US-E-Commerce wächst 2026 stärker als erwartet – wer profitiert
Bernstein-Analyse: Der US-Onlinehandel legte in den ersten drei Quartalen 2026 um rund 10 Prozent zu – getrieben von KI-Werbung und resilienten Konsumenten.

Die US-E-Commerce-Branche hat im Jahr 2026 deutlich stärker zugelegt als zu Jahresbeginn erwartet. Nach einer Analyse der Investmentbank Bernstein, über die das US-Finanzportal Investing.com berichtet, wuchs der Sektor in den ersten drei Quartalen um etwa 10 Prozent im Jahresvergleich – zu Beginn des Jahres hatte Bernstein selbst noch mit 8 Prozent gerechnet.
Als wesentliche Treiber dieser Entwicklung nennt der Broker KI-gestützte Verbesserungen bei der Werbung von Google und Meta, die die Konversionsraten erhöhten. Einen einzelnen Auslöser für die stärkere Performance wollte Bernstein allerdings nicht benennen. Stattdessen verweist die Bank auf ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren.
So habe sich die digitale Werbung verbessert, die Konsumentenausgabe sei widerstandsfähig geblieben, und der Wettbewerbsdruck durch Online-Händler wie Temu und Shein habe nachgelassen. Die Verbesserung im Werbebereich betrachtet Bernstein als potenziell dauerhaften positiven Faktor für den Sektor.
Die Details
Auf Quartalsebene ergibt sich ein differenziertes Bild. Im ersten Quartal verzeichnete der US-E-Commerce ein Wachstum von 9,7 Prozent. Für das dritte Quartal schätzt Bernstein das Wachstum auf rund 8,4 Prozent. Bereinigt um den zeitlichen Versatz des Prime Day – der die Vergleichbarkeit der Quartale verzerrt – lag das Wachstum im zweiten und dritten Quartal jedoch bei etwa 10,4 Prozent.
Auch bei der Marktkonzentration gab es Verschiebungen. Die 14 führenden US-E-Commerce-Plattformen machten im zweiten Quartal etwa 82 Prozent des Bruttowarenwerts aus – ein Anstieg von rund 3 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Unter den großen Plattformen verzeichneten Shopify und Walmart die größten Gewinne, während Carvana und eBay im Verhältnis zu ihrer Größe ebenfalls besser abschnitten.
Bei den Marktanteilen am US-E-Commerce legte Shopify von 13,2 Prozent auf 14,2 Prozent zu. Walmart steigerte seinen Anteil von 7,8 Prozent auf 8,7 Prozent. Der Anteil von Amazon kletterte leicht von 42,3 Prozent auf 42,9 Prozent.
Für das zweite Quartal schätzt Bernstein die Wachstumsraten einzelner Anbieter wie folgt: Carvana 52 Prozent, Walmart 25 Prozent, eBay 24 Prozent und Shopify 21 Prozent – verglichen mit 14 Prozent für Amazon und 12 Prozent für den Gesamtmarkt. Amazon, Shopify und Walmart sicherten sich demnach den Großteil der zusätzlichen Online-Ausgaben, wobei Amazon langsamer wuchs als Walmart, Shopify, Carvana, eBay und Costco.
Unternehmensspezifische Faktoren stützen das Wachstum zusätzlich. Amazon baut sein Angebot an alltäglichen Grundbedürfnissen und Same-Day-Lieferungen aus, während Shopify von größeren Unternehmenskunden und internationaler Expansion profitiert. Das Treueprogramm von Wayfair trägt fast zur Hälfte zum geschätzten Wachstum dieses Jahres bei. eBay wiederum verzeichnet eine stärkere Nachfrage nach Sammlerstücken, Gebrauchtwaren, Autoteilen und Zubehör.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 26.09.2026 berichtete aktien.news, dass sich Walmart laut einer Analyse des US-Finanzportals The Motley Fool als das wohl beste E-Commerce-Unternehmen positioniert habe. Grund dafür seien umfangreiche Investitionen in Logistik, Fulfillment und eine breitere Produktpalette, die dem Einzelhandelsriesen spürbare Marktanteilsgewinne gegenüber Amazon eingebracht hätten. Die Einschätzung stammte aus einem Video des Motley Fool vom 25. September 2026; Walmart notierte darin mit einem Plus von 0,36 Prozent.
Am 19.02.2026 meldete aktien.news, dass der Online-Möbelhändler Wayfair im Geschäftsjahr 2025 erstmals seit 2020 wieder ein Umsatzwachstum verzeichnete. Der Gesamtumsatz stieg um 5,1 Prozent auf 12,5 Milliarden US-Dollar. Im vierten Quartal übertraf das Unternehmen sowohl die Umsatz- als auch die Gewinnerwartungen der Wall Street.
Ebenfalls am 19.02.2026 berichtete aktien.news über Etsy: Der Online-Marktplatz verfehlte die Umsatzerwartungen für das vierte Quartal mit einem Umsatz von 881,63 Millionen US-Dollar knapp unter der Analystenschätzung von 884,90 Millionen Dollar. Die Aktie legte dennoch im vorbörslichen Handel um 16 Prozent zu, was primär auf eine strategische Entscheidung des Managements zurückgeführt wurde.
Und am 11.02.2026 schrieb aktien.news, dass die Shopify-Aktie im vorbörslichen Handel um fast 12 Prozent zulegte, nachdem das Unternehmen starke Quartalszahlen vorgelegt und ein Aktienrückkaufprogramm über bis zu 2 Milliarden Dollar angekündigt hatte. Der Umsatz im Weihnachtsquartal stieg um 31 Prozent auf 3,67 Milliarden Dollar und übertraf die Analystenschätzungen von 3,59 Milliarden Dollar.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger sind vor allem die Bewertungseinschätzungen von Bernstein relevant. Die Bank stuft Amazon, Shopify und Wayfair als „Outperform" ein, während eBay und Etsy als „Market Perform" bewertet werden. Das Online-Handels-Penetrierungsvermögen wird auf 17 Prozent geschätzt.
Bernstein warnte zugleich, dass höhere Zinsen und steigende Ölpreise die Konsumentenausgabe belasten könnten. Die Managementteams der Unternehmen bleiben laut der Analyse insgesamt positiv gestimmt. Anleger sollten beachten, dass die positiven Marktanteilsverschiebungen nicht gleichmäßig über alle Plattformen verteilt sind – während Shopify, Walmart und Carvana zulegten, wuchs Marktführer Amazon langsamer als der breitere Markt.
Ausblick
Analysten gehen derzeit davon aus, dass sich das US-E-Commerce-Wachstum 2027 verlangsamen wird. Sollte das Wachstum im nächsten Jahr bei rund 10 Prozent liegen, erwartet Bernstein, dass Analysten ihre Umsatzprognosen für den gesamten Sektor nach oben korrigieren. Eine Rückkehr zu einem Wachstum im mittleren einstelligen Bereich könnte dagegen zu niedrigeren Bewertungsabschlägen führen.
Kurz erklärt
- Bruttowarenwert: Der Gesamtwert aller über eine Plattform abgewickelten Verkäufe vor Abzug von Rücksendungen und Rabatten.
- Konversionsrate: Der Anteil der Besucher einer Website, der tatsächlich einen Kauf abschließt.
- Outperform: Eine Einstufung von Analysten, die eine bessere Kursentwicklung als der Gesamtmarkt erwartet.
