Trump droht Europa mit Grönland-Zöllen: EU kündigt Vergeltung an
US-Präsident Donald Trump droht acht europäischen Staaten mit Importzöllen von bis zu 25 Prozent, sollten die USA Grönland nicht erwerben können. Die EU signalisiert klare Vergeltungsbereitschaft, während Experten vor einer neuen Volatilitätswelle an den

Die globalen Finanzmärkte stehen vor einer neuen Belastungsprobe. US-Präsident Donald Trump hat angekündigt, ab dem 1. Februar einen zusätzlichen Importzoll von 10 Prozent auf Waren aus Dänemark, Norwegen, Schweden, Frankreich, Deutschland, den Niederlanden, Finnland und Großbritannien zu erheben. Hintergrund ist der US-Wunsch, Grönland zu erwerben. Sollte bis zum 1. Juni keine Einigung erzielt werden, droht eine Erhöhung der Zölle auf 25 Prozent.
Europäische Märkte unter Druck
Die Ankündigung hat die Hoffnungen auf eine Entspannung im Handelskonflikt zunichtegemacht. Holger Schmieding, Chefökonom bei Berenberg, sieht Parallelen zum Frühjahr des Vorjahres, als weitreichende Zölle die Finanzmärkte erschütterten. Der Euro geriet bereits unter Druck und notierte am Freitag bei etwa 1,16 US-Dollar – dem tiefsten Stand seit Ende November. Dennoch zeigt sich Schmieding verhalten optimistisch: Die Anlegerstimmung sei widerstandsfähiger als damals, und das globale Wirtschaftswachstum bleibe auf Kurs.
Europäische Aktien notieren derzeit nahe Rekordhochs. Der DAX und der Londoner FTSE-Index sind seit Jahresbeginn um mehr als 3 Prozent gestiegen und übertreffen damit den S&P 500 mit 1,3 Prozent Zuwachs. Besonders europäische Verteidigungsaktien profitieren von den geopolitischen Spannungen und legten im Januar um fast 15 Prozent zu.
EU kündigt harte Gegenmaßnahmen an
Die Europäische Union zeigt sich kampfbereit. Der irische Premierminister Micheál Martin warnte eindringlich: "Seien Sie sich darüber im Klaren, dass Europa selbstverständlich Vergeltung üben wird, wenn diese Zölle verhängt werden, und das wird zu einer sehr ernsten globalen Situation führen." Die geopolitische Strategin Tina Fordham konstatiert: "Der US-EU-Handelskrieg ist zurück."
Antonin Finkelnburg, ein Außenhändler, mahnt die EU zur Einhaltung einer klaren Linie. Er sieht die Freiheit und Rechtsstaatlichkeit Grönlands durch Trumps Drohungen gefährdet und befürchtet einen Dominoeffekt auf weitere Staaten wie Norwegen oder Island. Finkelnburg fordert, dass Europa globale Partner wie Kanada und Australien einbinden müsse, um die "Grönland-Annexionspläne" abzuwehren.
Massive wirtschaftliche Folgen drohen
Die wirtschaftlichen Auswirkungen könnten erheblich sein. Bereits die bestehenden Zölle haben Spuren hinterlassen: Das Handelsvolumen mit den USA sank bis November 2025 um signifikante 7,8 Prozent. Die USA sind der zweitwichtigste Absatzmarkt für die deutsche Wirtschaft. Ein Wegfall dieses Marktes würde kurzfristig zu einem "schmerzhaften Bruch" führen, da eine sofortige Kompensation durch andere Märkte nicht möglich sei.
Besonders betroffen wären Teile der Industrie, die stark vom US-Markt abhängig sind, sowie Branchen, die bereits unter den bestehenden Zöllen auf Stahl und Aluminium leiden. Finkelnburg sieht die Verlässlichkeit auf amerikanischer Seite als fundamental beschädigt an, da Trump Zölle als "politische Waffe" einsetze.
Zeitgleich EU-Mercosur-Abkommen unterzeichnet
Trumps Schritt erfolgte zeitgleich mit der Unterzeichnung eines Freihandelsabkommens zwischen der EU und Mercosur. Dies unterstreicht die Absicht Europas, sich wirtschaftlich breiter aufzustellen und unabhängiger von den USA zu werden. Finkelnburg geht davon aus, dass der amerikanisch-europäische Zolldeal massiv in Frage gestellt sei.
Weitere geopolitische Spannungen
Der Streit um Grönland ist nur ein Brennpunkt in einer zunehmend angespannten globalen Lage. Trump erwägt zudem ein Eingreifen in die Unruhen im Iran, und die Drohung der US-Regierung, den Vorsitzenden der Federal Reserve, Jerome Powell, anzuklagen, hat die Besorgnis über die Unabhängigkeit der Zentralbank neu entfacht.
Vor diesem Hintergrund bleibt der sichere Hafen Gold nahe historischer Höchststände. Die jährliche Risikowahrnehmungsumfrage des Weltwirtschaftsforums identifizierte die wirtschaftliche Konfrontation zwischen Nationen als das größte Risiko. Trotz der Wachsamkeit gegenüber geopolitischen Risiken haben sich Anleger laut Fordham teilweise daran gewöhnt, da sie glauben, dass Trump nicht alle Ankündigungen umsetzen kann oder dass die Entwicklungen die Vermögenspreise nicht wesentlich beeinflussen werden.
