Trump gibt künftigem Fed-Chef Warsh freie Hand bei Zinsen
Nach monatelangem Druck auf die US-Notenbank signalisiert Trump überraschend mehr Unabhängigkeit für seinen Wunschkandidaten Kevin Warsh.

Präsident Donald Trump hat am Dienstag einen bemerkenswerten Kurswechsel in seiner Rhetorik gegenüber der Federal Reserve vollzogen. In einem Interview mit dem Washington Examiner deutete er an, dem künftigen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh mehr Spielraum bei der Zinspolitik einzuräumen. Trump erklärte demnach, er werde Warsh „tun lassen, was er will" – eine Aussage, die Fed-Beobachter bereits antizipiert hatten.
Der Kurswechsel ist deshalb bemerkenswert, weil Trump die US-Notenbank über mehr als ein Jahr lang unter beispiellosen Druck gesetzt hatte. Die anhaltende Druckkampagne des Präsidenten gegen die Zentralbank hatte Fragen über die Unabhängigkeit der Fed aufgeworfen und die Finanzmärkte zeitweise verunsichert. Eine unabhängige Geldpolitik gilt als fundamentales Prinzip moderner Zentralbankpolitik und ist für das Vertrauen der Märkte von zentraler Bedeutung.
Märkte erwarten eher Zinserhöhung als Zinssenkung
Trumps Äußerung erfolgte als direkte Reaktion auf die Frage, ob Warsh die Zinsen senken würde. Der Kontext ist dabei entscheidend: Die Märkte halten derzeit eine Zinserhöhung für wahrscheinlicher als eine Zinssenkung – eine Einschätzung, die im Widerspruch zu Trumps bisherigen öffentlichen Forderungen nach niedrigeren Zinsen steht. Trump hatte die Fed und ihren amtierenden Vorsitzenden Jerome Powell wiederholt und öffentlich für eine aus seiner Sicht zu restriktive Zinspolitik kritisiert.
Kevin Warsh gilt als Trumps bevorzugter Kandidat für den Posten des Fed-Vorsitzenden. Warsh war bereits von 2006 bis 2011 Mitglied des Gouverneursrats der Federal Reserve und verfügt damit über direkte Erfahrung mit der US-Geldpolitik. Fed-Beobachter hatten sich nach Angaben von MarketWatch bereits auf eine solche Aussage Trumps eingestellt, was darauf hindeutet, dass der Kurswechsel in Fachkreisen nicht vollständig überraschend kam.
Hintergrund: Trumps Feldzug gegen die Fed
Die Unabhängigkeit der Federal Reserve ist ein Eckpfeiler des amerikanischen Finanzsystems. Die Zentralbank soll frei von politischem Einfluss agieren können, um ihre Kernaufgaben – Preisstabilität und maximale Beschäftigung – zu erfüllen. Trumps über ein Jahr andauernde, öffentliche Druckkampagne gegen die Fed hatte international für Aufsehen gesorgt und Debatten über institutionelle Grenzen in der US-Wirtschaftspolitik ausgelöst.
Für deutsche Anleger und Investoren ist die Entwicklung rund um die US-Geldpolitik von erheblicher Bedeutung. Zinsentscheidungen der Fed beeinflussen nicht nur die amerikanischen Kapitalmärkte, sondern wirken sich über Wechselkurse, Kapitalströme und globale Risikobereitschaft auch direkt auf europäische und deutsche Märkte aus. Die Frage, ob Warsh im Falle seiner Ernennung tatsächlich unabhängig agieren wird oder ob Trumps Aussage lediglich taktischer Natur ist, dürfte die Märkte weiter beschäftigen.
