Scottish Mortgage verkauft Tesla-Aktien und reduziert SpaceX-Beteiligung deutlich
Der Baillie-Gifford-Fonds beendet seine Tesla-Investition nach 13 Jahren und senkt die SpaceX-Allokation auf 11,1 Prozent.

Der Scottish Mortgage Investment Trust hat seine verbliebene Tesla-Beteiligung vollständig verkauft und seine Position im Raketenunternehmen SpaceX deutlich reduziert. Das gab der in London notierte Closed-End-Fonds, der von Baillie Gifford verwaltet wird, am Freitag in seiner halbjährlichen Ergebnismitteilung bekannt. Damit realisiert ein wichtiger Frühinvestor Gewinne aus zwei seiner erfolgreichsten Langfrist-Investments.
Konkret machte SpaceX am Mittwoch 11,1 Prozent des Gesamtvermögens von Scottish Mortgage aus, nach 15 Prozent zum 30. September. Die Tesla-Aktien wurden bereits im April vollständig veräußert – mit einer 13-fachen Rendite auf die ursprüngliche Investition. Die Beteiligung an Tesla reichte bis ins Jahr 2013 zurück.
SpaceX trug acht Prozentpunkte zur Rendite des Trusts bei
Die SpaceX-Position war ein wesentlicher Treiber der Performance von Scottish Mortgage im Halbjahr bis zum 30. September und steuerte 8 Prozentpunkte zur Rendite bei. Der Nettoinventarwert (NAV) des Trusts erzielte in diesem Zeitraum eine Gesamtrendite von 31,5 Prozent, verglichen mit 16 Prozent für den FTSE All-World Index. Der Aktienkurs legte um 33,8 Prozent zu.
Scottish Mortgage investierte erstmals im Dezember 2018 in SpaceX, als das Unternehmen von Elon Musk Berichten zufolge einen Wert von etwa 31 Milliarden Dollar hatte. Bis 2021 verpflichtete sich der Trust zu weiteren Investitionen in Höhe von rund 200 Millionen Dollar. Der Wert dieser Beteiligung stieg stark an, während SpaceX sein Startgeschäft und das Starlink-Satellitennetzwerk ausbaute.
Zum Zeitpunkt des spektakulären Börsengangs (IPO) im Juni repräsentierte SpaceX etwa ein Viertel des Portfolios von Scottish Mortgage nach Marktwert. Seitdem hat der Investmenttrust Anteile verkauft, nachdem die Lock-up-Beschränkungen nach dem IPO schrittweise aufgehoben wurden. Man betonte jedoch, dass das Vertrauen in SpaceX weiterhin hoch sei.
„Die Entscheidung, die Position nach dem Börsengang zu reduzieren, gleichzeitig aber eine substanzielle Investition zu halten, unterstreicht die Bedeutung des Ausgleichs zwischen Überzeugung und disziplinierter Portfolioverwaltung", hieß es seitens Scottish Mortgage. Die Erlöse aus den SpaceX-Verkäufen halfen dem Trust zudem, Kredite zurückzuzahlen und die Verschuldung (Gearing) zu senken.
Der Tesla-Verkauf beendet eine der profitabelsten Wetten des Fonds
Der Verkauf der Tesla-Aktien schließt eine weitere höchst profitable Wette für Scottish Mortgage ab. In einer Portfolioaktualisierung im Juli gab der Fonds an, rund 470 Millionen Dollar in Tesla investiert und über 13 Jahre hinweg realisierte Gewinne in Höhe von ungefähr 6,2 Milliarden Dollar erzielt zu haben.
„Seit unserer ersten Investition im Jahr 2013 hat sie das eingesetzte Kapital verzehnfachthundertdreizehnmal gebracht, doch wir waren der Ansicht, dass der Aktienkurs vielversprechende Aspekte im Bereich Autonomie und Robotik bereits weitgehend eingepreist hatte", erklärte Scottish Mortgage am Freitag. Der Trust wies zudem auf den zunehmenden Wettbewerb im Kerngeschäft des Automobilbereichs von Tesla hin, insbesondere in China.
Der Fonds investiert global in eine Mischung aus börsennotierten und privaten Hochwachstumsunternehmen, typischerweise mit einem längerfristigen Anlagehorizont. Diese Strategie hat Scottish Mortgage über Jahre hinweg zu einem der bekanntesten britischen Investmenttruste gemacht.
Bereits am 12.10.2026 berichtete aktien.news über die wachsende Popularität des Trusts
Bereits am 12.10.2026 berichtete aktien.news, dass Scottish Mortgage Ord (LSE: SMT), der Flaggschiff-Growth-Trust von Baillie Gifford, im vergangenen Monat der meistgekaufte Investment Trust bei den Kunden von Interactive Investor (ii) war. Die Popularität kam nicht von ungefähr: Der Trust verzeichnete in diesem Jahr starke Renditen und konnte seit 2023 allgemein deutliche Kursgewinne vorweisen. Ein wesentlicher Treiber der diesjährigen Performance war eine frühe Position in Space Exploration Technologies Corp Class A (NASDAQ: SPCX).
Am 01.05.2026 berichtete aktien.news zudem, dass der aktivistische Investor Boaz Weinstein einen entscheidenden Sieg in Großbritannien errungen hatte. Der US-amerikanische Hedgefonds-Manager gewann eine wichtige Aktionärsabstimmung zur Neubesetzung des Verwaltungsrats des Edinburgh Worldwide Investment Trust – einem britischen Investmenttrust, der vor allem für seine bedeutende Beteiligung an SpaceX bekannt ist. Der fast 1,2 Milliarden US-Dollar schwere Fonds hält eine Beteiligung von rund 240 Millionen US-Dollar an Elon Musks Raketenunternehmen. Das Abstimmungsergebnis ebnete Weinsteins Firma Saba Capital Management den Weg zur Übernahme der Fondsverwaltung.
Ergänzend berichtete aktien.news am 24.06.2026, dass SpaceX seit seinem Rekordhoch vom 16. Juni mehr als ein Viertel seines Wertes verloren hatte. Allein in der Woche vor dem Bericht büßte die Aktie rund 12 Prozent ein. Laut einer Schätzung von S3 Partners waren damals nur etwa 40 Millionen SpaceX-Aktien leerverkauft, was lediglich 5 bis 7 Prozent des öffentlich handelbaren Streubesitzes von rund 625 Millionen Aktien entsprach.
Am 26.09.2026 berichtete aktien.news schließlich, dass der IPO-Preis für SpaceX bei 135 Dollar lag. Als die Aktien zum Handel freigegeben wurden, notierte der Kurs zunächst bei 150 Dollar. Der Börsengang erzielte 75 Milliarden Dollar, wobei der Gesamtüberverkauf durch den Platzhalter das Gesamtvolumen auf mehr als 85 Milliarden Dollar steigerte.
Für Anleger steht die Frage nach dem Umgang mit Klumpenrisiken im Fokus
Für deutsche Privatanleger ist die Meldung vor allem deshalb interessant, weil sie zeigt, wie ein professionell verwalteter Fonds mit Klumpenrisiken umgeht. Scottish Mortgage hielt zeitweise etwa ein Viertel seines Portfolios in einer einzigen Position – ein Konzentrationsgrad, der für Privatanleger schwer zu replizieren ist. Die schrittweise Reduktion nach dem IPO und dem Auslaufen der Lock-up-Beschränkungen illustriert den Zielkonflikt zwischen langfristiger Überzeugung und Risikosteuerung.
Bemerkenswert ist auch der Zeitpunkt: Die Kurse von SpaceX und Tesla fielen am Donnerstag jeweils um 9 Prozent beziehungsweise 11 Prozent. Dadurch sank ihr kombinierter Marktwert um mehr als 420 Milliarden Dollar unter das Niveau vom Dienstag. Anleger befürchten, dass Elon Musk nach den US-Midterm-Wahlen neuen Untersuchungen durch den Kongress ausgesetzt sein könnte, was seine Unternehmen möglicherweise strengeren Regulierungen unterziehen würde.
Der Trust selbst ist einer der britischen Investmenttruste – vergleichbar mit Closed-End-Fonds in den USA –, die SpaceX frühzeitig unterstützten. Ein weiterer Fonds von Baillie Gifford, der Edinburgh Worldwide Investment Trust, stand 2025 im Fokus einer erbitterten Aktivistenkampagne durch den Hedgefonds Saba Capital von Boaz Weinstein, wobei die SpaceX-Beteiligung zum zentralen Konfliktpunkt in der langjährigen Auseinandersetzung wurde.
Die weitere Entwicklung hängt an Lock-up-Fristen und der Regulierungsdebatte
Für die kommenden Monate bleibt abzuwarten, wie Scottish Mortgage mit der verbleibenden SpaceX-Position umgeht. Der Trust hat bislang keine vollständige Veräußerung angekündigt, sondern betont, dass die Überzeugung für das Unternehmen unverändert hoch sei. Weitere Anteilsverkäufe könnten erfolgen, sobald weitere Lock-up-Beschränkungen auslaufen.
Ein zweiter Faktor ist die politische Entwicklung in den USA. Sollten sich die Befürchtungen der Anleger über zusätzliche Untersuchungen durch den Kongress bestätigen, könnte dies die Bewertung von Musks Unternehmen beeinflussen. Konkrete Termine oder Beschlüsse dazu nennt der Quelltext nicht.
Drei Fachbegriffe helfen beim Verständnis der Meldung
- Nettoinventarwert (NAV): Der Gesamtwert aller Vermögenswerte eines Fonds abzüglich seiner Verbindlichkeiten, meist pro Anteil ausgewiesen.
- Lock-up: Eine vertragliche Sperrfrist, während der frühe Investoren ihre Anteile nach einem Börsengang nicht verkaufen dürfen.
- Gearing: Die Aufnahme von Krediten durch einen Fonds, um zusätzliche Investitionen zu finanzieren und die Rendite zu hebeln.
