Ghana überarbeitet Bergbaugesetz: Konzessionslaufzeit auf 20 Jahre festgelegt
Ghana korrigiert seinen umstrittenen Bergbaugesetzentwurf und stellt eine maximale Konzessionslaufzeit von 20 Jahren wieder her.

Ghana plant, den derzeit im Parlament vorliegenden Entwurf des neuen Bergbaugesetzes durch eine überarbeitete Fassung zu ersetzen. Das berichten drei mit der Angelegenheit vertraute Personen gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Die neue Version soll eine maximale Laufzeit für Bergbaukonzessionen von 20 Jahren festschreiben und damit Bestimmungen präzisieren, die in der Bergbaubranche erhebliche Bedenken ausgelöst hatten.
Der ursprüngliche Entwurf des sogenannten Minerals and Mining Bill 2026 hatte für Aufsehen gesorgt: Er sah vor, neue Bergbaupachten auf lediglich 15 Jahre oder die voraussichtliche Lebensdauer der Mine zu begrenzen – je nachdem, welcher Zeitraum kürzer ist. Nach dem derzeit geltenden Recht sind Laufzeiten von bis zu 30 Jahren möglich. Diese drastische Verkürzung hatte bei internationalen Bergbauunternehmen, die in Ghana aktiv sind, Alarm ausgelöst.
Die Details
Zwei hochrangige Regierungsvertreter und ein Manager aus der Bergbaubranche bestätigten gegenüber Reuters, dass der überarbeitete Gesetzentwurf die umstrittene 15-Jahres-Regelung durch eine maximale Laufzeit von 20 Jahren ersetzen wird. Diese Position hatte der ghanaische Bergbauminister bereits im Juli öffentlich vertreten. Ein Beamter des Bergbauministeriums räumte gegenüber Reuters ein: „Es gab einen Fehler in dem Dokument, das letztlich an das Parlament ging, und dieser wird korrigiert." Der Beamte sprach unter der Bedingung der Anonymität, da er nicht befugt war, sich öffentlich zu äußern.
Neben der Pachtdauer enthielt der ursprüngliche Entwurf eine weitere kontroverse Bestimmung: Der zuständige Minister sollte die Befugnis erhalten, von Bergbauunternehmen die Ausgabe einer sogenannten Sonderaktie an den Staat zu verlangen. Die Ghana Chamber of Mines – die Bergbaukammer des Landes – stellte dazu klar, dass diese Befugnis bereits unter dem Minerals and Mining Act von 2006 existiert und weitgehend in den neuen Gesetzentwurf übernommen wird. Allerdings sieht der neue Entwurf härtere Strafen bei Nichteinhaltung vor.
Ken Ashigbey, Geschäftsführer der Ghana Chamber of Mines, erklärte, dass Gespräche mit den Behörden zu „guten Kompromisslösungen" geführt hätten. Als Beispiel nannte er ausdrücklich die vorgeschlagene 20-jährige Pachtlaufzeit. Ashigbey fügte hinzu, dass verbleibende offene Fragen direkt mit dem Parlament geklärt werden sollen. Das Bergbauministerium sowie die Minerals Commission reagierten auf Anfragen von Reuters zunächst nicht.
Hintergrund: Was bisher geschah
Der Konflikt um Bergbaugesetze ist kein isoliertes ghanaisches Phänomen, sondern Teil einer breiteren Debatte in Westafrika. Bereits am 25. Juli 2026 berichtete aktien.news, dass Malis industrielle Goldproduktion laut einem Plan des dortigen Bergbauministeriums bis zum Jahr 2029 jährlich unter 60 Tonnen bleiben wird. Hintergrund ist ein überarbeitetes Bergbaugesetz aus dem Jahr 2023, mit dem Mali die staatliche Kontrolle über den Sektor deutlich verschärft hatte, um die Staatseinnahmen zu steigern. Eine staatliche Prüfung ergab dabei Nachzahlungsforderungen in Höhe von 761 Milliarden CFA-Francs.
Am 10. Juli 2026 berichtete aktien.news zudem, dass Burkina Faso dem staatlichen Bergbauunternehmen SOPAMIB eine industrielle Abbaugenehmigung für das Goldprojekt Bouboulou erteilt hat. Bergbauminister Yacouba Zabre Gouba bezeichnete das Vorhaben als eine „Revolution" und klaren Bruch mit dem bisherigen Modell, bei dem die Erschließung von Minen weitgehend privaten Unternehmen überlassen wurde. Diese Entwicklungen zeigen: Mehrere westafrikanische Staaten versuchen derzeit, ihren Anteil an den Erträgen aus dem Rohstoffsektor zu erhöhen – mit unterschiedlichen Methoden und unterschiedlichem Erfolg.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger, die in Bergbauunternehmen mit Aktivitäten in Ghana investiert sind oder dies erwägen, liefert die Entwicklung wichtige Signale. Die Bereitschaft der ghanaischen Regierung, auf Industriebedenken einzugehen und einen fehlerhaften Gesetzentwurf zu korrigieren, deutet auf einen konstruktiveren Dialog zwischen Staat und Bergbausektor hin als in einigen Nachbarländern. Eine Konzessionslaufzeit von 20 Jahren bietet Unternehmen eine längere Planungssicherheit als die ursprünglich vorgesehenen 15 Jahre – wenngleich sie kürzer ist als die bisher möglichen 30 Jahre.
Die Beibehaltung der Sonderaktien-Regelung mit verschärften Strafen zeigt jedoch, dass Ghana den staatlichen Einfluss auf den Bergbausektor ebenfalls ausbauen möchte. Anleger sollten beachten, dass der überarbeitete Gesetzentwurf noch nicht offiziell eingebracht wurde und der genaue Zeitplan unklar ist. Investitionsentscheidungen sollten daher den weiteren Gesetzgebungsprozess berücksichtigen.
Ausblick
Einen konkreten Zeitplan für die Einbringung des überarbeiteten Gesetzentwurfs nannten die Quellen gegenüber Reuters nicht. Bekannt ist lediglich, dass der aktuelle, fehlerhafte Entwurf durch die überarbeitete Fassung ersetzt werden soll. Ken Ashigbey von der Ghana Chamber of Mines kündigte an, dass verbleibende offene Fragen im direkten Dialog mit dem Parlament geklärt werden. Ob und wann das Bergbauministerium oder die Minerals Commission eine offizielle Stellungnahme abgeben werden, ist derzeit offen.
Kurz erklärt
- Bergbaukonzession: Staatlich erteilte Genehmigung, die einem Unternehmen das Recht zum Abbau von Bodenschätzen in einem bestimmten Gebiet für einen festgelegten Zeitraum gewährt.
- Sonderaktie (Special Share): Ein staatliches Beteiligungsinstrument, das der Regierung besondere Mitspracherechte in einem Unternehmen sichert, unabhängig von der regulären Aktionärsstruktur.
- Minerals Commission: Eine staatliche Behörde in Ghana, die für die Regulierung, Verwaltung und Kontrolle des Bergbausektors zuständig ist.
