EU-Mercosur-Handelsabkommen: Größte Freihandelszone der Welt entsteht
Nach 25 Jahren Verhandlungen haben EU und Mercosur ein historisches Handelsabkommen unterzeichnet. Die neue Freihandelszone umfasst 700 Millionen Menschen und ein Viertel der Weltwirtschaft.

Die Europäische Union und die südamerikanische Wirtschaftsorganisation Mercosur haben am 17. Januar 2026 in Asunción ein umfassendes Handelsabkommen unterzeichnet. Nach über 25 Jahren zäher Verhandlungen entsteht damit die größte Freihandelszone der Welt. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Ratspräsident Antonio Costa unterzeichneten das Abkommen gemeinsam mit Vertretern aus Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay.
Massive Handelserleichterungen für deutsche Exporteure
Für die deutsche Wirtschaft eröffnen sich erhebliche Chancen. Deutschland erzielte 2023 einen Exportüberschuss von elf Milliarden Euro gegenüber dem Mercosur. Besonders die Autoindustrie profitiert vom Wegfall der bisher 35-prozentigen Zölle. Auch Maschinenbauer, Pharmaunternehmen und Dienstleister erhalten deutlich besseren Marktzugang.
Insgesamt könnte das Abkommen die EU-Exporte nach Südamerika um bis zu 39 Prozent steigern. Dies entspräche einem Zuwachs von 49 Milliarden Euro zur europäischen Wirtschaftsleistung. Rund 750.000 Arbeitsplätze in Europa hängen bereits vom Handel mit dem Mercosur ab, weitere 440.000 könnten hinzukommen.
Schutzmaßnahmen für europäische Landwirtschaft
Das Abkommen berücksichtigt die Bedenken europäischer Landwirte durch strenge Importquoten. Nur 99.000 Tonnen Rindfleisch und 30.000 Tonnen Käse dürfen zusätzlich zollfrei importiert werden. Ähnliche Kontingente gelten für Geflügel, Schweinefleisch, Zucker und Ethanol. Alle Importe müssen europäische Standards erfüllen.
Im Gegenzug fallen für EU-Agrarprodukte wie Wein und Spirituosen die Zölle von 27 bzw. 35 Prozent weg. Über 340 geografische Herkunftsbezeichnungen wie Parmesan oder Champagner werden geschützt. Das Thünen-Agrarforschungsinstitut erwartet nur einen minimalen Produktionsrückgang von 1,5 Prozent bei Rind- und Geflügelfleisch.
Geopolitische Bedeutung in unsicheren Zeiten
Das Abkommen sendet ein starkes Signal für freien Handel in Zeiten wachsender Unsicherheit. "Wir wählen fairen Handel statt Zölle", betonte von der Leyen. Während US-Präsident Donald Trump mit neuen Zöllen droht, diversifiziert die EU ihre Handelspartner strategisch.
Für Deutschland und Europa ist das Abkommen auch ein Zeichen der Verlässlichkeit. Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer warnte, ein Scheitern hätte das Ansehen der EU als Verhandlungspartner beschädigt und künftige Gespräche, etwa mit Indien, erschwert.
Nächste Schritte zur Ratifizierung
Bevor das Abkommen in Kraft treten kann, muss es vom Europäischen Parlament gebilligt werden. Anschließend folgt die Ratifizierung durch die Parlamente der vier teilnehmenden Mercosur-Staaten. Der Handel zwischen EU und Mercosur belief sich 2024 auf 111 Milliarden Euro und könnte durch das Abkommen deutlich wachsen.
