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Varta: Insolvenzverwalter übernimmt – Zerschlagung kaum abwendbar

Rechtsanwalt Tobias Wahl löst den Varta-Vorstand ab. Die Sanierung in Eigenregie scheiterte an konzerninternen Verflechtungen.

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Varta: Insolvenzverwalter übernimmt – Zerschlagung kaum abwendbar

Der schwäbische Batteriehersteller Varta vollzieht einen entscheidenden Kurswechsel in seinem Insolvenzverfahren. Statt einer Sanierung in Eigenregie übernimmt nun der Mannheimer Rechtsanwalt Tobias Wahl als offizieller Insolvenzverwalter das Ruder. Ursprünglich war Wahl lediglich als Sachwalter vorgesehen – eine Aufsichtsfunktion, bei der der Varta-Vorstand unter Michael Ostermann die operative Kontrolle behalten hätte.

Als Begründung für den Strategiewechsel nannte Varta am Dienstag aus seinem Firmensitz in Ellwangen die Komplexität der konzerninternen Strukturen. „Um die Abläufe zu vereinfachen und bürokratische Hürden abzubauen" sei nun auch für die Muttergesellschaft Varta AG sowie die Knopfzellen-Tochter Varta Microbattery ein klassisches Insolvenzverfahren beantragt worden. Die konzerninternen Verflechtungen seien schlicht zu groß, um sie im Rahmen einer Eigenverwaltung effizient abzuwickeln. Ostermann verliert damit formal seine Entscheidungsgewalt, soll dem Unternehmen aber weiterhin erhalten bleiben.

Erfahrener Sanierer übernimmt das Steuer

Tobias Wahl ist kein Unbekannter in der deutschen Insolvenzlandschaft. Der Anwalt der Mannheimer Kanzlei Anchor Rechtsanwälte begleitete unter anderem die Sanierung der Billigmodekette Adler und fungierte als Insolvenzverwalter beim Buchgroßhändler KNV. Wahl zeigte sich trotz der schwierigen Lage optimistisch: „Mein erster Eindruck ist, dass hier trotz aller widrigen Umstände ein sehr motiviertes Team arbeitet. Unser Ziel bleibt eine langfristige und tragfähige Lösung."

Für zwei weitere Varta-Töchter waren reguläre Insolvenzverfahren ohnehin bereits von Beginn an geplant gewesen. Das Verfahren wird damit konzernweit unter einem einheitlichen Dach gebündelt – ein Schritt, den Experten in solch verflochtenen Konzernsituationen häufig als sinnvoll erachten.

Apple-Abgang als entscheidender Auslöser

Varta hatte vergangenen Freitag Insolvenz angemeldet, nachdem die beiden Haupteigentümer Michael Tojner und Porsche kein weiteres Kapital mehr bereitstellen wollten. Als Ursachen für die Krise nannte das Unternehmen „deutlich verschlechterte Marktbedingungen, eine schwächere Nachfrage, negative Währungseffekte sowie zuletzt die Entscheidung eines Ankerkunden, die Zusammenarbeit zu beenden."

Hinter diesem Ankerkunden verbirgt sich Apple. Der US-Technologieriese bezieht seine wiederaufladbaren „CoinPower"-Knopfzellen für die populären AirPods-Kopfhörer künftig aus China – und nicht mehr aus dem Varta-Werk im bayerischen Nördlingen. Das Werk war erst vor wenigen Jahren massiv ausgebaut worden, um die Nachfrage des Apple-Auftrags zu bedienen. Der Wegfall dieses Großkunden traf Varta damit ins Mark.

Profitable Tochter bleibt außen vor

Eine vollständige Rettung des Konzerns gilt als unwahrscheinlich. An einer Zerschlagung von Varta dürfte kaum ein Weg vorbeiführen. Die profitable Haushaltsbatterien-Sparte Varta Consumer Batteries soll bewusst aus dem Insolvenzverfahren herausgehalten werden. Sie ist bereits an die Gläubiger – darunter die Deutsche Bank sowie mehrere Hedgefonds – verpfändet und soll an diese übergehen.

Für Privatanleger, die noch Varta-Aktien halten, zeichnet sich damit ein düsteres Bild ab. Bei klassischen Insolvenzverfahren gehen Aktionäre in der Regel leer aus, da Gläubiger in der Rangfolge deutlich vorrangig behandelt werden. Die Entwicklungen der kommenden Wochen dürften zeigen, welche Teile des einst stolzen deutschen Batteriepioniers eine Zukunft haben.

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