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Scope: US-Schulden könnten 160 Prozent des BIP erreichen

Die Ratingagentur behält das AA- Rating der USA bei, warnt aber vor einer nicht nachhaltigen Fiskalpolitik.

• 5 Min
Scope: US-Schulden könnten 160 Prozent des BIP erreichen

Die Ratingagentur Scope Ratings sieht die Vereinigten Staaten auf einem fiskalisch gefährlichen Kurs. Am Freitag bestätigte das europäische Ratinginstitut zwar sein Länderrating von AA- für die USA und beließ den Ausblick auf stabil. Gleichzeitig warnte es jedoch, dass die hohen Haushaltsdefizite die Staatsverschuldung weiter in die Höhe treiben – mit erheblichen Folgen für die Kreditwürdigkeit des Landes.

Konkret erwartet Scope, dass die US-Staatsverschuldung innerhalb des nächsten Jahrzehnts auf rund 160 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) ansteigen wird. Zudem geht das Institut davon aus, dass die Nettoszinsbelastung bis 2031 ein Niveau erreichen wird, das Scope selbst als „außerordentlich hoch“ bezeichnet. Damit würde der Zinsdienst für die aufgenommenen Schulden zu einem immer größeren Posten im US-Haushalt.

Nach Einschätzung von Scope ist die aktuelle fiskalische Entwicklung mittelfristig nicht nachhaltig – es sei denn, die US-Wirtschaft wächst deutlich stärker als bislang oder es kommt zu erheblichen Anpassungen bei den staatlichen Einnahmen oder Ausgaben. „Ohne deutlich stärkeres Wirtschaftswachstum oder eine substanzielle fiskalische Anpassung durch höhere Einnahmen oder Ausgabenkürzungen erwartet Scope, dass die Schuldenentwicklung ungünstig bleiben wird“, heißt es im Bericht des Unternehmens.

Die Details

Scope wies in dem Bericht zudem auf Risiken hin, die mit dem bevorstehenden Konflikt im Kongress über die Obergrenze der US-Staatsverschuldung (Debt Ceiling) verbunden sind. Der Streit um die Schuldenobergrenze ist in der Vergangenheit mehrfach zu einem politischen Nervenspiel geworden, bei dem die Zahlungsfähigkeit der USA zeitweise infrage stand.

Mit seinem AA- Rating liegt die Bewertung der USA um drei Stufen unter der höchstmöglichen Kreditwürdigkeitsnote. Scope hatte das Land zuletzt während der Pattsituation um die Debt-Ceiling-Regelung im Jahr 2025 abgestuft. Aktuell stuft Scope die USA zwei Stufen unter den Bewertungen von Moody's Ratings, Fitch Ratings und S&P Global Ratings ein. Seit der Abstufung durch Moody's im vergangenen Jahr besitzen die USA keine höchste Kreditnote mehr von einer der großen Ratingagenturen.

Damit ist die Einschätzung der US-Kreditwürdigkeit durch Scope vorsichtiger ausgefallen als die ihrer größeren Wettbewerber. Der führende Sovereign-Analyst von Fitch sagte im Januar, eine weitere Abwertung der USA so kurz nach der Maßnahme von 2023 sei höchst ungewöhnlich.

Scope warnte, dass der anhaltende Anstieg der Kreditaufnahme die USA anfälliger für Veränderungen der Marktstimmung machen könnte – insbesondere da steigende Zinskosten die fiskalischen Belastungen erhöhen. Das europäische Ratinginstitut ist eine von fünf Agenturen, die von der Europäischen Zentralbank bei der Beurteilung von Sicherheiten herangezogen werden, und die einzige in Europa ansässige Gesellschaft unter ihnen.

Hintergrund: Was bisher geschah

Die Warnung von Scope fällt nicht aus dem Nichts. Bereits am 30.04.2026 berichtete aktien.news, dass die US-Staatsverschuldung erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg wieder über 100 Prozent des BIP liegt. Zum 31. März beliefen sich die öffentlichen Schulden der USA auf 31,265 Billionen US-Dollar, das BIP des vergangenen Jahres lag bei 31,216 Billionen US-Dollar. Daraus ergab sich eine Schuldenquote von 100,2 Prozent – ein Anstieg gegenüber dem Wert von 99,5 Prozent, der zum Ende des letzten Geschäftsjahres am 30. September verzeichnet wurde.

Ebenfalls am 20.02.2026 berichtete aktien.news über die Prognosen des Congressional Budget Office (CBO), dem unabhängigen Haushaltsamt des US-Kongresses. Demnach wird die öffentlich gehaltene US-Staatsverschuldung bis 2036 auf mehr als 56 Billionen Dollar anwachsen, und die jährlichen Defizite steigen kontinuierlich weiter – ein Trend, der Anleger weltweit beunruhigt. Schon in diesem Jahr dürfte die US-Staatsverschuldung demnach erstmals die gesamte Wirtschaftsleistung der USA übersteigen.

Auch von der Notenbank kam eine deutliche Warnung: Am 29.01.2026 berichtete aktien.news, dass Fed-Vorsitzender Jerome Powell den Wachstumspfad der amerikanischen Staatsschulden in einer Pressekonferenz als nicht tragfähig bezeichnete und zeitnahe Gegenmaßnahmen forderte. „Der Pfad ist nicht tragfähig, und je früher wir uns damit befassen, desto besser“, sagte Powell. Kurzfristige negative Auswirkungen auf die Finanzmärkte erwartete er allerdings nicht, das gegenwärtige Schuldenniveau sei noch zu bewältigen.

Auf der anderen Seite steht die jüngste Einschätzung von S&P Global Ratings: Am 27.06.2026 berichtete aktien.news, dass S&P das langfristige Länderrating der Vereinigten Staaten erneut mit AA+ bestätigte und den Ausblick als stabil einstufte. Begründet wurde dies mit der widerstandsfähigen US-Wirtschaft sowie der Erwartung, dass sich die Haushaltsdefizite zwar auf hohem Niveau einpendeln, aber nicht weiter verschlechtern werden. S&P verwies dabei auf solide Steuereinnahmen, gestützt durch robustes Wachstum und Zolleinnahmen.

Was das für Anleger bedeutet

Für deutsche Privatanleger ist die Meldung vor allem ein Signal für die Bewertung von US-Staatsanleihen. Steigende Schuldenstände und eine wachsende Zinslast erhöhen grundsätzlich die Anfälligkeit eines Schuldners gegenüber einer Verschlechterung der Marktstimmung – genau davor warnt Scope. Wer US-Anleihen direkt oder über Fonds und ETFs im Depot hält, sollte daher die Ratingentwicklung und die politische Debatte um die Schuldenobergrenze im Blick behalten.

Bemerkenswert ist die Bandbreite der Einschätzungen: Während S&P die USA weiterhin mit AA+ bewertet, liegt Scope mit AA- zwei Stufen darunter. Für Anleger bedeutet das, dass die Risikoeinschätzung der großen Agenturen nicht einheitlich ist. Zugleich halten die USA seit der Abstufung durch Moody's im vergangenen Jahr keine höchste Kreditnote mehr von einer der großen Ratingagenturen.

Ausblick

Scope erwartet, dass die Schuldenentwicklung der USA ungünstig bleibt, solange kein deutlich stärkeres Wirtschaftswachstum oder eine substanzielle fiskalische Anpassung erfolgt. Als konkrete Marke nennt das Institut die Nettoszinsbelastung, die bis 2031 ein „außerordentlich hohes“ Niveau erreichen soll. Innerhalb des nächsten Jahrzehnts rechnet Scope mit einer Staatsverschuldung von rund 160 Prozent des BIP. Ein weiterer Risikofaktor bleibt der bevorstehende Konflikt im Kongress über die Obergrenze der US-Staatsverschuldung.

Kurz erklärt

  • Rating: Eine Bonitätsnote, mit der Agenturen die Kreditwürdigkeit eines Schuldners wie eines Staates einschätzen.
  • Bruttoinlandsprodukt (BIP): Der Gesamtwert aller Waren und Dienstleistungen, die eine Volkswirtschaft in einem Zeitraum erwirtschaftet.
  • Debt Ceiling: Die gesetzlich festgelegte Obergrenze für die Schuldenaufnahme der US-Regierung.
  • Nettoszinsbelastung: Die Belastung des Haushalts durch Zinszahlungen auf aufgenommene Schulden.
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