TSMC-Aktie: Der vergessene KI-Riese mit 689 Prozent Kursgewinn
Taiwan Semiconductor hat seit dem ChatGPT-Launch 689 Prozent zugelegt – und gilt dennoch als einer der am meisten übersehenen KI-Werte.

Taiwan Semiconductor Manufacturing, kurz TSMC, ist einer der mächtigsten Profiteure des KI-Booms – und trotzdem fällt der Name in vielen Anlegerkreisen kaum. Seit OpenAI im Jahr 2022 ChatGPT auf den Markt brachte und damit die breite Öffentlichkeit mit künstlicher Intelligenz konfrontierte, hat die TSMC-Aktie (Ticker: TSM) um 689 Prozent an Wert gewonnen. Zum Vergleich: Viele Anleger diskutieren lieber über Nvidia, Broadcom oder Micron – dabei ist TSMC der gemeinsame Nenner hinter all diesen Namen.
Das Unternehmen ist ein sogenannter Auftragsfertiger, auf Englisch „Foundry". Es entwirft keine eigenen Chips, sondern produziert die Halbleiter nach den Vorgaben seiner Kunden. Zu diesen Kunden zählen nahezu alle führenden Halbleiterunternehmen der Welt: Nvidia, Broadcom, Amazon und Apple gehören ebenso dazu wie viele weitere Technologiegiganten. Wer in TSMC investiert, setzt damit nicht auf einen einzelnen Chip-Designer, sondern auf das gesamte Ökosystem der Halbleiterfertigung.
Die Details
Im zweiten Quartal legte der Umsatz von TSMC im Jahresvergleich um 34 Prozent zu und übertraf damit die Erwartungen der Analysten. Die Bruttomarge verbesserte sich um 1,5 Prozentpunkte auf 67,7 Prozent, die operative Marge stieg um 2,2 Prozentpunkte auf 60,3 Prozent. Diese Zahlen belegen, dass TSMC nicht nur schnell wächst, sondern dabei auch hochprofitabel bleibt – eine Kombination, die in der Halbleiterbranche selten ist.
CEO C. C. Wei äußerte sich nach den Quartalszahlen ausgesprochen optimistisch. Er stellte „extrem positive Signale" von seinen KI-Hyperscaler-Kunden fest und betonte, dass die „Überzeugung des Managements in den mehrjährigen KI-Megatrend sehr hoch bleibt". Hyperscaler sind die großen Cloud-Anbieter wie Amazon Web Services, Microsoft Azure oder Google Cloud, die massiv in KI-Infrastruktur investieren und dabei auf TSMC-Chips angewiesen sind.
Ein weiterer strategischer Schritt ist die geografische Expansion. TSMC hat im vergangenen Jahr den US-amerikanischen Markt betreten und betreibt nun eine Produktionsstätte im Bundesstaat Arizona. Dieser Schritt dient gleich mehreren Zielen: Er hilft dem Unternehmen, mögliche Zölle auf importierte Halbleiter zu umgehen, und bringt TSMC näher an wichtige Kunden wie Nvidia und Apple heran, die beide ihren Hauptsitz in Kalifornien haben.
CFO Wendell Huang wies darauf hin, dass die hohen Investitionen kurzfristig Druck auf die Bruttomarge ausüben könnten. Gleichzeitig stellte er klar, dass „ein höheres Niveau an Kapitalausgaben immer mit höheren Wachstumschancen in den folgenden Jahren korreliert". Das Management sieht die aktuellen Ausgaben also als Investition in künftiges Wachstum, nicht als strukturelles Problem.
Hintergrund: Was bisher geschah
TSMC steht schon länger im Fokus von Finanzanalysten. Bereits am 22. April 2026 berichtete aktien.news, dass sich TSMC zur „klügsten Möglichkeit" entwickle, in den KI-Boom zu investieren – unabhängig davon, welcher Chip-Ansatz sich langfristig durchsetze, seien die meisten fortschrittlichen KI-Chips bei ihrer Herstellung auf TSMC angewiesen.
Am 13. Juli 2026 meldete aktien.news starke Monatszahlen: Im Juni 2026 stieg der TSMC-Umsatz im Jahresvergleich um 67,9 Prozent. Im Monatsvergleich legte der Umsatz um 6,2 Prozent zu und erreichte 442,68 Milliarden Neue Taiwan-Dollar. Im gesamten ersten Halbjahr 2026 erzielte TSMC einen Gesamtumsatz von 2,4 Billionen Neue Taiwan-Dollar, was einem Wachstum von 35,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht.
Am 1. Oktober 2026 ordnete aktien.news TSMC gemeinsam mit dem niederländischen Maschinenbauer ASML als Unternehmen ein, die sich in der Chip-Technologie einen „unüberwindbaren Schutzwall" erarbeitet hätten – Firmen mit Technologien und Produktionskapazitäten, die ihresgleichen in der Branche suchen. Und am 25. September 2026 griff aktien.news erneut die Frage auf, ob TSMC eine unterbewertete KI-Aktie sei, die sich zum Kauf anbiete.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist TSMC ein besonderer Fall. Das Unternehmen ist an der New Yorker Börse als American Depositary Receipt (ADR) unter dem Ticker TSM handelbar und damit über die meisten deutschen Broker zugänglich. Die Aktie profitiert strukturell von einem breiten Kundenstamm: Egal ob Nvidia mit seinen GPUs, Intel mit seinen CPUs oder Apple mit seinen eigenen Chips – alle sind auf TSMC als Fertigungspartner angewiesen.
Besonders interessant ist die Positionierung im Bereich „Agentic AI", also KI-Systemen, die eigenständig Aufgaben ausführen. Laut dem Quelltext haben CPUs, die Intel herstellt, durch ihre Rolle in diesem Bereich wieder an Bedeutung gewonnen – und auch diese Chips werden von TSMC gefertigt. Das zeigt, wie breit TSMC vom gesamten KI-Spektrum profitiert, nicht nur von einem einzelnen Trend.
Die Kombination aus starkem Umsatzwachstum, hohen Margen und einer marktbeherrschenden Stellung macht TSMC zu einem Wert, der in der Diskussion um KI-Investments häufig unterschätzt wird. Anleger sollten jedoch beachten, dass das Unternehmen seinen Hauptsitz in Taiwan hat, was geopolitische Risiken mit sich bringt, die im Quelltext nicht thematisiert werden, aber bei einer Anlageentscheidung grundsätzlich zu berücksichtigen sind.
Ausblick
Das Management erwartet, dass der KI-Megatrend noch mehrere Jahre anhält. CEO C. C. Wei signalisierte, dass die positiven Rückmeldungen der Hyperscaler-Kunden auf eine anhaltend hohe Nachfrage hindeuten. Gleichzeitig plant TSMC weitere Investitionen in neue Standorte, um die Produktionskapazitäten auszubauen. CFO Wendell Huang stellte in Aussicht, dass diese erhöhten Kapitalausgaben in den Folgejahren mit höheren Wachstumschancen einhergehen werden. Kurzfristig rechnet das Management mit einem gewissen Druck auf die Bruttomarge, sieht diesen aber als temporär an.
Kurz erklärt
- Foundry: Ein Auftragsfertiger in der Halbleiterbranche, der Chips nach den Entwürfen seiner Kunden produziert, ohne eigene Chip-Designs zu entwickeln.
- Hyperscaler: Große Cloud-Anbieter, die riesige Rechenzentren betreiben und massiv in KI-Infrastruktur investieren.
- Agentic AI: Ein KI-Ansatz, bei dem Systeme eigenständig Aufgaben planen und ausführen, ohne für jeden Schritt menschliche Anweisung zu benötigen.
