen aus den Sektoren Maschinenbau und Verkehrsausrüstung. China habe seine globale Präsenz durch einen gezielten Fokus auf höherwertige und technologieintensive Produktion massiv ausgebaut.
Schon am 13.02.2026 berichtete aktien.news über eine schwere Krise im deutschen Maschinenbau. Ende 2025 arbeiteten nur noch gut eine Million Menschen in der Branche – 22.000 weniger als ein Jahr zuvor, ein Rückgang von 2,2 Prozent. Der VDMA nannte damals US-Zölle und chinesische Wettbewerber mit aggressiven Preisen als Ursachen.
Am 30.07.2026 meldete aktien.news, dass die Investitionsbereitschaft im deutschen Mittelstand laut einer Umfrage der DZ Bank auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Erhebung im Jahr 1995 gefallen ist. Nur 52 Prozent der befragten Unternehmen planten, in den nächsten sechs Monaten in ihren Betrieb zu investieren.
Und am 26.05.2026 berichtete aktien.news über die Chinareise von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche. Sie erklärte damals, die deutschen Interessen seien in der Vergangenheit nicht klar genug benannt worden. Chinesische Unternehmen drängten mit staatlich subventionierten Produkten auf die Weltmärkte.
Was das für Anleger bedeutet
Für Privatanleger ist die Meldung vor allem als Signal für die Stimmung im deutschen Maschinen- und Anlagenbau relevant. Der VDMA vertritt eine Branche, die traditionell zu den tragenden Säulen der deutschen Wirtschaft zählt. Wenn der Verband von Auftragsverlusten durch unsichere Importe spricht, betrifft das die Ertragslage von Unternehmen, die an der Börse oder im Mittelstand investierbar sind.
Anleger sollten die Meldung jedoch nicht als unmittelbaren Kurstreiber interpretieren. Es handelt sich um eine politische Forderung des Verbands, nicht um eine bereits beschlossene Regelung. Ob und wann eine Schwarze Liste mit Importverbot kommt, ist offen. Die Forderung richtet sich an die Politik, die über Marktüberwachung und Produktkontrollen entscheidet.
Interessant ist der Zusammenhang mit früheren Berichten. Die EZB-Warnung vom 22.09.2026 und die Jobzahlen vom 13.02.2026 zeigen, dass der Druck auf die Branche nicht neu ist. Die aktuelle Umfrage liefert dazu ein weiteres Argument: Wettbewerbsnachteile entstehen nicht nur durch Preise, sondern auch durch unterschiedliche Sicherheitsstandards.
Wer in Maschinenbauwerte investiert, sollte daher die regulatorische Entwicklung in Europa beobachten. Eine schärfere Marktüberwachung könnte den Wettbewerbsdruck für europäische Hersteller mildern. Sie könnte aber auch neue Anforderungen an Importeure und Händler mit sich bringen. Konkrete Maßnahmen sind bislang nicht beschlossen.
Ausblick
Der VDMA hat seine Forderungen öffentlich gemacht, konkrete Termine nennt der Verband nicht. Die Meldung basiert auf einem Vorabbericht der Welt am Sonntag. Ob die Politik eine Schwarze Liste mit unmittelbarem Importverbot aufgreift, ist offen. Ebenso unklar ist, ob die Marktüberwachung tatsächlich aus einer Hand organisiert wird.
Klar ist: Der Verband will das Thema auf der politischen Agenda halten. Die Umfrage unter mehr als 400 Mitgliedsfirmen liefert dafür die Datengrundlage. Anleger dürften in den kommenden Monaten weitere Wortmeldungen aus der Branche erwarten.
Kurz erklärt
- Marktüberwachung: Staatliche Kontrolle, ob Produkte auf dem Markt die geltenden Sicherheitsvorschriften einhalten.
- Drittstaaten: Länder außerhalb der Europäischen Union, aus denen Waren in die EU eingeführt werden.
- Schwarze Liste: Verzeichnis von Herstellern, gegen die wegen Verstößen besondere Maßnahmen verhängt werden.
