Türkische Inflation: Monatlich 4,32% erwartet, Jahresrate sinkt auf 30%
Mindestlohnerhöhung und Preisanpassungen treiben Verbraucherpreise im Januar – Jahresprognose bleibt über Zentralbank-Ziel

Die Türkei steht im Januar vor einem deutlichen Anstieg der monatlichen Inflation. Laut einer Reuters-Umfrage unter zwölf Ökonomen wird ein Plus von 4,32% erwartet. Haupttreiber sind die jährliche Mindestlohnerhöhung um 27% sowie zahlreiche Neujahrs-Preisanpassungen. Gleichzeitig soll sich die Jahresinflationsrate von 30,9% im Dezember auf 30,0% abschwächen.
Die Prognosen der befragten Experten zeigen eine enge Bandbreite: Die Jahresrate wird zwischen 29,9% und 30,4% erwartet, während die monatlichen Schätzungen von 4,2% bis 4,64% reichen. Für das Jahresende 2025 rechnen die Ökonomen mit einem Rückgang auf 23% – deutlich über der offiziellen Zentralbank-Prognose von 16%.
Die Berechnung der Inflationsprognosen gestaltet sich in diesem Jahr besonders komplex. Das türkische Statistikinstitut hat das Basisjahr des Verbraucherpreisindex von 2003 auf 2025 angepasst und die Gewichtung einzelner Warengruppen im Inflationskorb verändert. Experten betonen zudem, dass volatile Lebensmittelpreise die Entwicklung maßgeblich beeinflussen werden.
Zentralbank bleibt vorsichtig bei Zinssenkungen
Die türkische Zentralbank hatte in der vergangenen Woche ihren Leitzins um 100 Basispunkte auf 37% gesenkt – weniger als von vielen Marktteilnehmern erwartet. Die Währungshüter begründeten die Zurückhaltung mit hartnäckigen Inflationserwartungen und einem Preisverhalten, das den Disinflationsprozess gefährde.
Nach einer kurzen Unterbrechung Anfang 2024 aufgrund politischer Turbulenzen nahm die Notenbank ihren Zinssenkungszyklus im Juli wieder auf. Seither erfolgten mehrere Schritte: zunächst 300 Basispunkte, dann 250 Punkte im Oktober, gefolgt von 150 Punkten im Dezember und zuletzt 100 Punkte im Januar. Die straffe Geld- und Fiskalpolitik hatte zuvor Erfolge gezeigt: Die Inflation war von einem Jahreshöchststand von 75% im Jahr 2024 auf 30,9% im Dezember gesunken.
Volatile Phase ab Januar erwartet
Für die kommenden Monate rechnen Analysten mit erhöhter Schwankungsanfälligkeit. Morgan Stanley weist darauf hin, dass wetterbedingte Belastungen bei Lebensmitteln und die Hartnäckigkeit der Dienstleistungsinflation den rückläufigen Trend seit Mai 2025 gebremst haben. Das US-Investmenthaus prognostiziert eine allmähliche Verlangsamung auf 21,7% Ende 2026 und 17,7% bis Ende 2027.
Diese Entwicklung soll durch stabile Wechselkurse, eine moderate Binnennachfrage und sich verbessernde Inflationserwartungen gestützt werden. Die offiziellen Inflationsdaten für Januar veröffentlicht das türkische Statistikinstitut am 3. Februar um 8:00 Uhr deutscher Zeit. Marktteilnehmer werden die Zahlen genau beobachten, um Hinweise auf den weiteren geldpolitischen Kurs der Zentralbank zu erhalten.
