SpaceX vs. Micron: Welche KI-Aktie überzeugt die nächsten fünf Jahre?
Ein direkter Vergleich zweier beliebter KI-Aktien zeigt: SpaceX hat gegenüber Micron Technology klare strukturelle Vorteile.

Zwei Aktien dominieren derzeit die Diskussionen unter KI-Investoren: Space Exploration Technologies (SpaceX) und Micron Technology. Beide profitieren vom Boom rund um künstliche Intelligenz – doch bei näherer Betrachtung sticht SpaceX als der deutlich überzeugendere Kauf für die nächsten fünf Jahre hervor. Während Micron kurzfristig von einem Superzyklus bei Speicherchips profitiert, verfügt SpaceX über mehrere strukturell wachsende Geschäftsbereiche, die langfristig mehr Potenzial versprechen.
SpaceX ist längst mehr als ein Raumfahrtunternehmen. Das Unternehmen hat sich zu einem breit aufgestellten Technologiekonzern entwickelt, der Rechenzentrumsinfrastruktur vermietet, KI-Programmierung anbietet und mit Starlink ein profitables Satelliteninternetgeschäft betreibt. Genau diese Kombination macht die Aktie für langfristig orientierte Anleger besonders attraktiv.
Die Details
Im Bereich der Rechenzentrumsinfrastruktur erzielt SpaceX eine der besten Wirtschaftlichkeiten der gesamten Branche. Das Unternehmen vermietet überschüssige KI-Infrastrukturkapazität zu hohen Preisen und erzielt dabei innerhalb eines Jahres Renditen auf seine Ausgaben. Ein besonders prominentes Beispiel: Ein Leasingvertrag mit dem KI-Unternehmen Anthropic über 1,25 Milliarden US-Dollar pro Monat, der bis 2029 läuft und einen Gesamtwert von 84,5 Milliarden US-Dollar hat.
Beim Ausbau der Kapazitäten setzt SpaceX auf ein aggressives Tempo. Bis Ende 2026 plant das Unternehmen eine Gesamtkapazität von fast 2 Gigawatt, bis Ende 2027 soll der Wert näher an 10 Gigawatt als an 5 Gigawatt liegen. Diese Skalierung unterstreicht den Anspruch, zu einem der führenden Anbieter von KI-Infrastruktur weltweit zu werden.
Nach der Übernahme von Cursor erschließt SpaceX zudem den Markt für KI-gestützte Programmierung. Die Investmentbank Morgan Stanley sieht in diesem Segment bis 2030 ein Geschäft mit jährlich wiederkehrenden Umsätzen von 33 Milliarden US-Dollar – verglichen mit rund 8 Milliarden US-Dollar im laufenden Jahr. Das Starlink-Geschäft ergänzt das Portfolio: Es wächst schnell, ist profitabel und generiert wiederkehrende Umsätze.
CEO Elon Musk hat für SpaceX das ambitionierte Ziel eines Umsatzes von 1 Billion US-Dollar im Jahr 2030 ausgegeben. Der aktuelle Analystenkonsens liegt bei 421,7 Milliarden US-Dollar – deutlich darunter, aber bereits für sich genommen ein enormes Wachstumsszenario.
Micron Technology, einer der drei großen Hersteller von DRAM-Speicherchips, profitiert derzeit von einem Superzyklus. Die stark gestiegene KI-Nachfrage hat die Preise für Speicherchips in die Höhe getrieben, was Umsatz und Bruttomargen des Unternehmens deutlich verbessert hat. DRAM machte zuletzt 73 Prozent des Quartalsumsatzes aus, NAND (Flash-Speicher) den Rest – beide Segmente sind knapp, was die Preise stützt.
Ein besonders gefragtes Produkt ist High Bandwidth Memory (HBM), eine spezielle DRAM-Variante, die zusammen mit Grafikprozessoren (GPUs) verbaut wird. Ohne HBM können GPUs ihre volle Leistung nicht entfalten. Die drei großen DRAM-Hersteller – darunter Micron und Samsung sowie SK Hynix – investieren den Großteil ihrer Ressourcen in HBM, kommen aber kaum hinterher. Engpässe bei EUV-Lithografiemaschinen von ASML, dem einzigen Hersteller dieser Anlagen weltweit, sowie der hohe Waferverbrauch von HBM (mehr als das Dreifache gegenüber herkömmlichem DRAM) bremsen den Kapazitätsausbau.
Trotz der HBM-Euphorie unter Anlegern erzielt Micron nur einen geringen Anteil seines Umsatzes mit diesem Produkt – wahrscheinlich weniger als 10 Prozent. Der HBM-Marktanteil von Micron liegt bei rund 18 Prozent in einem Markt, der für 2026 auf etwa 55 Milliarden US-Dollar prognostiziert wird. Der eigentliche Treiber für Umsatz und Margen ist der Preisanstieg bei herkömmlichem DRAM und NAND – und genau hier liegt das Risiko.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 6. Juni 2026 berichtete aktien.news, dass die Micron-Aktie an einem einzigen Tag mehr als 13 Prozent an Wert verlor – der größte Tagesverlust seit April 2025 und der schlechteste Wert im gesamten S&P 500 an diesem Tag. Auslöser war der Quartalsbericht von Broadcom, dessen CEO das Umsatzziel für KI-Halbleiter nicht anhob, was eine sektorweite Neubewertung auslöste und Fragen aufwarf, ob die KI-Infrastrukturausgaben ein Plateau erreicht haben könnten.
Am 15. September 2026 berichtete aktien.news, dass Analysten Micron zu den vielversprechendsten Aktien des Jahres 2026 zählen und nach den Quartalszahlen vom 30. September eine deutliche Rallye mit neuen Allzeithochs erwarteten – das 52-Wochen-Hoch lag damals bei rund 1.250 US-Dollar.
Am 24. September 2026 meldete aktien.news, dass sich die Micron-Aktie im laufenden Jahr mehr als verdreifacht hatte und das 12-Monats-Mittelziel der Analysten bei 1.600 US-Dollar lag, was einem weiteren Anstieg von 46 Prozent gegenüber dem damaligen Niveau entsprochen hätte.
Für SpaceX berichtete aktien.news am 5. Oktober 2026, dass das Unternehmen über ein führendes KI-Geschäft, ein erfolgreiches Raketenstartgeschäft und das schnell wachsende Satelliteninternetunternehmen Starlink verfügt – und dass viele Anleger die Frage stellen, ob SpaceX die Aktie der nächsten Dekade sein könnte.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist der Vergleich zwischen SpaceX und Micron ein klassisches Abwägen zwischen Zyklizität und strukturellem Wachstum. Micron profitiert aktuell von einem Preiszyklus bei Speicherchips, der laut SK Hynix bis mindestens 2030 anhalten soll. Doch wenn und falls sich die Preise für herkömmliches DRAM und NAND normalisieren, könnte der Gewinn von Micron deutlich einbrechen – ein Risiko, das bei der aktuellen Bewertung nicht zu unterschätzen ist.
SpaceX hingegen baut auf mehreren wiederkehrenden Umsatzströmen auf: Rechenzentrumsvermietung, KI-Programmierung und Satelliteninternet. Diese Diversifikation macht das Unternehmen weniger anfällig für einzelne Marktzyklen. Obwohl Micron auf den ersten Blick zu einer günstigeren Bewertung gehandelt wird, spricht die langfristige Wachstumsstruktur für SpaceX.
Ausblick
SpaceX plant, bis Ende 2026 eine Gesamtkapazität von fast 2 Gigawatt aufzubauen und bis Ende 2027 in Richtung 10 Gigawatt zu skalieren. Der Leasingvertrag mit Anthropic läuft bis 2029. Morgan Stanley erwartet für das KI-Programmiersegment bis 2030 jährlich wiederkehrende Umsätze von 33 Milliarden US-Dollar. CEO Elon Musk hat als Ziel für 2030 einen Gesamtumsatz von 1 Billion US-Dollar ausgegeben. Weitere potenzielle Wachstumstreiber sind Fortschritte bei der Starship-Rakete sowie künftige Pläne zur Stationierung von Rechenzentren im Weltraum.
Für Micron bleibt das Angebot-Nachfrage-Ungleichgewicht im DRAM-Markt laut SK Hynix voraussichtlich bis mindestens 2030 bestehen. Der HBM-Markt wird für 2026 auf rund 55 Milliarden US-Dollar prognostiziert.
Kurz erklärt
- DRAM: Ein flüchtiger Arbeitsspeichertyp, der in Computern, Servern und Rechenzentren für die schnelle Datenverarbeitung eingesetzt wird.
- HBM (High Bandwidth Memory): Eine besonders leistungsstarke DRAM-Variante, die direkt mit Grafikprozessoren kombiniert wird, um deren Rechenleistung voll auszuschöpfen.
- EUV-Lithografie: Ein Fertigungsverfahren für modernste Halbleiterchips, bei dem extrem kurzwelliges Licht zur Strukturierung winziger Schaltkreise genutzt wird.
