Software-Aktien unter Druck: Microsoft und SAP verlieren Hunderte Milliarden
KI-Ängste und enttäuschende Cloud-Zahlen lösen massive Kurseinbrüche bei ehemaligen Anlegerlieblingen aus.

Die goldenen Zeiten für Software-Aktien scheinen vorerst vorbei. <a class="tvreplink" target="_blank" href="https://de.tradingview.com/symbols/Nasdaq%3AMSFT">Microsoft verlor am Donnerstag rund 300 Milliarden Euro an Börsenwert – ein Kurssturz um zehn Prozent nach gemischten Quartalszahlen. Der deutsche Branchenprimus SAP erwischte es noch härter: Die Aktie sackte zeitweise um 16 Prozent ab und musste den Titel als wertvollster DAX-Konzern kurzzeitig an Siemens abgeben.
Der Auslöser für den Ausverkauf sind enttäuschende Wachstumszahlen im Cloud-Geschäft. Bei SAP stiegen die Cloud-Aufträge "nur" um 25 Prozent – knapp unter der selbst gesetzten Zielmarke von mindestens 26 Prozent. Doch hinter der Enttäuschung steckt eine tiefere Angst: Künstliche Intelligenz könnte das lukrative Geschäftsmodell der Softwareriesen fundamental bedrohen.
Elon Musk demonstriert diese Disruption provokant. Auf seinem gigantischen xAI-Rechenzentrum prangt der Schriftzug "Macrohard" – eine Kampfansage an Microsoft. Das nächste Datencenter soll "Macroharder" heißen. Musks Botschaft ist klar: KI-generierte Software könnte klassische Softwarekonzerne überflüssig machen.
Das Ende einer Erfolgsgeschichte
Jahrelang galten Software-Aktien als Trauminvestment. Das Erfolgsrezept: niedrige Kosten, hohe Margen und weltweite Reichweite übers Internet. Besonders das "Software as a Service"-Modell (SaaS) mit wiederkehrenden Abo-Einnahmen begeisterte Anleger. Unternehmen wie Adobe, Salesforce oder Shopify machten mit Nischenlösungen Milliardeninvestoren reich.
Doch die Bewertungen sind durch die jahrelange Beliebtheit auf Rekordhöhen geklettert. Microsoft hat seit dem Allzeithoch 22 Prozent verloren, SAP sogar 40 Prozent. Zahlreiche andere Software-Titel haben sich halbiert. Die Börse bewertet das klassische Softwaregeschäft neu – und zwar deutlich kritischer.
Gewinner der KI-Ära
Ganz anders sieht es bei Tech-Konzernen ohne reines Softwaregeschäft aus. Meta legte am Donnerstag zehn Prozent zu, weil das Werbegeschäft als KI-resistent gilt. Alphabet hat seit vergangenem Frühjahr eine Kursverdopplung erlebt, da Google bei KI-Entwicklungen vorne mitspielt. Der Markt belohnt jene, die KI als Chance statt als Bedrohung nutzen.
Für Anleger stellt sich nun die Frage: Kaufgelegenheit oder Wertvernichtung? Am Freitag erholte sich SAP leicht und gewann einige Prozentpunkte zurück. Doch die strukturelle Bedrohung durch KI bleibt real. Die noch immer üppigen Bewertungen vieler Software-Aktien lassen weiteres Abwärtspotenzial vermuten.
Die Kernschmelze bei Software-Aktien markiert möglicherweise eine Zeitenwende. Was jahrelang als sicherer Hafen für Wachstumsinvestoren galt, steht vor einer fundamentalen Neubewertung. Anleger müssen sich fragen, welche Softwarekonzerne die KI-Revolution überleben – und welche von ihr verschlungen werden.
