US-Inflation steigt: Hält der Preisdruck die Fed auf Kurs?
Der wichtigste Inflationsindikator der Fed legte im August kräftig zu, doch die Kernpreise stiegen weniger stark als erwartet.

Der wichtigste Inflationsindikator der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) ist im August kräftig gestiegen. Das unterstreicht, warum die Zentralbank Anfang des Monats zum ersten Mal seit drei Jahren die Zinsen anheben musste. Allerdings fiel der Anstieg der sogenannten Kernpreise kleiner aus als erwartet – ein Umstand, der nach Einschätzung von Beobachtern positive Signale senden könnte.
Die Kernrate gilt als zentraler Maßstab, weil sie schwankungsanfällige Posten ausklammert und damit den zugrunde liegenden Preisdruck besser abbildet. Sie ist der wichtigste Indikator, den die Fed zur Festlegung der US-Zinssätze heranzieht. Ein moderater Anstieg der Kernpreise deutet darauf hin, dass sich der Inflationsdruck zumindest teilweise abschwächt.
Iran-Krieg und Ölpreise treiben die Teuerung
Als wesentlicher Treiber der jüngsten Aufheizung der Inflation gilt der Iran-Krieg in Verbindung mit den hohen Ölpreisen. Die Fed versucht, diese Entwicklung einzudämmen. Genau vor diesem Hintergrund hat sie Anfang des Monats ihre erste Zinserhöhung seit drei Jahren beschlossen.
Für deutsche Anleger sind die US-Inflationsdaten von besonderer Bedeutung, weil sie direkt die Geldpolitik der weltgrößten Volkswirtschaft prägen und damit auch die internationalen Kapitalmärkte beeinflussen. Der Preisdruck in den USA ist der maßgebliche Faktor für die künftige Ausrichtung der Fed.
Falls die Inflationsdaten weiterhin steigende Preise ausweisen, könnte die Notenbank die Zinsen noch vor Jahresende erneut anheben. Eine solche Entwicklung würde den geldpolitischen Kurs der Fed verschärfen und hätte Auswirkungen auf die globalen Finanzmärkte. Anleger in Deutschland verfolgen die Daten daher mit besonderer Aufmerksamkeit.
Was die nächsten Daten entscheiden
Die künftige Richtung hängt damit entscheidend von der weiteren Preisentwicklung ab. Sollten die Kernpreise erneut moderater ausfallen als befürchtet, könnte dies der Fed etwas Spielraum geben. Ein erneuter kräftiger Anstieg würde dagegen den Druck auf die Zentralbank aufrechterhalten und die Wahrscheinlichkeit weiterer Zinsschritte erhöhen.
Bemerkenswert ist die Konstellation, in der die Fed agiert: Die Zinserhöhung Anfang des Monats war die erste seit drei Jahren. Das zeigt, wie ungewöhnlich die aktuelle Inflationslage ist, die mit dem Iran-Krieg und den hohen Ölpreisen in Verbindung gebracht wird. Die Notenbank reagiert damit auf eine Preisdynamik, die sich nicht allein auf binnenwirtschaftliche Faktoren zurückführen lässt.
Die Fed steht vor der Aufgabe, die Inflation einzudämmen. Die jüngsten Zahlen machen deutlich, dass dieser Balanceakt in Zeiten geopolitischer Spannungen und hoher Energiepreise besonders anspruchsvoll ist. Ob die Kernpreise weiter moderat bleiben oder erneut anziehen, dürfte daher über die nächsten Zinsschritte entscheiden. Anleger sollten die kommenden Inflationsberichte aufmerksam verfolgen, denn sie liefern den entscheidenden Hinweis darauf, ob die Fed vor Jahresende nachlegt.
