Tharisa: Carol Bell neue Vorsitzende, Pouroulis wird Ehrenvorsitzender
Der Bergbaukonzern Tharisa stellt die Weichen an der Spitze: Carol Bell übernimmt den Aufsichtsratsvorsitz von Gründer Loucas Pouroulis.

Der in Johannesburg und London notierte Bergbau- und Metallkonzern Tharisa bekommt eine neue Führungsspitze. Carol Bell übernimmt zum 1. Oktober den Vorsitz des Aufsichtsrats und tritt damit die Nachfolge von Unternehmensgründer Loucas Pouroulis an. Pouroulis selbst wechselt zeitgleich in die neu geschaffene Rolle des Gründungsvorsitzenden a. D. (Chairperson Emeritus).
Mit der Personalie endet bei Tharisa ein strukturierter Succession-Prozess, wie das Unternehmen mitteilt. Der Wechsel soll die unabhängige Führung des Aufsichtsrats weiter stärken und das Executive-Team für die nächste Wachstumsphase der Gruppe aufstellen. Tharisa ist ein integrierter Produzent von Platingruppenmetallen (PGMs) und Chromkonzentraten.
Für deutsche Anleger ist die Nachricht vor allem deshalb relevant, weil der Konzern an der Johannesburger Börse (JSE) und der Londoner Börse (LSE) gelistet ist und zu den größeren Akteuren im südafrikanischen Chrom- und PGM-Sektor zählt. Ein Führungswechsel an der Aufsichtsratsspitze ist für die langfristige Ausrichtung eines Rohstoffunternehmens ein wichtiges Signal.
Die Details
Loucas Pouroulis ist seit mehr als sechs Jahrzehnten in der südafrikanischen Bergbaubranche tätig. Sein Beitrag zur Chrombranche wurde bereits 2019 gewürdigt, als er beim South African Chrome Industry Dinner and Awards Ceremony den Lifetime Award erhielt. Unter seiner Führung entwickelte sich Tharisa von einem Greenfield-Projekt zu einem großskaligen, integrierten Produzenten von PGM- und Chromkonzentraten. Das Unternehmen wurde 2014 an der JSE und 2016 an der LSE notiert.
Seine Führung prägte nach Angaben des Konzerns das integrierte Mine-to-Market-Modell der Gruppe, die Entwicklung der Tharisa-Mine am westlichen Rand des Bushveld-Komplexes in Südafrika sowie die Expansion vom südafrikanischen Einzelunternehmen zu einer multi-asset-, multi-jurisdiktionalen Bergbaugruppe.
Neben dem Vorsitzwechsel gibt es weitere Personalien: Der nicht-executive Director David Salter übernimmt ab dem 1. Oktober die Rolle des stellvertretenden Vorsitzenden (Deputy Chairperson). COO Michelle Taylor wurde zum Chief Corporate and Commercial Officer ernannt, während Tharisa Minerals Operations Executive Roy Murley zum COO bestellt wurde. CEO des Konzerns bleibt Phoevos Pouroulis.
Zu seinem Abschied sagte Loucas Pouroulis: „Den Aufbau von Tharisa von einem Greenfield-Projekt zu einem integrierten, generationenübergreifenden Produzenten von PGM- und Chromkonzentraten war eines der großen Privilegien meiner Karriere.“ Er betonte, die Reise im südafrikanischen Bergbau setze sich fort und sei stets von dem Glauben getragen gewesen, mineralische Ressourcen mit ungenutztem Potenzial zu identifizieren, kompetente Teams aufzubauen und um sie herum beständige Unternehmen zu schaffen. Die Sicherung von Karo Platinum in Simbabwe positioniere Tharisa als multi-asset-, multi-jurisdiktionale Gruppe für kommende Generationen.
Zur Nachfolge sagte der scheidende Vorsitzende: „Gute Corporate Governance bedeutet, die Nachfolgeplanung lange vor deren Bedarf zu treffen, und ich freue mich sehr, den Vorsitz an Carol übergeben zu können, die diesen Aufsichtsrat und dieses Geschäft tiefgreifend kennt.“ Er bleibe Tharisa voll und ganz verpflichtet und werde Bell, CEO Phoevos Pouroulis und das Team als Gründungsvorsitzender a. D. unterstützen.
Carol Bell erklärte ihrerseits: „Ich bin geehrt, gebeten worden, den Vorsitz bei Tharisa zu übernehmen und auf Loucas zu folgen, dessen Vision das Unternehmen erschaffen hat.“ Tharisa verfüge über eine langfristige Asset-Basis, einen klaren Wachstumspipeline und ein starkes Executive-Team. Ihre Priorität sei es, einen Aufsichtsrat zu führen, der höchste Governance-Standards einhält, und das Management dabei zu unterstützen, den Übergang zum Untertagebau an der Tharisa-Mine umzusetzen und Karo Platinum nachhaltig in Produktion zu bringen. Ziel sei es, langfristigen Wert für alle Stakeholder zu schaffen.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 07.05.2026 berichtete aktien.news, dass Tharisa einen Fünfjahresvertrag mit dem Untertagebau-Spezialisten Cementation Africa unterzeichnet hat. Die Vereinbarung umfasst die Erschließungs- und Bauarbeiten für den Untertagebau in der Tharisa-Chrom- und Platingruppenmetall-Mine nahe Rustenburg in der südafrikanischen Provinz Nordwest. Der Vertrag markiert einen bedeutenden Meilenstein im strategischen Übergang des Unternehmens vom Tagebau zum Untertagebau.
Wie damals berichtet wurde, unterscheidet sich die Vertragsstruktur bewusst von klassischen Bergbauverträgen: Statt eines traditionellen, ratenbasierten Risikotransfermodells setzt die Vereinbarung auf ein sogenanntes Allianz-Vertragsmodell. Dieser Hintergrund ist für die aktuelle Personalentscheidung von Bedeutung, denn die neue Vorsitzende Carol Bell nennt den Übergang zum Untertagebau an der Tharisa-Mine ausdrücklich als eine ihrer Prioritäten.
Auch im weiteren Branchenumfeld gab es zuletzt Bewegung. Am 23.09.2026 meldete aktien.news, dass der südafrikanische Platinproduzent Impala Rustenburg mit zwei Ernennungen erstmals Frauen in bislang männlich besetzte operative Schlüsselrollen brachte. Solche Personalien zeigen, dass der südafrikanische Bergbausektor derzeit insgesamt seine Führungsebenen neu aufstellt.
Was das für Anleger bedeutet
Für Privatanleger ist der Wechsel an der Spitze des Aufsichtsrats vor allem ein Governance-Thema. Unternehmen mit einer klaren Nachfolgeplanung gelten an den Kapitalmärkten häufig als verlässlicher, weil sie die Kontinuität der strategischen Ausrichtung auch bei einem Führungswechsel sicherstellen. Bei Tharisa war dieser Prozess nach Unternehmensangaben strukturiert und langfristig angelegt.
Inhaltlich richtet die neue Vorsitzende den Blick auf zwei konkrete Projekte: den Übergang zum Untertagebau an der Tharisa-Mine sowie die nachhaltige Inbetriebnahme von Karo Platinum in Simbabwe. Beide Vorhaben sind im Quelltext als zentrale Elemente der künftigen Wertschöpfung benannt. Anleger sollten beachten, dass sowohl der Untertagebau als auch die Aufnahme eines Neubauprojekts in Produktion typischerweise mit erheblichen Investitionen und operativen Risiken verbunden sind.
Der Konzern betont zugleich die unabhängige Führung des Aufsichtsrats. Mit David Salter als stellvertretendem Vorsitzenden und Carol Bell als Vorsitzender rücken zwei nicht-exekutive Persönlichkeiten in zentrale Kontrollfunktionen. Auf der operativen Ebene bleibt das Team um CEO Phoevos Pouroulis im Amt, ergänzt durch die neuen Aufgaben von Michelle Taylor und Roy Murley.
Ausblick
Sämtliche genannten Veränderungen treten zum 1. Oktober in Kraft. Loucas Pouroulis bleibt dem Unternehmen nach eigenen Angaben als Gründungsvorsitzender a. D. verbunden und will die neue Vorsitzende sowie das Management unterstützen. Als zentrale Aufgaben der kommenden Zeit nennt Carol Bell den Übergang zum Untertagebau an der Tharisa-Mine und die nachhaltige Inbetriebnahme von Karo Platinum in Simbabwe. Weitere Termine oder konkrete Zeitpläne für diese Projekte werden im vorliegenden Bericht nicht genannt.
Kurz erklärt
- Chairperson Emeritus: Ein Ehrentitel für einen ausgeschiedenen Vorsitzenden, der dem Unternehmen in repräsentativer oder beratender Funktion verbunden bleibt.
- Greenfield-Projekt: Ein Bergbauvorhaben, das vollständig neu auf der grünen Wiese entwickelt wird und noch über keine bestehende Infrastruktur verfügt.
- Platingruppenmetalle (PGMs): Eine Gruppe seltener Metalle wie Platin und Palladium, die unter anderem in der Autoindustrie und der Chemie eingesetzt werden.
- Corporate Governance: Die Regeln und Strukturen, nach denen ein Unternehmen geführt, kontrolliert und gegenüber seinen Eigentümern rechenschaftspflichtig ist.
