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Thyssenkrupp spaltet Accelis ab: 1,2 Milliarden Euro Mehrwert

Der Werkstoffhändler Accelis debütiert an der Börse und hebt den kombinierten Börsenwert von Thyssenkrupp deutlich an.

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Thyssenkrupp spaltet Accelis ab: 1,2 Milliarden Euro Mehrwert

Die Abspaltung des Werkstoffhändlers Accelis beschert Thyssenkrupp an der Börse einen milliardenschweren Bewertungssprung. Die neue Accelis-Aktie startete am ersten Handelstag bei 27,80 Euro und legte am Vormittag auf 30,50 Euro zu. Bei 63,52 Millionen Anteilen ergibt sich daraus eine Marktkapitalisierung von 1,94 Milliarden Euro.

Im Gegenzug geriet die Thyssenkrupp-Aktie unter Druck und fiel von 14,68 Euro auf 13,40 Euro. Bei 622,53 Millionen Anteilen summiert sich der Börsenwert des Essener Konzerns damit auf 8,34 Milliarden Euro. In der Summe kommen beide Gesellschaften zusammen auf eine Marktkapitalisierung von 10,3 Milliarden Euro — am Vortag hatte die Bewertung noch 9,1 Milliarden Euro betragen. Daraus errechnet sich ein Mehrwert durch die Abspaltung von rund 1,2 Milliarden Euro.

Was hinter dem Umtausch steckt

Für die Aktionäre von Thyssenkrupp ist der Weg zu Accelis-Anteilen klar geregelt: Zwanzig Thyssenkrupp-Anteile berechtigen zum Umtausch in eine einzige Accelis-Aktie. Thyssenkrupp selbst hält weiterhin 51 Prozent an Accelis und behält damit die Kontrolle über das Unternehmen. Accelis wird vollständig in den Thyssenkrupp-Zahlen konsolidiert, das heißt Umsatz, Gewinn sowie Aktiva und Passiva fließen komplett in die Bilanz des Mutterkonzerns ein.

Accelis gilt als Europas Marktführer im Werkstoffhandel und zählt in Nordamerika und weltweit zu den Top-Anbietern. Zu den Kunden zählen Volkswagen, BMW, Airbus, Siemens und Bosch, dazu kommen mehr als 250.000 Einzelkunden weltweit. Das Unternehmen profitiert nach Angaben aus dem Umfeld von Trends wie Elektromobilität, dem Ausbau von Rechenzentren und dem Kupferhandel. In Europa stützt zudem die Wiederaufrüstung die Nachfrage nach Eisen, Stahl und Metallen.

Die Abspaltung ist Teil einer größeren Neuausrichtung: Thyssenkrupp wandelt sich vom klassischen Industriekonzern zur Finanzholding mit eigenständigen Beteiligungen. Bereits vor einem Jahr hatte der Konzern sein Marinegeschäft TKMS an die Börse gebracht — ein Schritt, der für die Anleger bislang wenig erfreulich verlief, notiert die TKMS-Aktie doch fast 30 Prozent unter ihrem Ausgabekurs.

Ein Geschäft mit starken Kursschwankungen

Der Materialhandel ist deutlich volatiler als andere Konzernsparten. Der bereinigte operative Gewinn des Materialhandels schwankte laut den vorliegenden Angaben zwischen minus 110 Millionen und plus 837 Millionen Euro. In den ersten neun Monaten stand netto ein Ergebnis zwischen minus 38 Millionen und plus 37 Millionen Euro zu Buche. Zum 30. Juni 2026 wies Accelis ein Eigenkapital von 2,7 Milliarden Euro aus, die Eigenkapitalquote lag bei 35 Prozent. Der Börsenwert von rund 1,9 Milliarden Euro liegt damit unter dem bilanziellen Eigenkapital.

Für das Geschäftsjahr 2026/27, das am 30. September endet, wird ein Umsatz von 34 Milliarden Euro prognostiziert. Banken erwarten einen Gewinn von gut 600 Millionen Euro. Accelis will sich vom reinen Stahlhandel zum Dienstleister für digitalisierte Lieferketten entwickeln und setzt dabei auf hochmargige Dienstleistungen sowie die gesamte Lieferkette aus einer Hand.

Das laufende Verlustjahr 2025/26 geht unterdessen auf Sonderausgaben der Restrukturierung zurück. Mehr als ein Drittel des Thyssenkrupp-Umsatzes könnte künftig auf Accelis entfallen. Für Privatanleger ist wichtig zu verstehen, dass der Materialhandel stark von Rohstoffpreisen sowie Transport- und Lagerkosten abhängt. Das Marinegeschäft ist wegen langfristiger Aufträge planbarer — ein Umstand, der für eine moderatere Bewertung der volatileren Accelis-Aktie spricht. Anleger sollten daher sowohl die Chancen der Neuausrichtung als auch die Schwankungsanfälligkeit des Werkstoffgeschäfts im Blick behalten.

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