Südafrikas Minister mahnt: Kraftstoffpreise sind Kriegsfolge, keine Regierungsschuld
Gwede Mantashe appelliert auf der Joburg Indaba an Solidarität und erklärt hohe Spritpreise mit dem Nahostkrieg.

Südafrikas Minister für Bodenschätze und Erdöl, Gwede Mantashe, hat die Bevölkerung seines Landes aufgerufen, gemeinsam gegen die wirtschaftlichen Folgen hoher Kraftstoffpreise vorzugehen. In seiner Abschlussrede auf der dieswöchigen Joburg Indaba in Johannesburg machte er deutlich, dass die Preisexplosion an den Zapfsäulen eine direkte Folge des Krieges im Nahen Osten sei – und keine Entwicklung, die die südafrikanische Regierung zu verantworten habe.
Mantashe reagierte damit auf eine breite öffentliche Debatte, in der die Regierung für die gestiegenen Kraftstoffkosten verantwortlich gemacht wird. Er berichtete, er verfolge täglich Dutzende WhatsApp-Gruppendiskussionen, in denen genau das geschehe. „Ich verfolge das jeden Tag, und die Leute geben der Regierung die Schuld am Kraftstoffpreis. Ich habe den Mitgliedern meiner Partei gesagt: Übernehmt keine Verantwortung für etwas, das nicht in eurer Hand liegt", sagte Mantashe auf der von Mining Weekly begleiteten Veranstaltung.
Der Minister betonte, dass der Ölpreis maßgeblich von der geopolitischen Lage im Nahen Osten abhänge. Insbesondere verwies er auf die Straße von Hormus als strategisch entscheidenden Punkt für den globalen Ölhandel. „Wir müssen anerkennen, dass der Kraftstoffpreis eine Funktion des Krieges im Nahen Osten ist, und das ist kein lokaler Krieg. Die Straße von Hormus befindet sich dort, und jedes Mal, wenn ein Barrel Öl mehr als $100 kostet, muss man wissen, dass wir das an der Zapfsäule spüren werden", erklärte er.
Die Details: Preisabfederung ja – aber kein Rechtsanspruch
Mantashe sprach sich grundsätzlich dafür aus, dass die Regierung die Auswirkungen der hohen Kraftstoffpreise auf die Bevölkerung abfedert. Er wies darauf hin, dass dies bereits seit dem Russland-Ukraine-Konflikt praktiziert werde und auch im Kontext des aktuellen Nahostkrieges geschehe. Dabei unterstrich er jedoch eine wichtige Einschränkung: Eine solche Preisabfederung dürfe nicht als Rechtsanspruch der Bürger missverstanden werden, sondern sei eine freiwillige Maßnahme des Staates aus Mitgefühl.
„Sobald daraus ein Anspruchsdenken wird, begeben wir uns auf einen sehr gefährlichen Weg, weil dann alles zu einem Recht wird", warnte Mantashe in Richtung von Joburg-Indaba-Vorsitzendem Bernard Swanepoel. Er machte deutlich, dass jeder Rand, der für die Kraftstoffabfederung aus dem Staatshaushalt entnommen werde, an anderer Stelle fehle. Die Haushaltsdisziplin sei dabei ein zentrales Thema: Mantashe beschrieb plastisch, wie er beim Finanzminister – den er als „relativ schwierigen Minister" bezeichnete – für Anpassungen bei der Kraftstoffabgabe werben müsse.
Neben dem reinen Ölpreis wies der Minister auch auf den Einfluss des Wechselkurses zwischen dem südafrikanischen Rand und dem US-Dollar hin. Da Öl in Dollar gehandelt wird, wirkt sich eine Schwäche des Rand unmittelbar auf die inländischen Kraftstoffpreise aus – ein Faktor, der bei Forderungen nach staatlicher Entlastung ebenfalls berücksichtigt werden müsse.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuellen Aussagen Mantashes stehen in einem breiteren wirtschaftlichen Kontext, über den aktien.news bereits mehrfach berichtet hat. Bereits am 22.04.2026 warnte die südafrikanische Zentralbank (South African Reserve Bank, SARB) vor erheblichen Aufwärtsrisiken für die Inflation des Landes. Als Hauptursache nannte die Bank den anhaltenden Nahostkonflikt, der die Energiepreise unter Druck setzt. Für das laufende Jahr prognostizierte die SARB eine durchschnittliche Gesamtinflation von 3,7 Prozent.
Am 04.07.2026 berichtete aktien.news, dass der Kostendruck im südafrikanischen Bergbausektor sich erheblich verschärft hatte. Der Mining Composite Input (MCI) Cost Index – der zentrale Maßstab für Produktionskosten im südafrikanischen Bergbau – stieg im Jahresvergleich auf 5,3 Prozent, nach einem revidierten Wert von 2,8 Prozent im April. Als Hintergrund nannte der Minerals Council South Africa ebenfalls den Konflikt im Nahen Osten.
Am 05.08.2026 berichtete aktien.news zudem, dass Sasol, der weltweit größte Produzent von Kraftstoffen aus Kohle, vom Anstieg der Kraftstoffpreise infolge des Nahostkonflikts profitiert. Gleichzeitig spielt das Unternehmen laut CEO Simon Baloyi eine Schlüsselrolle dabei, den südafrikanischen Heimatmarkt vor dem Versorgungsschock zu schützen.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger, die in südafrikanische Bergbau- oder Energiewerte investiert sind oder dies erwägen, liefert Mantashes Rede wichtige Einblicke in die politische Risikolage. Die südafrikanische Regierung signalisiert zwar Bereitschaft zur Preisabfederung, macht aber gleichzeitig deutlich, dass fiskalische Spielräume begrenzt sind. Jede staatliche Entlastungsmaßnahme geht zulasten anderer Haushaltsposten – was die Haushaltsstabilität des Landes belasten kann.
Der Verweis auf den Rand-Dollar-Wechselkurs ist für internationale Anleger besonders relevant: Eine anhaltende Schwäche des Rand erhöht nicht nur die inländischen Kraftstoffkosten, sondern beeinflusst auch die in Dollar oder Euro gerechneten Renditen südafrikanischer Investments. Der gestiegene MCI Cost Index im Bergbausektor – von 2,8 auf 5,3 Prozent im Jahresvergleich – zeigt, dass die Energiekosten bereits jetzt die Produktionskosten der Branche spürbar belasten.
Ausblick
Mantashe hat angekündigt, weiterhin beim Finanzminister für Anpassungen bei der Kraftstoffabgabe zu werben. Konkrete Termine oder Entscheidungen wurden auf der Joburg Indaba nicht genannt. Die Regierung setzt darauf, dass die Bevölkerung die externen Ursachen der Kraftstoffpreise versteht und akzeptiert, dass staatliche Entlastungsmaßnahmen keine dauerhaften Rechtsansprüche begründen. Wie weit der fiskalische Spielraum tatsächlich reicht, bleibt von der weiteren Entwicklung des Nahostkonflikts und des globalen Ölpreises abhängig.
Kurz erklärt
- Straße von Hormus: Eine strategisch bedeutende Meerenge im Nahen Osten, durch die ein großer Teil des weltweit gehandelten Erdöls transportiert wird.
- MCI Cost Index: Ein Kennwert, der die Entwicklung der Produktionskosten im südafrikanischen Bergbausektor misst.
- Kraftstoffabgabe: Eine staatliche Steuer oder Abgabe auf Kraftstoffe, die von der Regierung angepasst werden kann, um den Endpreis an der Zapfsäule zu beeinflussen.
