US-Börsen unter Druck: Nahost-Konflikt und Fed-Politik belasten Märkte
Geopolitische Spannungen und hawkishe Fed-Signale drücken Dow, S&P 500 und Nasdaq ins Minus.

Die US-Aktienmärkte sind mit Verlusten in die neue Handelswoche gestartet. Eine erneute Eskalation im Nahen Osten sowie eine zunehmend restriktive Geldpolitik der US-Notenbank Federal Reserve verunsichern die Anleger. Der Dow Jones Industrial Average gab zum Handelsauftakt um 0,18 Prozent auf 53.462,6 Zähler nach. Auch der S&P 500 und der Nasdaq Composite verloren jeweils zwischen 0,17 und 0,18 Prozent.
Auslöser der geopolitischen Spannungen sind militärische Auseinandersetzungen zwischen den USA und dem Iran. Nach US-Luftangriffen auf iranische Raketenwerfer in der strategisch wichtigen Straße von Hormus und anschließenden Vergeltungsmaßnahmen gegen US-Truppen in Jordanien wächst die Sorge vor einer weiteren Ausweitung des Konflikts. Besonders brisant: Mögliche Störungen der Ölversorgung über die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Handelsrouten für Rohöl weltweit.
Rohölpreis steigt auf über 90 US-Dollar
Die angespannte Lage trieb den Preis für Brent-Rohöl um rund drei Prozent nach oben auf über 90 US-Dollar pro Barrel. Steigende Energiekosten schüren neue Inflationsängste, da sie die ohnehin erhöhte Teuerungsrate weiter belasten könnten. Für die Finanzmärkte ist dies ein doppeltes Problem: Höhere Ölpreise dämpfen die Konjunktur und erschweren zugleich den Kampf der Notenbanken gegen die Inflation.
Parallel zu den geopolitischen Risiken setzen die jüngsten Aussagen des neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh die Märkte unter Druck. Auf dem traditionellen Jackson-Hole-Symposium betonte Warsh, dass die Fed bei der Inflationsbekämpfung noch erhebliche Arbeit vor sich habe. Die aktuellen Finanzbedingungen seien keineswegs als ausreichend restriktiv zu bezeichnen, so Warsh. Analysten von Barclays bewerten diese Äußerungen als deutliche Kursänderung und rechnen nun mit Zinserhöhungen um jeweils 25 Basispunkte im September und Dezember.
Zinserhöhung im September wird wahrscheinlicher
Am Markt für Fed-Funds-Futures wird die Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt im September mittlerweile auf etwa 60 Prozent taxiert. Die Aussicht auf weiter steigende Leitzinsen belastet insbesondere wachstumsstarke Technologiewerte, die empfindlich auf höhere Diskontierungssätze reagieren. Gleichzeitig treibt die veränderte Zinserwartung die Renditen für Staatsanleihen in die Höhe.
Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe stieg auf 4,720 Prozent, während die 30-jährige Anleihe mit 5,222 Prozent ein Wochenhoch erreichte. Auch in Europa zogen die Renditen deutlich an. Zehnjährige Bundesanleihen markierten mit 3,2903 Prozent den höchsten Stand seit dem Jahr 2011. Dies zeigt, dass die restriktive Fed-Politik globale Auswirkungen hat und die Finanzierungsbedingungen weltweit verschärft.
Fokus auf US-Arbeitsmarktdaten
Marktbeobachter richten ihren Fokus nun auf die anstehenden US-Konjunkturdaten im Laufe der Woche. Dazu gehören die JOLTS-Stellenangebote, die ADP-Beschäftigtenzahlen sowie der wichtige Non-Farm Payrolls-Bericht am Freitag. Diese Daten sollen Aufschluss darüber geben, ob der Arbeitsmarkt weitere geldpolitische Straffungen rechtfertigt. Ein robuster Arbeitsmarkt würde der Fed den Rücken für weitere Zinserhöhungen stärken.
Zudem wird mit Spannung erwartet, ob die Fed-Gouverneure Michael Barr und Christopher Waller den restriktiven Kurs von Warsh innerhalb des Offenmarktausschusses (FOMC) stützen werden. Sollte sich der hawkishe Flügel der Notenbank durchsetzen, dürften die Märkte mit weiterer Volatilität rechnen müssen. Für Anleger bleibt die Gemengelage aus geopolitischen Risiken und geldpolitischer Straffung damit vorerst eine belastende Kombination.
