Trump darf Finanzdaten in BBC-Verleumdungsklage vorerst zurückhalten
Ein US-Gericht gewährt Trump einen Aufschub bei der Offenlegung von Finanzunterlagen in seiner 10-Milliarden-Dollar-Klage gegen die BBC.

Donald Trump hat in seiner milliardenschweren Verleumdungsklage gegen die BBC einen juristischen Teilerfolg errungen. Ein US-Gericht gab am Donnerstag einem Eilantrag der Anwälte des Donald J. Trump Revocable Trust statt und setzte die Pflicht zur Offenlegung von Finanzunterlagen vorübergehend aus. Die Klage hat ein Volumen von 10 Milliarden US-Dollar und dreht sich um eine BBC-Panorama-Dokumentation über die Ereignisse am US-Kapitol vom 6. Januar 2021.
Hintergrund der Klage ist eine Dokumentation, in der Teile von Trumps Rede vor seinen Anhängern zusammengeschnitten worden waren. Trump behauptete, diese Darstellung habe seine Marke, seine Immobilien und seine Geschäftsinteressen beschädigt. Im Juli hatte das Gericht den BBC-Anwälten die Erlaubnis erteilt, Informationen einzuholen, um mögliche finanzielle Auswirkungen der Dokumentation zu prüfen.
Letzter-Moment-Manöver der Trump-Anwälte
Am Mittwochabend unternahmen die Anwälte des Trusts einen Versuch in letzter Minute, die Herausgabe wirtschaftlicher Kennzahlen zu verhindern. In ihrem Schriftsatz bezeichneten sie die Forderung der BBC als „schockierend weit gefasst" und warfen dem Sender vor, auf „eindeutig politischen Motiven" zu handeln. Gleichzeitig beantragten sie eine Aussetzung der Offenlegungsanordnung, während das Gericht einen separaten Änderungsantrag Trumps prüft.
Dieser Änderungsantrag sieht vor, die Klage inhaltlich umzugestalten: Die Ansprüche wegen Schäden an Finanzaussichten, Immobilien und Unternehmen sollen fallen gelassen werden. Stattdessen würde sich die geänderte Klage ausschließlich auf die Rufschädigung als angeblichen entschädigungspflichtigen Schaden konzentrieren. Damit würde die Notwendigkeit entfallen, detaillierte Finanzdaten offenzulegen.
Die BBC wehrte sich gegen diesen Schritt mit einer Erwiderung und bezeichnete das Vorgehen als „durchschaubaren Versuch, die unmittelbar bevorstehende gerichtlich angeordnete Frist für den Beginn der Offenlegung von Finanzunterlagen zu umgehen". Der Sender hatte gehofft, nach monatelangem Warten endlich mit der inhaltlichen Prüfung von Trumps Klage beginnen zu können.
Richter folgt Trumps Argumentation
Der zuständige Richter stimmte jedoch zu, dass Trumps Anwälte ein „überzeugendes Argument" vorgebracht hätten. In seiner Entscheidung erklärte er: „Wenn [Trumps] Änderung die Notwendigkeit erübrigt, einen Nichtbeteiligten zur Offenlegung vertraulicher Finanzinformationen zu zwingen, halten wir es für klug, die Anordnung kurzzeitig auszusetzen, bis über den Änderungsantrag entschieden ist." Das Urteil stellt damit einen Rückschlag für die BBC dar.
Die BBC hatte sich bereits für den Zusammenschnitt von Trumps Rede in der Dokumentation entschuldigt. Der Schnitt hatte suggeriert, Trump habe seine Anhänger am 6. Januar 2021 zum Sturm auf das Kapitol angestiftet – jenem Tag, an dem der US-Kongress Bidens Wahlsieg über Trump offiziell bestätigte. Trotz der Entschuldigung kündigte der Sender an, die Klage weiter anzufechten.
BBCs Verteidigungsstrategie
Die BBC argumentiert, der Fall sollte vom Gericht in Florida abgewiesen werden, da es keine Beweise dafür gebe, dass die Dokumentation in den USA überhaupt gesehen wurde. Dies ist ein zentrales juristisches Argument, das die Zuständigkeit des amerikanischen Gerichts grundsätzlich in Frage stellt. Eine Stellungnahme zur jüngsten Entscheidung des Richters lehnte die BBC ab.
Der Fall ist Teil eines breiteren Musters, in dem Trump juristische Mittel einsetzt, um gegen Medienberichte vorzugehen, die er als schädlich für sein Geschäftsimperium betrachtet. Der Donald J. Trump Revocable Trust verwaltet die Geschäftsinteressen des US-Präsidenten und steht damit im Mittelpunkt der Auseinandersetzung um die Offenlegung von Finanzdaten. Wie das Gericht über den Änderungsantrag entscheiden wird, bleibt abzuwarten.
