USA-Indien-Handelsabkommen: Zölle fallen drastisch, Märkte jubeln
Trump und Modi einigen sich auf weitreichende Zollsenkungen. Indische Rupie und Aktien steigen kräftig.

Die indischen Finanzmärkte haben am Dienstag mit deutlichen Kursgewinnen auf ein überraschend umfassendes Handelsabkommen zwischen den USA und Indien reagiert. US-Präsident Donald Trump und Indiens Premierminister Narendra Modi verkündeten eine weitreichende Einigung, die massive Zollsenkungen und eine Neuausrichtung der Energieimporte vorsieht.
Der Leitindex Nifty 50 schoss bei Handelsbeginn um bis zu 5 Prozent nach oben und notierte am Vormittag noch 3 Prozent höher bei 25.828,5 Punkten. Auch der BSE Sensex 30 verzeichnete ähnlich starke Gewinne. Die indische Rupie wertete gegenüber dem US-Dollar um bis zu 1,5 Prozent auf und erreichte mit 90,128 Rupien den stärksten Stand seit Mitte Januar.
Drastische Zollsenkungen auf beiden Seiten
Das Kernstück der Vereinbarung bilden massive Zollreduzierungen. Die USA senken ihre Zölle auf indische Waren von zuvor bis zu 50 Prozent auf einheitlich 18 Prozent. Trump hatte im Vorfeld einen zusätzlichen 25-Prozent-Zoll wegen indischer Ölimporte aus Russland verhängt, der nun ebenfalls entfällt. Die Senkung der "Gegenzölle" trete "sofort" in Kraft, erklärte Trump über seine Plattform Truth Social.
Im Gegenzug verpflichtet sich Indien, seine Zölle und nichttarifären Handelshemmnisse gegenüber den USA auf "Null" zu senken. Premierminister Modi sagte zudem zu, die Käufe amerikanischer Produkte in den Bereichen Energie, Technologie und Landwirtschaft auf über 500 Milliarden US-Dollar auszuweiten. Analysten von Edelweiss Asset Management bewerteten die Zollsenkungen als "wesentlich besser als die Konsenserwartungen".
Energiepolitische Neuausrichtung
Ein besonders brisanter Punkt betrifft Indiens Energieimporte. Neu-Delhi verpflichtet sich, den Kauf von russischem Öl einzustellen und stattdessen verstärkt aus den USA und möglicherweise Venezuela zu importieren. Trump deutete an, diese Maßnahme könne zur Beendigung des Ukraine-Kriegs beitragen. Für deutsche Anleger ist dieser Aspekt von Bedeutung, da er die globalen Energieströme und damit auch europäische Märkte beeinflussen könnte.
Die indische Abhängigkeit von russischem Öl hatte in den vergangenen Monaten zu erheblichen Spannungen geführt. Ausländische Investoren hatten zuletzt verstärkt Kapital aus indischen Märkten abgezogen. Mit dem neuen Abkommen dürften diese Mittelabflüsse nun gestoppt und möglicherweise umgekehrt werden.
Offene Fragen zur Umsetzung
Trotz der euphorischen Marktreaktion bleiben wichtige Details ungeklärt. Weder zum genauen Inkrafttreten noch zu den umfassenderen Bedingungen der Vereinbarung wurden zunächst konkrete Informationen veröffentlicht. Rechtsexperten äußerten zudem Zweifel, ob solche Abkommen ohne formelle Zustimmung des US-Kongresses rechtlich bindend sind.
Die Verhandlungen zwischen den Regierungen Trump und Modi waren im vergangenen Jahr ins Stocken geraten. Das nun erzielte Abkommen beendet eine Phase erheblicher Handelsspannungen zwischen den beiden größten Demokratien der Welt. Besonders profitieren dürften indische Aktien aus den Sektoren Automobil, Banken, IT, Immobilien und Pharma, die am Dienstag die stärksten Zugewinne verzeichneten.
Auswirkungen auf asiatische Märkte
Die indische Rupie war am Dienstag die stärkste Währung in Asien. Andere asiatische Währungen zeigten sich verhaltener, legten aber ebenfalls leicht zu, nachdem sie in den Vortagen unter einem festeren US-Dollar gelitten hatten. Die Aktienmärkte in Südkorea und Japan stiegen, getrieben von einer Rallye bei KI-bezogenen Aktien.
Parallel zu den Entwicklungen in Indien überraschte die australische Notenbank (RBA) mit einer unerwarteten Zinserhöhung um 25 Basispunkte. Die RBA hob zugleich ihre Inflations- und Wachstumsprognosen an, was die Erwartungen für weitere Zinsschritte in diesem Jahr befeuerte. Für deutsche Anleger mit Engagement in asiatischen Märkten ergeben sich damit unterschiedliche Perspektiven: Während Indien von Handelserleichterungen profitiert, bleibt das monetäre Umfeld in anderen Ländern der Region restriktiv.
