US-Staatsanleiherenditen steigen, Händler warten auf Fed-Protokoll und Daten
Die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen erholen sich nach dem starken Ausverkauf der Vorwoche.

Die Renditen US-amerikanischer Staatsanleihen haben sich am Montag nach dem starken Ausverkauf der vergangenen Woche wieder erholt. Investoren warten nun gespannt auf die Veröffentlichung neuer Wirtschaftsdaten und auf das Protokoll der September-Sitzung der US-Notenbank Federal Reserve. Der Markt bleibt angespannt, nachdem der Anleihesektor in den zurückliegenden Wochen einen massiven Kursrutsch verkraften musste.
Der richtungweisende Renditeindex für zehnjährige US-Staatsanleihen stieg am Montag um fast 3 Basispunkte auf 5,303 Prozent. Auch die Rendite für 30-jährige US-Staatsanleihen legte um rund 3 Basispunkte zu und notierte bei 5,663 Prozent. Die Rendite für zweijährige US-Staatsanleihen blieb mit 4,827 Prozent nahezu unverändert. Zur Einordnung: Ein Basispunkt entspricht 0,01 Prozent, wobei Renditen und Kurse von Anleihen sich gegenläufig bewegen.
Für deutsche Anleger ist die Entwicklung am US-Anleihemarkt besonders relevant, weil die Renditen der weltgrößten Volkswirtschaft als globaler Referenzmaßstab für die Kapitalmarktzinsen gelten. Steigende US-Renditen setzen tendenziell auch die Bewertungen an den internationalen Aktienmärkten unter Druck und beeinflussen die Zinsdifferenzen zum Euro-Raum.
Beschäftigungsdaten dämpfen Zinserhöhungssorgen
Ein schwacher monatlicher Beschäftigungsbericht am Freitag hatte dazu beigetragen, die Renditen sinken zu lassen. Damit wurden Bedenken hinsichtlich einer weiteren Zinserhöhung durch die Federal Reserve zunächst zerstreut. Laut dem FedWatch Tool der CME Group kalkulieren Händler nun mit einer Wahrscheinlichkeit von nahezu 82 Prozent, dass die Fed die Zinsen auf ihrer nächsten Sitzung unverändert lässt.
Auf der Ebene der Wirtschaftsdaten steht am Montag der Services-Aktivitätsbericht des Institute for Supply Management (ISM) an. Dieser Indikator gilt als wichtiger Frühindikator für die Entwicklung des Dienstleistungssektors, der den größten Teil der US-Wirtschaft ausmacht. Investoren blicken zugleich bereits auf das Protokoll der September-Sitzung der Zentralbank, das am Mittwoch veröffentlicht wird.
Deutsche Bank: Protokoll besonders aussagekräftig
Die Analysten der Deutschen Bank betonen die gestiegene Bedeutung der kommenden Veröffentlichungen. „Der stark unruhige Anleihemarkt macht die kommenden US-Daten und die Kommunikation der Fed besonders relevant“, schrieben sie in einer Notiz. Weiter heißt es: „Daher wird es lohnend sein, das Protokoll daraufhin zu beobachten, wie der gesamte Ausschuss den aktuellen Verschärfungszyklus einordnet und wie er über den neutralen Zinssatz diskutiert, dessen Schätzungen sich im Rahmen des September SEP nach oben verschoben haben.“
Mit dem Begriff „neutraler Zinssatz“ wird jenes Zinsniveau bezeichnet, bei dem die Geldpolitik weder bremsend noch stimulierend wirkt. Verschieben sich die Schätzungen dieses Werts nach oben, kann das für den Markt ein Signal sein, dass die Zinsen länger hoch bleiben könnten. Das Protokoll der Fed-Sitzung vom September dürfte daher Hinweise darauf liefern, wie einheitlich der Ausschuss die weitere geldpolitische Ausrichtung beurteilt.
Für die kommenden Handelstage bleibt der US-Anleihemarkt damit im Fokus. Neben den ISM-Services-Daten und dem Fed-Protokoll dürften auch weitere Konjunktursignale darüber entscheiden, ob die zuletzt leicht erholten Renditen ihren Aufwärtstrend fortsetzen oder ob der schwache Arbeitsmarktbericht die Notenbank zu einer vorsichtigeren Gangart bewegt.
