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Steigende Düngemittelpreise bedrohen weltweite Lebensmittelversorgung und Inflation

Nahost-Konflikt und Schließung der Straße von Hormus treiben Harnstoffpreise um über 50 Prozent in die Höhe.

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Steigende Düngemittelpreise bedrohen weltweite Lebensmittelversorgung und Inflation

Ein massiver Preisanstieg bei Stickstoffdüngern versetzt Ökonomen und Agrarmärkte weltweit in Alarmbereitschaft. Ausgelöst durch den anhaltenden Konflikt im Nahen Osten und die Schließung der Straße von Hormus, sind die Harnstoffpreise um mehr als 50 Prozent gestiegen. Analysten von Capital Economics warnen nun vor einer drohenden zweiten Welle der Lebensmittelinflation.

Im Gegensatz zum unmittelbaren Preisschock nach Beginn des Ukraine-Krieges werden die Auswirkungen diesmal allmählicher eintreten. Dennoch könnten sie für einkommensschwache Länder unverhältnismäßig schwerwiegend sein. Zwar bleibt der direkte Energiepreisschock die Hauptsorge der Märkte, doch die steigenden Kosten für landwirtschaftliche Betriebsmittel drohen, die weltweiten Lebensmittelpreise in den nächsten 15 Monaten nach oben zu treiben.

Warum Stickstoffdünger so stark betroffen sind

Die Produktion von Stickstoffdüngern ist äußerst energieintensiv und hängt stark von Erdgas ab. Rund 15 Prozent des weltweiten Angebots stammen aus dem Nahen Osten – eine Region, die durch die aktuelle Seeblockade besonders hart getroffen wird. Die eingeschränkten Exporte haben die Harnstoffpreise in die Höhe getrieben, und selbst bei einer Wiederaufnahme des Schiffsverkehrs dürfte sich die Produktion aufgrund beschädigter Infrastruktur an wichtigen Knotenpunkten nur schwer schnell normalisieren.

Für deutsche und europäische Verbraucher ist das eine beunruhigende Nachricht: Düngemittel sind ein zentraler Kostenfaktor in der Landwirtschaft. Steigen ihre Preise, verteuern sich mittelfristig auch Grundnahrungsmittel wie Getreide, Gemüse und Fleisch.

Schwellenländer tragen das größte Risiko

Während die makroökonomischen Auswirkungen auf das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in entwickelten Volkswirtschaften voraussichtlich gering bleiben, ist das Risikoprofil für einkommensschwache Nationen in Subsahara-Afrika und Südasien deutlich gravierender. In diesen Regionen macht die Landwirtschaft einen hohen Anteil des BIP aus. Bereits geringfügige Rückgänge der Ernteerträge können dort zu einer erheblichen wirtschaftlichen Kontraktion führen.

Mehrere große globale Produzenten sind für die laufende Saison jedoch relativ gut geschützt. Dies könnte als Puffer gegen einen breiteren systemischen Versorgungsausfall dienen und die schlimmsten Szenarien abmildern.

Inflationsgipfel erst in mehr als einem Jahr erwartet

Die inflationären Auswirkungen des Düngemittelschocks werden nicht sofort spürbar sein. Aufgrund von Aussaatzyklen und dem Abbau bestehender Lagerbestände gehen Analysten davon aus, dass der Höchststand der Auswirkungen auf die Gesamtinflation erst in mehr als einem Jahr erreicht wird.

Capital Economics rechnet in seinem Basisszenario damit, dass die Lebensmittelinflation im Vereinigten Königreich bis 2027 auf über 6 Prozent steigen könnte. In den USA und der Eurozone werden Spitzenwerte nahe 4 Prozent für möglich gehalten. Diese Zahlen liegen zwar deutlich unter den zweistelligen Spitzenwerten des Jahres 2022, sind aber dennoch ein klares Signal für anhaltenden Preisdruck bei Lebensmitteln.

Für Verbraucher und Anleger bedeutet das: Die Nachwirkungen des Nahost-Konflikts werden sich nicht nur an den Energiemärkten, sondern auch an den Supermarktkassen bemerkbar machen – wenn auch mit zeitlicher Verzögerung.

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