US-Energiepolitik: Expansion in Venezuela und Druck auf den Iran
Washington setzt auf Expansion in Venezuela und wirtschaftliche Isolation des Iran

Die US-Regierung unter Präsident Trump verfolgt derzeit eine zweigleisige Energiestrategie, die auf eine massive Ausweitung der eigenen Präsenz in Venezuela bei gleichzeitigem wirtschaftlichem Druck auf den Iran setzt. Während Washington in Südamerika auf Kooperation und Investitionen setzt, wird im Nahen Osten eine Strategie der wirtschaftlichen Isolation durch eine Seeblockade vorangetrieben.
In Venezuela befindet sich die US-Regierung in fortgeschrittenen Verhandlungen über eine direkte Beteiligung an mehr als einem Dutzend Ölfeldern. Diese Gebiete beherbergen schätzungsweise 90 Milliarden Barrel an nachgewiesenen Reserven – fast doppelt so viel wie die gesamten Reserven der USA. Die Details der Vereinbarung, die laut informierten Kreisen noch scheitern könnte, sind Gegenstand laufender Gespräche. Diskutiert wird unter anderem, ob die USA Joint Ventures mit Privatunternehmen eingehen oder Dienstleister für den Betrieb der Felder beauftragen werden.
Milliardenschwere Investitionen in Venezuela
Parallel dazu stehen große US-Energiekonzerne kurz vor milliardenschweren Investitionen in Venezuela. Chevron, das bereits drei Joint Ventures mit dem staatlichen Unternehmen PdVSA unterhält, plant die Erweiterung seiner Aktivitäten um zwei weitere Schwerölfelder. Auch der Ölfelddienstleister Halliburton führt Gespräche, um seine Ausrüstung für venezolanische Produzenten bereitzustellen. Für die kommende Woche ist die Unterzeichnung entsprechender Produktionsverträge in Caracas geplant, zu denen auch US-Energieminister Chris Wright erwartet wird.
Im scharfen Kontrast dazu steht die Politik gegenüber dem Iran. Hier setzt die Trump-Administration auf eine „Operation Economic Outcast", um Teheran durch eine Marineblockade zur Öffnung der Straße von Hormus zu zwingen. Die Auswirkungen sind laut Daten des Analysehauses Kpler gravierend: Die iranischen Rohölexporte sind im August um über 80 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat eingebrochen.
Während Teheran im August 2025 noch 1,7 Millionen Barrel pro Tag (bpd) exportierte, sank dieser Wert im laufenden Monat auf etwa 260.000 bpd. Die US-Marine setzt die Blockade durch, indem sie Handelsschiffe umleitet, kontrolliert und teilweise festsetzt. Trotz der militärischen Präsenz und der wirtschaftlichen Sanktionen bleibt der Iran jedoch defiant.
Volatile Lage an der Straße von Hormus
Die Situation bleibt hochvolatil, und die Einschätzungen über die tatsächlichen Auswirkungen der Blockade gehen auseinander. Während die US-Regierung von 10 Millionen Barrel pro Tag an Durchflussmengen durch die Straße von Hormus spricht, schätzen Analysten von Kpler das Volumen auf lediglich 5 bis 6 Millionen bpd. Unabhängige Beobachter berichten von deutlich geringeren Durchflussmengen als von offizieller Seite angegeben.
Während die USA von einer effektiven Schwächung des iranischen Regimes sprechen, versucht Teheran weiterhin, durch Verhandlungen mit Oman oder alternative Routen seinen Einfluss zu wahren. Die USA setzen ihre Strategie der wirtschaftlichen Kriegsführung gegenüber dem Iran konsequent fort, während sie gleichzeitig ihre Position in Venezuela massiv ausbauen.
Diese unterschiedliche geopolitische Ausrichtung hat auch direkte Auswirkungen auf die globalen Ölmärkte. Für Anleger ist die Situation insofern relevant, als eine Ausweitung der US-Förderung in Venezuela langfristig das globale Ölangebot erhöhen könnte, während die Blockade des Irans das Angebot kurzfristig verknappt und die Preise stützt. Beobachter rechnen mit anhaltender Volatilität an den Energiemärkten, solange beide Strategien parallel verfolgt werden.
