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Trumps Zölle scheitern: US-Leistungsbilanzdefizit bleibt bei 1,18 Billionen Dollar

Die protektionistischste Handelspolitik seit Jahrzehnten verfehlt ihr Ziel – und gefährdet Amerikas einzigartigen Kapitalertragsvorteil.

• 2 Min
Trumps Zölle scheitern: US-Leistungsbilanzdefizit bleibt bei 1,18 Billionen Dollar

Die größte US-Zollerhöhung seit fast einem Jahrhundert hat ihr erklärtes Ziel verfehlt. Das US-Leistungsbilanzdefizit belief sich im Jahr 2025 auf 1,18 Billionen Dollar – praktisch identisch mit dem Vorjahr. Das geht aus den Tabellen des US Bureau of Economic Analysis hervor. Die protektionistischste Wende seit Menschengedenken hat die Zahl, die sie eigentlich senken sollte, nicht bewegt.

Das Ergebnis war für Ökonomen vorhersehbar. Ein Leistungsbilanzdefizit ist kein Zeugnis für Handelsbetrug, sondern die Lücke zwischen dem, was ein Land investiert, und dem, was es spart. Zölle ändern an beidem grundsätzlich nichts. Da die Steuersenkungen des letzten Jahres das Haushaltsdefizit vergrößerten, sanken die nationalen Ersparnisse – und glichen damit alles aus, was durch die Zölle unterdrückt wurde. Es handelt sich dabei weniger um ein ökonomisches Argument als um eine buchhalterische Notwendigkeit.

Amerikas einzigartiger Kapitalertragsvorteil schwindet

Die eigentlich bedeutsamere Entwicklung liegt jedoch an anderer Stelle. Jahrelang galten die USA als ökonomische Anomalie: Trotz riesiger Leistungsbilanzdefizite erwirtschafteten sie enorme Netto-Kapitalerträge aus dem Ausland. Dieser Umstand half dabei, das Netto-Auslandsvermögen der USA (NIIP) zu schützen – ein Phänomen, das Ökonomen bisweilen als „dunkle Materie" der amerikanischen Wirtschaft bezeichnen.

Doch diese Sonderstellung bröckelt. Im Jahr 2024 wurden die US-Netto-Kapitalerträge zum ersten Mal seit mindestens einem halben Jahrhundert negativ. Im Jahr 2025 pendelten sie lediglich um den Nullpunkt. Das ist eine historische Zäsur: Amerika verliert seinen jahrzehntelangen Vorteil als massiver Nettoschuldner, der von seinen Gläubigern bezahlt wird.

Seit zwei Jahrzehnten bezweifeln Skeptiker die Nachhaltigkeit dieses Einkommensüberschusses. Die aktuellen Daten deuten darauf hin, dass ihre Bedenken zunehmend berechtigt sind. Für deutsche und europäische Anleger ist diese Entwicklung von erheblicher Bedeutung, da die USA als globaler Kapitalmagnet eine zentrale Rolle in den internationalen Finanzmärkten spielen.

Zölle als stumpfes Instrument der Handelspolitik

Der Befund aus dem ersten vollen Jahr der Trump-Zölle liefert ein klares wirtschaftspolitisches Signal: Handelsbilanzdefizite lassen sich nicht durch Importzölle allein korrigieren. Solange die Fiskalpolitik – etwa durch schuldenfinanzierte Steuersenkungen – die nationalen Ersparnisse drückt, bleibt das Leistungsbilanzdefizit strukturell verankert.

Für Privatanleger bedeutet dies: Die handelspolitische Unsicherheit der vergangenen Jahre hat zwar die Märkte bewegt, die fundamentalen makroökonomischen Ungleichgewichte der USA jedoch kaum verändert. Die eigentliche Herausforderung für die amerikanische Wirtschaft liegt nicht im Handelsdefizit selbst, sondern im schwindenden Kapitalertragsvorteil – jenem unsichtbaren Puffer, der Amerikas Wohlstand jahrzehntelang mitfinanziert hat.

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