Siemens Healthineers kämpft mit China-Schwäche und schwacher Diagnostik
Der Medizintechnikkonzern setzt auf photonenzählende CT-Technik, verliert aber in China Marktanteile und hinkt bei der Marge hinterher.

Der Marktführer bei Computertomografen gerät unter Druck. Siemens Healthineers hat mit seiner Aktie im Jahresvergleich zweistellig verloren, das operative Geschäft entwickelt sich zuletzt wenig dynamisch. Am 5. November legt das Unternehmen die Zahlen für das Geschäftsjahr 2025/26 vor, das am 30. September endete. Anleger richten ihren Blick vor allem auf zwei Baustellen: das Chinageschäft und die Labordiagnostik.
Im Jahr 2025 erlöste der Konzern 23,4 Milliarden Euro. Die operative Gewinnmarge liegt bei gut 16 Prozent. Damit bleibt Siemens Healthineers hinter Wettbewerbern wie Thermo Fisher und Danaher zurück, die meist zweistellige Margen erzielen. Für das laufende Geschäftsjahr stellt das Management ein Umsatzplus von vier Prozent in Aussicht.
In China verliert der Konzern Marktanteile an United Imaging
Besonders schmerzhaft ist die Entwicklung im dritten Quartal: In China ging der Umsatz um etwa zehn Prozent zurück, zugleich verlor das Unternehmen Marktanteile. Ärgster Konkurrent ist United Imaging, ein Anbieter, den ein ehemaliger Standortleiter mit Regierungsunterstützung gegründet hat. Die Zulassungsregularien in China werden zunehmend rigider. "China will in der Medizintechnik eine eigene Infrastruktur aufbauen, davon profitieren natürlich chinesische Anbieter", sagt Caspar Graf Stauffenberg.
Für westliche Konzerne wird das Geschäft in China damit schwieriger. Sie sind häufig im Nachteil, weil ihre Geräte teurer sind. Die Qualität chinesischer Geräte sei laut Beratern nicht schlechter als die aus den USA oder Europa. United Imaging ist beim Design bis heute ähnlich zu den Geräten von Siemens Healthineers.
Mit Naeotom Alpha will Montag den technologischen Vorsprung halten
Vorstandschef Bernd Montag setzt auf den photonenzählenden Computertomografen Naeotom Alpha. Das Gerät liefert nach Unternehmensangaben die weltweit präzisesten Bilder. Seit der Markteinführung 2021 wurden damit rund fünf Millionen Menschen gescannt. Bis Ende des kommenden Jahrzehnts sollen es eine Milliarde werden. "Die photonenzählenden Geräte machen rund 30 Prozent des Auftragsvolumens unseres CT-Geschäfts aus", sagt Katharina Hesels.
Die Technik dahinter ist ein Detektor, der Röntgenstrahlen direkt in Signale umwandelt. An der Entwicklung arbeitet Siemens seit 2005, 2014 stand ein erster Prototyp, 2021 kam das Gerät auf den Markt. Die Halbleiter für die Detektoren entstehen in eigenen Hallen direkt nebenan. Montag nennt United Imaging den technologisch stärksten Wettbewerber.
Die Fertigung in Forchheim bleibt überwiegend Handarbeit
Die Computertomografie hat bei Siemens eine lange Tradition: 1975 wurde die Technologie dort erfunden. Produziert wurde zunächst in Erlangen, später in Forchheim. Bis heute ist die Fertigung überwiegend Handarbeit, die Geräte entstehen auf Bestellung. Die Montage eines CT dauert zwei bis fünf Tage, die Testphase rund eine Woche. Der Rotor dreht sich mit drei Umdrehungen pro Sekunde. Über 100 CT-Varianten bietet das Unternehmen an, die Preise reichen von 100.000 Euro bis etwa 2,5 Millionen Euro.
Neben dem CT-Geschäft treibt der Konzern weitere Projekte voran. Mit dem Strahlentherapiesystem Accela sind Behandlungen in 60 Sekunden möglich. Ein digitaler Zwilling soll den Kundendienst beschleunigen, künftig soll mehr KI in den Geräten stecken. In Mannheim wurde ein Rettungswagen mit integriertem CT getestet – in Deutschland gibt es rund 22.000 Rettungswagen. Eine Studie beziffert die mögliche Einsparung auf zwölf Millionen Dollar in zehn Jahren. Allerdings sind Kliniken zunehmend auf staatliche Zuwendungen angewiesen, und staatliche Gelder fließen eher in KI und Verteidigung. Healthineers sucht deshalb gemeinsam mit Kliniken nach Lösungen zur Kostensenkung.
Der Mutterkonzern Siemens zieht sich schrittweise zurück
Zusätzliche Unsicherheit kommt von der Eigentümerseite. Siemens hält rund zwei Drittel der Aktien und will sich schrittweise zurückziehen. Zunächst sollen 30 Prozentpunkte abgegeben werden, eine Hauptversammlung Anfang 2027 soll darüber beschließen. Für Anleger bedeutet das: Der Streubesitz dürfte steigen, und der Kurs könnte stärker auf einzelne Nachrichten reagieren.
Ein weiteres Sorgenkind bleibt das Diagnostikgeschäft für Labore, das nicht vorankommt. Zusammen mit der China-Schwäche und der im Vergleich zur Konkurrenz niedrigeren Marge erklärt das, warum die Aktie zuletzt zweistellig nachgab. Die Zahlen am 5. November dürften zeigen, ob Montags Strategie greift.
