Trumps 50%-Zoll trifft Kanadas geschützten Milchsektor hart
Donald Trump nimmt Kanadas politisch unantastbare Milchwirtschaft ins Visier – mit drastischen Zöllen ab August.

Donald Trump hat Kanadas System der Angebotssteuerung (Supply Management) als einen von drei zentralen Streitpunkten benannt, um neue Strafzölle auf kanadische Waren zu rechtfertigen. Konkret drohen 50-prozentige Zölle auf kanadische Importe im Wert von 20 Milliarden US-Dollar – die Maßnahme soll im August in Kraft treten. Damit rückt eines der politisch heikelsten Themen Kanadas wieder in den Mittelpunkt des transatlantischen Handelsstreits.
Das kanadische Supply-Management-System reguliert die Produktion und den Handel von Milchprodukten, Eiern und Geflügel durch ein Dreigestirn aus Produktionsquoten, Festpreisen und Importkontingenten. Es handelt sich um ein jahrzehntelanges Schutzmodell, das kanadische Landwirte vor dem internationalen Wettbewerb abschirmt und stabile Einkommen in der Landwirtschaft sichern soll. In Kanada gilt dieses System als nahezu unantastbar – politisch wie gesellschaftlich.
Trumps Kritik am kanadischen Schutzsystem
Trump argumentiert, dass das System amerikanische Landwirte gegenüber ihren kanadischen Konkurrenten benachteilige. Aus US-amerikanischer Sicht erschweren die Importkontingente den Marktzugang für US-Agrarprodukte erheblich. Für Trump ist das Supply Management damit ein Symbol für das, was er als unfaire Handelspraktiken Kanadas bezeichnet.
Das Thema ist nicht neu: Bereits in früheren Amtszeiten und während der Verhandlungen zum Handelsabkommen USMCA (dem Nachfolger von NAFTA) stand das kanadische Agrarsystem im Fokus amerikanischer Kritik. Kanada machte damals begrenzte Zugeständnisse beim Marktzugang für US-Milchprodukte, hielt aber am Grundprinzip des Supply Managements fest. Nun eskaliert Trump den Druck erneut – diesmal mit konkreten Zolldrohungen.
Politische Sprengkraft in Kanada
Für die kanadische Regierung ist das Supply Management eine innenpolitische Hochspannungsleitung. Die betroffenen Sektoren – Milch, Eier, Geflügel – sind in ländlichen Regionen, insbesondere in Quebec und Ontario, wirtschaftlich und politisch bedeutsam. Jede Konzession gegenüber den USA würde dort auf massiven Widerstand stoßen.
Die angedrohten 50-Prozent-Zölle auf Waren im Wert von 20 Milliarden US-Dollar würden weit über den Agrarsektor hinausgehen und die gesamte kanadisch-amerikanische Handelsbeziehung belasten. Für deutsche Beobachter und Investoren ist der Konflikt ein weiteres Zeichen dafür, dass die Trump-Administration bereit ist, auch langjährige Verbündete mit aggressiven Handelsinstrumenten unter Druck zu setzen.
Der August-Termin für das Inkrafttreten der Zölle setzt Kanada unter erheblichen Zeitdruck. Wie Ottawa auf diese Eskalation reagieren wird – ob mit Gegenzöllen, Verhandlungsangeboten oder einer Kombination aus beidem – bleibt abzuwarten.
