Nvidia im Oktober: Ein klarer Kaufgrund und ein Warnsignal
The Motley Fool sieht die Nvidia-Aktie im Oktober dank günstiger Bewertung als Kauf – warnt aber vor der Unsicherheit beim KI-Ausbau.

Die Nvidia-Aktie (Ticker NVDA) ist im Jahr 2026 bis zum 5. Oktober um 29 Prozent gestiegen. Damit setzt der US-Chiphersteller eine außergewöhnliche Erfolgsserie fort: In den vergangenen fünf Jahren legten die Kurse um mehr als 1.110 Prozent zu, das Unternehmen erreichte eine Marktkapitalisierung von 5,8 Billionen US-Dollar. Der US-Analysedienst The Motley Fool sieht für den Monat Oktober einen offensichtlichen Grund, warum die Aktie ein dringender Kauf ist – und zugleich einen Grund zur Vorsicht.
Der Kaufgrund ist die Bewertung. Die Aktien werden derzeit mit einem Forward-KGV von 24,9 gehandelt. Das ist der Preis, den der Markt für ein dominantes Unternehmen verlangt, das im jüngsten Geschäftsquartal ein Umsatz- und Gewinnwachstum von 106 Prozent beziehungsweise 126 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum verzeichnete. Dieses Quartal (Q2 2027) endete am 26. Juli.
Der Grund zur Vorsicht ist die Frage der Dauerhaftigkeit. Niemand hat nach Einschätzung von The Motley Fool auch nur eine Ahnung, wie lange der Boom beim Ausbau der KI-Infrastruktur anhalten wird. Die Dauerhaftigkeit sei die größte unbekannte Variable. Genau an dieser Stelle entscheidet sich, ob die aktuelle Bewertung Bestand hat.
Die Details
Der andauernde Ausbau der KI-Infrastruktur ist beispiellos. Als Maßstab nennt The Motley Fool die fünf großen Hyperscaler, die im Jahr 2027 voraussichtlich knapp 1 Billion US-Dollar an Investitionsausgaben erreichen werden. Nvidia hat finanziell am meisten von diesem Ausgabenanstieg profitiert.
Die Marktkapitalisierung von 5,8 Billionen US-Dollar macht Nvidia zum größten Unternehmen der Welt. Der Kursanstieg von 29 Prozent im laufenden Jahr bis zum 5. Oktober fällt dabei moderater aus als die mehr als 1.110 Prozent der vergangenen fünf Jahre. Das Wachstum im jüngsten Quartal fiel mit 106 Prozent beim Umsatz und 126 Prozent beim Gewinn deutlich höher aus, als das Forward-KGV von 24,9 auf den ersten Blick vermuten lässt.
Sollten die Hyperscaler keine angemessenen Renditen auf das eingesetzte Kapital erzielen, hätte das Auswirkungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Die Nachfrage nach Grafikkarten (GPUs) von Nvidia würde unter Druck geraten, was sich nachteilig auf den Aktienkurs auswirken würde. Der Markt ist nicht gnädig, wenn es um abschwächende Wachstumstrends geht.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 21.09.2026 berichtete aktien.news, dass The Motley Fool gleich drei gewichtige Gründe für einen Einstieg bei dem Chipriesen sah. Angeführt wurde die Liste von einer Bewertung, die trotz der jüngsten Kursgewinne alles andere als überteuert erscheine: Damals notierte die Nvidia-Aktie lediglich zum 14-fachen des bereinigten Gewinns für das kommende Geschäftsjahr. Die Fundamentaldaten des Konzerns verbesserten sich sogar noch schneller als der Aktienkurs.
Am 01.10.2026 meldete aktien.news, dass Nvidia im Jahr 2026 bislang rund 21 Prozent an Wert gewonnen hatte und die Aktie damit zwar den breiten Markt übertraf, für viele Aktionäre aber deutlich hinter den Renditen früherer Jahre zurückblieb. Nach Einschätzung von The Motley Fool könnte ausgerechnet der Oktober zum Monat werden, in dem sich die Stimmung dreht – der Grund liege in den kommenden Quartalszahlen, weil der Markt die massiven erwarteten Wachstumssprünge für Nvidia im Jahr 2027 bislang nicht in den Aktienkurs eingepreist habe.
Am 02.10.2026 berichtete aktien.news, dass die Wahl von The Motley Fool für den Monat Oktober auf Nvidia fiel. Begründet wurde dies damit, dass das Unternehmen trotz seiner Größe und seines Rufs als teure Aktie aktuell unterbewertet sei. Nvidia ist das größte Unternehmen der Welt.
Bereits am 14.06.2026 hatte aktien.news berichtet, dass Nvidia bei einem Marktwert von fast 5 Billionen US-Dollar rund 13 Prozent unter seinem Allzeithoch notierte und sich seit Monaten weitgehend seitwärts bewegte – selbst während der breitere Markt zulegte. Damals stellte sich für Anleger die Frage, ob sich hier eine Kaufgelegenheit bietet.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ergibt sich ein zweigeteiltes Bild. Auf der einen Seite steht eine Bewertung, die The Motley Fool im Oktober als nahezu selbsterklärende Kaufchance beschreibt. Auf der anderen Seite steht die Unsicherheit über die Dauer des KI-Ausbaus, die sich nicht auflösen lässt.
Die zentrale Kennzahl für die Einordnung ist das Forward-KGV von 24,9. Es setzt den aktuellen Kurs ins Verhältnis zu den erwarteten Gewinnen. Wer diese Kennzahl mit dem Wachstum im jüngsten Quartal vergleicht, erkennt den Kern des Arguments: Ein Unternehmen mit 106 Prozent Umsatz- und 126 Prozent Gewinnwachstum wird an der Börse zu einem Vielfachen gehandelt, das The Motley Fool als moderat einstuft.
Entscheidend ist aus Sicht der Analyse die Frage, ob die Hyperscaler mit ihren Investitionen angemessene Renditen erzielen. Bleibt der Erfolg aus, wirkt sich das über die gesamte Wertschöpfungskette aus – bis hin zur GPU-Nachfrage bei Nvidia. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten; die Abwägung zwischen Bewertung und Dauerhaftigkeitsrisiko bleibt eine individuelle Entscheidung.
Ausblick
The Motley Fool nennt keinen konkreten Zeitpunkt für das Ende des KI-Ausbaus. Als Erwartung steht im Raum, dass die fünf großen Hyperscaler im Jahr 2027 voraussichtlich knapp 1 Billion US-Dollar an Investitionsausgaben erreichen werden. Ob und wie lange dieser Trend anhält, bleibt die größte unbekannte Variable.
Bereits am 01.10.2026 hatte aktien.news auf die kommenden Quartalszahlen verwiesen, die zum Wendepunkt werden könnten, sobald die großen KI-Hyperscaler ihre Guidance für die Kapitalausgaben der Rechenzentren vorlegen. Der Markt hat die massiven erwarteten Wachstumssprünge für Nvidia im Jahr 2027 bislang nicht in den Aktienkurs eingepreist – das könnte sich mit den nächsten Zahlen ändern.
Kurz erklärt
- Forward-KGV: Bewertungskennzahl, die den aktuellen Aktienkurs ins Verhältnis zum erwarteten Gewinn je Aktie setzt.
- Hyperscaler: Große Cloud-Anbieter, die Rechenzentren in massivem Umfang betreiben und ausbauen.
- GPU: Grafikprozessor beziehungsweise Grafikkarte, der für das Training und den Betrieb von KI-Modellen eingesetzt wird.
