Varta-Insolvenz: Commerzbank sucht Käufer für Mikrobatterien und Powerpacks
Die Commerzbank sucht Investoren für die insolventen Varta-Gesellschaften – ein Verkauf als Ganzes oder in zwei Teilen ist möglich.

Die insolventen Varta-Gesellschaften sollen verkauft werden. Mit der Investorensuche hat der schwäbische Batteriehersteller die Commerzbank betraut, wie die Wirtschaftswoche berichtet. Das Angebot umfasst zwei große Geschäftsbereiche, die zusammen oder getrennt an einen Käufer gehen können.
Grundlage der Suche sind Verkaufsunterlagen der Bank. Sie vermitteln ein überraschend positives Bild der angeschlagenen Unternehmensteile: Den Interessenten werden steigende Umsätze und ein deutlich verbessertes Ergebnis in Aussicht gestellt. Selbst für künftige Investitionen soll genug Geld verfügbar sein.
Das ist bemerkenswert, denn Varta steckt seit Monaten in einer tiefen Krise. Mehrere Konzerngesellschaften sind bereits insolvent, über sie läuft ein gerichtliches Verfahren. Nun soll der Verkauf die Zukunft der verbliebenen Bereiche sichern – als Ganzes oder in zwei Teilen.
Die Details
Die Verkaufsunterlagen enthalten konkrete Prognosen für die großen Bereiche des Unternehmens. Für das kommende Jahr stellen sie einen Umsatz von fast 180 Millionen Euro in Aussicht. Fünf Jahre später soll dieser Wert auf knapp 300 Millionen Euro steigen. Das zeigt, welche Wachstumsperspektive die Bank potenziellen Käufern präsentiert.
Auch beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) rechnen die Unterlagen mit einer spürbaren Verbesserung. Der Wert soll von 23 Millionen Euro auf 61 Millionen Euro ansteigen. Zusätzlich heißt es in den Papieren, dass selbst für Investitionen genug Geld vorhanden sein soll. Das ist bei insolventen Gesellschaften keineswegs selbstverständlich, weil laufende Verfahren und Verbindlichkeiten den Handlungsspielraum üblicherweise stark einschränken.
Aufgeteilt wird das Angebot in zwei Pakete, die einzeln oder gemeinsam veräußert werden können. Das erste Paket umfasst Mikrobatterien für Hörgeräte – ein Spezialsegment mit medizinischer Anwendung. Das zweite Paket besteht aus Powerpacks für Maschinen und mobile Geräte; sie kommen etwa in Bohrmaschinen zum Einsatz. Interessenten können sich damit gezielt für einen Bereich entscheiden oder die gesamte Gruppe übernehmen.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuellen Verkaufsbemühungen sind das vorläufige Ergebnis einer mehrmonatigen Krise. Bereits am 23.06.2026 berichtete aktien.news, dass der traditionsreiche deutsche Batteriehersteller vor einer existenziellen Lage steht. Ohne neue Finanzierung drohte dem Unternehmen bis Ende Juli 2026 die Zerschlagung. Varta war einst ein Symbol deutscher Ingenieurskunst und wichtiger Zulieferer für Apples AirPods; nach einem gescheiterten Restrukturierungsversuch und dem Verlust bedeutender Aufträge kämpfte das Unternehmen ums Überleben. Interne Dokumente zeigten hohe Schulden und verfehlte Wachstumsziele im Energiespeichergeschäft.
Am 29.07.2026 folgte der nächste Einschnitt. Wie aktien.news berichtete, übernahm der Mannheimer Rechtsanwalt Tobias Wahl als offizieller Insolvenzverwalter das Ruder – statt wie ursprünglich vorgesehen lediglich als Sachwalter zu agieren. Als Begründung für den Strategiewechsel nannte Varta aus seinem Firmensitz in Ellwangen die Komplexität der konzerninternen Strukturen. Man wolle die Abläufe vereinfachen und bürokratische Hürden abbauen.
Am 01.10.2026 eröffnete das Amtsgericht Stuttgart dann das Insolvenzverfahren über vier Gesellschaften: die VARTA AG, die VARTA Microbattery GmbH, die VARTA Storage GmbH und die VARTA Micro Production GmbH. Zum Insolvenzverwalter wurde Tobias Wahl bestellt, der die Kanzlei Anchor vertritt. Bereits Mitte Juli hatte Varta einen Antrag auf Eigenverwaltung gestellt – auch für die Konzernmutter.
Erst am 09.10.2026 gab es eine gute Nachricht: Das Bundeswirtschaftsministerium genehmigte die Herauslösung des Consumer-Geschäfts, wie die Wirtschaftswoche berichtete. Die Varta Consumer Batteries GmbH & Co. KGaA wird damit wieder zu einem eigenständigen Unternehmen, so wie es nach Angaben des Managements bereits in der Vergangenheit der Fall war. Rund 990 Arbeitsplätze sollen erhalten bleiben, Personalabbau ist bei der Abspaltung nicht vorgesehen. Zentraler Produktionsstandort ist Dischingen in Baden-Württemberg, wo weiterhin im Dreischichtbetrieb produziert wird.
Was das für Anleger bedeutet
Privatanleger sollten den Charakter dieser Nachricht sorgfältig einordnen. Es handelt sich um Verkaufsunterlagen, nicht um bestätigte Abschlüsse. Die genannten Umsatz- und Ergebnisprognosen stammen aus dem Bieterprozess und dienen dazu, Interessenten anzusprechen. Ob und zu welchen Konditionen tatsächlich verkauft wird, ist damit nicht gesagt.
Zweitens betrifft der Verkaufsprozess einzelne Gesellschaften aus einem laufenden Insolvenzverfahren. Solche Vorgänge folgen eigenen Regeln und Zeitplänen, die sich dem Einfluss der Anteilseigner weitgehend entziehen. Wer in Varta investiert ist, sollte deshalb die offiziellen Veröffentlichungen des Verfahrens aufmerksam verfolgen und sich bewusst machen, dass sich aus Verkaufsunterlagen keine zugesicherten Ergebnisse ableiten lassen.
Drittens lohnt der Blick auf die Struktur des Angebots. Dass zwei Pakete gebildet wurden, eröffnet unterschiedliche Käuferkreise – vom Medizintechnik-Interessenten bis zum Anbieter von Werkzeug- und Industrieanwendungen. Für die Beurteilung künftiger Erlöse ist entscheidend, welche Teile zu welchem Preis den Besitzer wechseln. Konkrete Angaben dazu enthalten die vorliegenden Informationen nicht.
Ausblick
Die Commerzbank führt die Investorensuche für die insolventen Varta-Gesellschaften fort. Der Batteriehersteller soll als Ganzes oder in zwei Teilen verkauft werden. Die Verkaufsunterlagen stellen für die großen Bereiche einen Umsatz von fast 180 Millionen Euro im kommenden Jahr und knapp 300 Millionen Euro fünf Jahre später in Aussicht; das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen soll von 23 auf 61 Millionen Euro steigen.
Parallel ist ein erster Schritt bereits vollzogen: Das Consumer-Geschäft wurde herausgelöst und wird als eigenständige Gesellschaft geführt, der Standort Dischingen bleibt mit rund 990 Arbeitsplätzen erhalten. Ein verbindlicher Termin für einen Abschluss des Verkaufsprozesses ist den vorliegenden Informationen nicht zu entnehmen.
Kurz erklärt
- Insolvenzverwalter: Ein vom Gericht bestellter Rechtsanwalt, der das Vermögen eines insolventen Unternehmens verwaltet und verwertet.
- EBITDA: Kennzahl für das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen.
- Eigenverwaltung: Verfahren, bei dem das Management die Sanierung selbst steuert und von einem Sachwalter begleitet wird.
- Bieterprozess: Verkaufsverfahren, bei dem eine Bank gezielt Investoren anspricht und Angebote einholt.
