UN-Bericht: Globale Erwärmung steigt stärker als bislang angenommen
Selbst im optimistischsten Szenario steigen die Temperaturen bis Mitte des Jahrhunderts um 1,7 bis 1,8 Grad Celsius.

Die globale Erwärmung wird höher eingeschätzt als zuvor. Selbst im optimistischsten Szenario steigen die Durchschnittstemperaturen bis zur Mitte des Jahrhunderts um 1,7 bis 1,8 Grad Celsius über das vorindustrielle Niveau. Das geht aus einem Bericht des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) hervor, der am Mittwoch veröffentlicht wurde, wie die Nachrichtenagentur Reuters aus London meldete.
Trotz der raschen Ausweitung erneuerbarer Energien und klimapolitischer Maßnahmen, die in vielen Ländern die Emissionen reduzieren, hält der Bericht „dringende und strenge“ Kürzungen weiterhin für notwendig, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Die UNEP beziffert den erforderlichen Rückgang der Treibhausgasemissionen konkret: Bis 2030 müssten sie um 18 Prozent gegenüber dem Niveau von 2025 sinken, bis 2035 um 45 Prozent und bis 2040 um 69 Prozent.
Die aktuellen nationalen Pläne reichen dafür bei Weitem nicht aus. Sie würden die Emissionen bis 2030 lediglich um 5 bis 8 Prozent und bis 2035 um 11 bis 15 Prozent reduzieren. Zwischen dem, was nötig wäre, und dem, was die Staaten bislang zugesagt haben, klafft damit eine erhebliche Lücke.
Die Details
Für das Jahr 2100 projiziert der Bericht eine globale Erwärmung von 2,8 Grad Celsius unter den aktuellen politischen Rahmenbedingungen. Setzen die Länder ihre bestehenden Klimazusagen vollständig um, sinkt die Schätzung auf 2,6 Grad Celsius. Beide Werte liegen über den Projektionen des Vorjahres. Als Gründe nennt der Bericht den Rückzug der USA aus dem Pariser Abkommen sowie überarbeitete Bewertungen historischer Emissionen.
UN-Generalsekretär António Guterres betonte angesichts dieser Zahlen, es sei entscheidend, nicht aufzugeben. Die Anstrengungen müssten fortgesetzt werden, um Überschwemmungen, Brände und andere Naturkatastrophen einzudämmen. „Überschießen ist keine Kapitulation. Wir können es immer noch so klein und kurz wie möglich halten – und die Temperaturen bis Ende des Jahrhunderts wieder unter 1,5 Grad bringen“, sagte Guterres.
Im Rahmen des Pariser Abkommens von 2015 hatten sich die Länder verpflichtet, den durchschnittlichen Temperaturanstieg deutlich unter 2 Grad und idealerweise bei 1,5 Grad Celsius zu halten. Eine Begrenzung der Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius ohne oder mit nur begrenztem Überschreiten gilt inzwischen als nicht mehr möglich. Die UNEP gibt an, dass ihr neues Szenario für den „möglichst geringen“ Überschuss etwa eine 50-prozentige Wahrscheinlichkeit bietet, dass die Temperaturen bis 2100 wieder auf 1,5 Grad Celsius oder darunter fallen könnten.
Der Bericht stellte zudem fest, dass die seit dem vergangenen Jahr eingereichten Klimapläne kaum einen Unterschied zu den zukünftigen Erwärmungsprojektionen gemacht hätten. Eine Rückkehr zu 1,5 Grad Celsius würde von großflächiger Kohlenstoffentnahme abhängen, deren Machbarkeit der Bericht als unsicher einstuft.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 17.02.2026 berichtete aktien.news, dass die weltweiten CO₂-Emissionen aus fossilen Brennstoffen zehn Jahre nach Inkrafttreten des Pariser Klimaabkommens einen neuen Rekordwert von 38,1 Milliarden Tonnen erreichen. Das Jahr 2025 zählte demnach zu den drei heißesten jemals gemessenen Jahren, während die Konzentrationen der wichtigsten Treibhausgase laut dem Global Atmosphere Watch-Netzwerk der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) Rekordhöhen erreichten.
Am 18.02.2026 meldete aktien.news, dass die Welt zehn Jahre nach Inkrafttreten des Pariser Klimaabkommens ihre Ziele verfehlt. Die Erderwärmung beschleunige sich weiter, 2025 zähle zu den drei heißesten Jahren seit Beginn der Aufzeichnungen, während gleichzeitig neue Negativrekorde bei Meereis, Ozeanwärme und Meeresspiegel verzeichnet wurden. Die WMO meldete Rekordkonzentrationen bei Kohlendioxid, Methan und Distickstoffoxid.
Am 19.02.2026 berichtete aktien.news, dass sich die globale Klimakrise dramatisch beschleunigt, während gleichzeitig der boomende Export von Flüssigerdgas (LNG) aus den USA die Energiepreise für amerikanische Verbraucher auf historische Höchststände treibt. Zudem belasteten eskalierende Handelskonflikte die internationalen Warenströme erheblich.
Am 12.10.2026 berichtete aktien.news, dass die Europäische Union den COP31-Klimagipfel im November in der Türkei nutzen will, um ein konkretes „Maßnahmenpaket“ zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen durchzusetzen. Das ging aus einem internen EU-Dokument hervor, das Reuters vorlag. Bei den jüngsten UN-Klimagesprächen konnten sich die Regierungen demnach nicht auf schärfere Maßnahmen einigen. Große Schwellenländer und Produzenten fossiler Brennstoffe zeigten sich besorgt über die wirtschaftlichen Folgen ambitionierterer Klimaziele für ihr Wachstum und ihre Entwicklung.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist der Bericht vor allem ein Signal für die Richtung der Klimapolitik. Die UNEP hält „dringende und strenge“ Emissionskürzungen für notwendig, während die aktuellen nationalen Pläne deutlich dahinter zurückbleiben. Diese Lücke dürfte den politischen Druck auf Regierungen und Unternehmen erhöhen, ihre Klimazusagen nachzuschärfen.
Gleichzeitig zeigt der Bericht, dass die Ausweitung erneuerbarer Energien bereits Wirkung entfaltet und in vielen Ländern die Emissionen reduziert. Der Rückzug der USA aus dem Pariser Abkommen wird ausdrücklich als Faktor genannt, der die Projektionen nach oben treibt. Für Anleger bedeutet das ein Umfeld, in dem regulatorische Rahmenbedingungen und politische Entscheidungen – etwa auf dem COP31-Gipfel – die Bewertung von Unternehmen in energieintensiven Branchen beeinflussen können.
Der Bericht weist zudem darauf hin, dass eine Rückkehr zu 1,5 Grad Celsius von großflächiger Kohlenstoffentnahme abhängen würde, deren Machbarkeit unsicher ist. Technologien zur CO₂-Entnahme stehen damit im Zentrum der künftigen Klimastrategie, ohne dass ihr Beitrag bereits gesichert wäre. Dies ist keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung, sondern eine Einordnung der im Bericht genannten Fakten.
Ausblick
Die Länder bereiten sich auf die nächste Runde der Klimaverhandlungen in der Türkei vor: den COP31-Gipfel. Die EU will dort nach Angaben aus dem internen Dokument vom 12.10.2026 ein „Maßnahmenpaket“ zur Beschleunigung der Emissionssenkungen durchsetzen. Guterres rief dazu auf, die Anstrengungen nicht aufzugeben und die Erwärmung so klein und kurz wie möglich zu halten. Der UNEP-Bericht selbst macht deutlich, dass die seit dem Vorjahr eingereichten Klimapläne kaum etwas an den Erwärmungsprojektionen geändert haben.
Kurz erklärt
- Treibhausgasemissionen: Gase wie Kohlendioxid und Methan, die in der Atmosphäre Wärme zurückhalten und so zur Erderwärmung beitragen.
- Pariser Abkommen: Internationales Klimaübereinkommen von 2015, in dem sich die Länder auf Temperaturziele verständigt haben.
- Überschießen (Overshoot): Das vorübergehende Überschreiten eines Temperaturziels, bevor die Werte wieder sinken.
- Kohlenstoffentnahme: Verfahren, mit denen Kohlendioxid der Atmosphäre entzogen und gespeichert wird.
