St. James's Place stürzt ab: KI bedroht Vermögensverwalter
Britischer FTSE-100-Konzern verliert 13 Prozent nach Vorstellung eines KI-Steuerplanungstools durch US-Fintech Altruist.

Die Aktien des britischen Vermögensverwalters St. James's Place sind am Mittwoch um 13,25 Prozent auf 12,57 Pfund eingebrochen. Der im FTSE 100 gelistete Konzern verzeichnete damit den größten Kursverlust seit Februar 2024 und landete auf dem vorletzten Platz im Stoxx Europe 600 Index. Auslöser war die Ankündigung eines KI-gestützten Steuerplanungstools durch das US-Finanztechnologieunternehmen Altruist am Vortag.
Das neue Tool des Start-ups kann laut Unternehmensangaben Steuererklärungen und Gehaltsabrechnungen ohne manuelles Eingreifen analysieren. Finanzberater sollen damit in der Lage sein, innerhalb weniger Minuten vollständig personalisierte Steuerstrategien zu erstellen. Die Technologie weckt bei Anlegern die Sorge, dass künstliche Intelligenz den Bedarf an menschlichen Finanzberatern deutlich reduzieren könnte.
Für Vermögensverwalter wie St. James's Place stellt dies eine direkte Bedrohung dar, da Beratungsgebühren eine zentrale Einnahmequelle darstellen. Die Branche gerät damit als jüngster Sektor unter den Druck KI-gestützter Konkurrenz – ähnlich wie zuvor bereits Datenanbieter und Softwareunternehmen, deren Aktien in der vergangenen Woche ebenfalls unter KI-Sorgen litten.
Breite Verluste bei britischen Vermögensverwaltern
Der Kursrutsch blieb nicht auf St. James's Place beschränkt. Auch andere britische Vermögensverwalter mussten deutliche Verluste hinnehmen: AJ Bell fiel um 4,7 Prozent, Quilter verlor 5,2 Prozent und die Rathbones Group gab um 2,7 Prozent nach. Die Nervosität erfasste auch kontinentaleuropäische Institute.
Der Schweizer Bankengigant UBS büßte 3,1 Prozent ein und setzte damit seinen schwierigen Jahresstart fort. Die Privatbank Julius Baer verzeichnete ein Minus von 4,2 Prozent. Die Marktteilnehmer wetten zunehmend darauf, dass KI-Innovationen die traditionelle Vermögensverwaltung grundlegend verändern und etablierte Geschäftsmodelle unter Druck setzen werden.
Die Entwicklung zeigt, dass die Finanzbranche die disruptive Kraft künstlicher Intelligenz ernst nimmt. Während Technologieunternehmen wie Altruist mit innovativen Lösungen in den Markt drängen, müssen sich etablierte Vermögensverwalter auf einen verschärften Wettbewerb und möglicherweise sinkende Margen einstellen.
