TikTok-CEO: KI bringt wissenschaftliche Durchbrüche in drei Jahren
Shou Zi Chew erwartet bahnbrechende KI-Fortschritte in Physik, Biotechnologie und Chemie – und warnt gleichzeitig vor wachsenden Cybersicherheitsrisiken.

TikTok-CEO Shou Zi Chew hat auf der DBS Asia Future Forward Conference in Singapur eine optimistische Prognose für die Zukunft der künstlichen Intelligenz abgegeben. Er erwartet, dass KI innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre bedeutende wissenschaftliche Durchbrüche auslösen wird – in Bereichen wie Physik, Biotechnologie, Chemie und Materialwissenschaften.
„In den nächsten zwei bis drei Jahren werden wir einen echten wissenschaftlichen Durchbruch erleben: Physik, Biotechnologie, Chemie, Materialwissenschaften, und zwar aufgrund von KI. Das ist sehr, sehr, sehr wahrscheinlich", sagte Chew am Montag. Seine Aussagen unterstreichen, wie ernst Technologieführer das transformative Potenzial von KI inzwischen nehmen – weit über Unterhaltungs- und Konsumentenanwendungen hinaus.
Chew betonte, dass die rasanten Fortschritte in der KI Möglichkeiten eröffneten, die weit über die derzeitigen Anwendungen der Technologie hinausgingen. Gleichzeitig räumte er ein, dass weiterhin grundlegende Fragen offenblieben: „Wie richtet man die Modelle aus? Wie bringt man die Maschinen dazu, Dinge zu tun, die für uns als Menschen offensichtlich sind?"
ByteDance treibt eigene KI-Forschung voran
Die Äußerungen des TikTok-Chefs fallen in eine Zeit, in der der chinesische Mutterkonzern ByteDance seine KI-Aktivitäten deutlich ausweitet. Im April stellte das Seed-Forschungsteam des Unternehmens Protenix-v2 vor – ein KI-Modell, das auf die Vorhersage und das Design biomolekularer Strukturen spezialisiert ist und potenzielle Anwendungen in der Arzneimittelforschung bietet.
ByteDance entwickelt zudem eigene KI-Modelle und prüft Kooperationsmöglichkeiten mit Wissenschaftlern. „Es gibt Bestrebungen zu prüfen, wie wir mit vielen Wissenschaftlern zusammenarbeiten können, um auch in der Wissenschaft Fortschritte zu erzielen", sagte Chew. „Wir haben in diesem Bereich bereits einige Arbeit geleistet, und das ist sehr spannend."
Chews Optimismus steht nicht allein. Letzte Woche gaben die US-Regierung, Meta und Google ihre Beteiligung an einer 1,8-Milliarden-Dollar-Initiative bekannt, die auf die Entwicklung von KI-Modellen zur Vorhersage des Zellverhaltens abzielt – mit dem Ziel, biologische Forschung und Arzneimittelentwicklung zu beschleunigen. Technologiegiganten weltweit investieren damit Milliarden in KI-gestützte Wissenschaft.
Kurzfristig überschätzt, langfristig unterschätzt
Chew zeichnete ein differenziertes Bild der KI-Entwicklung. Er warnte davor, die unmittelbaren Auswirkungen der Technologie zu überschätzen, während ihr langfristiges Potenzial gleichzeitig unterschätzt werde. „Ich denke, kurzfristig überschätzen wir sie wahrscheinlich, aber langfristig unterschätzen wir sie wahrscheinlich", sagte er.
Mit Blick auf die Entwicklungskurve zeigte sich Chew dennoch beeindruckt: „Der Trend ist sehr, sehr klar. Wir stehen erst am Anfang dessen, was künstliche Intelligenz wahrscheinlich leisten kann. Und wenn man sich ansieht, wohin der Trend geht, insbesondere in den Bereichen der Wissenschaft, dann verläuft die Kurve zum jetzigen Zeitpunkt wirklich sehr steil."
Auch für TikTok selbst spielt KI eine wachsende Rolle – von der Inhaltserstellung und personalisierten Empfehlungen über die Suche bis hin zur Moderation von Inhalten. Wissenschaftliche Entdeckungen bezeichnete Chew jedoch als eine der vielversprechendsten Anwendungen der Technologie überhaupt.
Cybersicherheit als wachsende Herausforderung
Neben dem Optimismus äußerte Chew auch deutliche Warnungen. Mit zunehmend leistungsfähigen KI-Systemen wachsen seiner Einschätzung nach auch die Sicherheitsrisiken erheblich. „Ich denke, die Cybersicherheitsrisiken sind ziemlich groß", sagte er.
Besonders autonome KI-Agenten bereiten ihm Sorgen. Nutzer könnten diesen Systemen weitreichende Berechtigungen erteilen, ohne die potenziellen Konsequenzen vollständig zu verstehen. Als konkretes Beispiel nannte er KI-Agenten, die eigenständig Einkäufe tätigen – und dabei möglicherweise mehr erwerben, als vom Nutzer ursprünglich beabsichtigt war.
Darüber hinaus warnte Chew vor den wachsenden Herausforderungen für Unternehmen wie TikTok: Immer ausgefeiltere KI-Modelle machten es böswilligen Akteuren erheblich kostengünstiger, betrügerische Aktivitäten durchzuführen. „Man braucht also die richtigen Werkzeuge, um sich gegen die schnell sinkenden Kosten für das Verursachen von Problemen für Plattformen wie uns zu verteidigen", betonte er.
