Südkorea drängt auf Trump-Gipfel mit Nordkorea und sieht Chance für Frieden
Präsident Lee wirbt bei UN für Dialog zwischen Washington und Pjöngjang.
Südkoreas Präsident Lee Jae Myung hat vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York eindringlich für ein Gipfeltreffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Führer Kim Jong Un geworben. Die Entschlossenheit Trumps, sich mit Kim zu treffen, bezeichnete Lee als „eine hart erkämpfte Chance für Wandel". Er hoffe, dass der „lange unterbrochene Dialog" zwischen Pjöngjang und Washington wieder aufgenommen werde.
Trump hatte zuvor erklärt, er plane, Kim „später in diesem Jahr" zu treffen. Allerdings war unklar, ob tatsächlich ein konkretes Treffen geplant ist. Kim Yo Jong, die einflussreiche Schwester von Kim Jong Un, erklärte, sie wisse nichts von einer Kommunikation zwischen den beiden Führungspersönlichkeiten. Trump war in seiner ersten Amtszeit bereits dreimal mit Kim zusammengetroffen, unter anderem in Singapur und Vietnam. Fortschritte bei der Denuklearisierung der Koreanischen Halbinsel konnten damals jedoch nicht erzielt werden.
Die Details
Nord- und Südkorea befinden sich formal immer noch im Kriegszustand, da der Koreakrieg 1953 lediglich mit einem Waffenstillstand und nicht mit einem Friedensvertrag endete. Vor diesem Hintergrund strebt Seoul an, zunächst weitere Fortschritte in Nordkoreas Nuklear- und Raketenfähigkeiten zu stoppen. Darauf folge mittelfristig eine Reduzierung solcher Fähigkeiten im Norden, bevor man „langfristig auf eine kernwaffenfreie Koreanische Halbinsel" zusteuere, so Lee.
Bei einem späteren Gipfeltreffen mit Trump am Rande der UN-Generalversammlung diskutierte Lee Berichten zufolge über strategische Investitionsprojekte zwischen den beiden Ländern. Seoul hatte sich im Rahmen des Handelsabkommens mit Washington vom Vorjahr verpflichtet, 350 Milliarden Dollar in die USA zu investieren. Die beiden Führer versprachen zudem, die Zusammenarbeit in Bereichen wie Nuklear-U-Boot-Brennstoff, Wiederaufarbeitung, Schiffbau und den Übergang der operativen Kontrolle im Kriegsfall zu vertiefen, wie der nationale Sicherheitsberater Wi Sung-lac mitteilte.
Wi sagte gegenüber südkoreanischen Medien: „Präsident Trump hat seine Bereitschaft zur Aufnahme eines Dialogs mit Nordkorea erneut bekräftigt."
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 21. Januar 2026 berichtete aktien.news, dass sich Südkoreas Präsident Lee optimistisch zur Entwicklung der heimischen Währung und des Aktienmarktes geäußert hatte. In einer Pressekonferenz prognostizierte er damals eine Aufwertung des Won und sah weiteres Potenzial für den bereits stark gestiegenen Aktienindex KOSPI.
Am 27. Januar 2026 folgte eine deutliche Verschärfung der Handelspolitik: US-Präsident Trump drohte Südkorea mit höheren Zöllen, weil das südkoreanische Parlament einem bereits ausgehandelten Handelsabkommen nicht zugestimmt hatte. Die Zölle auf südkoreanische Waren stiegen daraufhin von 15 auf 25 Prozent. Betroffen waren unter anderem Automobile, Holzprodukte und Pharmazeutika. Trump hatte im Juli 2025 mit Lee eine grundsätzliche Einigung erzielt, wonach Südkorea massive Investitionen in Höhe von 350 Milliarden Dollar in US-Geschäftsprojekte tätigen sollte.
Am 6. Mai 2026 signalisierte Seoul eine abwartende Haltung gegenüber Trumps Initiative „Project Freedom". Das südkoreanische Blaue Haus stellte klar, dass eine Prüfung des US-Aufrufs zur Teilnahme zum damaligen Zeitpunkt nicht für notwendig erachtet werde.
Was das für Anleger bedeutet
Die aktuellen diplomatischen Bemühungen Lees finden vor dem Hintergrund eines angespannten Handelsverhältnisses zwischen Seoul und Washington statt. Die Zollerhöhungen vom Januar 2026 belasten die südkoreanische Exportwirtschaft, während gleichzeitig die zugesagten Investitionen in Höhe von 350 Milliarden Dollar in die USA noch nicht vollständig umgesetzt sind. Ein möglicher Gipfel zwischen Trump und Kim könnte die geopolitischen Risiken auf der Koreanischen Halbinsel kurzfristig reduzieren, was sich positiv auf die Stimmung an den asiatischen Märkten auswirken könnte.
Allerdings bleibt die entscheidende Hürde bestehen: Das Ziel der Denuklearisierung Pjöngjangs dürfte schwer zu erreichen sein. Kim Yo Jong bezeichnete in einer Erklärung letzte Woche den nuklearen Status Nordkoreas als „absolut". Sie stellte klar: „Wenn sie glauben, dass es [die Denuklearisierung] wirklich möglich ist, werden sie als Idioten bezeichnet, die nichts von der Welt verstehen." Das Nukleararsenal Pjöngjangs „leistet einen erheblichen Beitrag zur Abschreckung der empörenden Handlungen internationaler Schurken", so Kim Yo Jong weiter.
Ausblick
Ob ein Gipfeltreffen zwischen Trump und Kim tatsächlich zustande kommt, bleibt ungewiss. Trump hatte erklärt, er plane ein Treffen „später in diesem Jahr", doch Kim Yo Jong dementierte jegliche Kommunikation zwischen den beiden Führern. Sollte der Dialog wieder aufgenommen werden, verfolgt Seoul eine mehrstufige Strategie: kurzfristig das Stoppen weiterer Fortschritte in Nordkoreas Nuklear- und Raketenfähigkeiten, mittelfristig eine Reduzierung dieser Fähigkeiten und langfristig das Ziel einer kernwaffenfreien Koreanischen Halbinsel.
Kurz erklärt
- Denuklearisierung: Der Prozess der Beseitigung oder Reduzierung von Atomwaffen und der dazugehörigen Infrastruktur in einer Region oder einem Staat.
- Waffenstillstand: Eine vorübergehende oder dauerhafte Vereinbarung zwischen Konfliktparteien, Kampfhandlungen einzustellen, ohne dass ein formeller Friedensvertrag geschlossen wird.
- KOSPI: Der Korea Composite Stock Price Index ist der wichtigste Aktienindex Südkoreas und bildet die Kursentwicklung aller an der Börse Seoul notierten Unternehmen ab.
