Reiche ordnet Sefe an: 8 Terawattstunden Gas bis Dezember
Die Bundesregierung greift in die Gasspeicherung ein: Sefe soll bis Mitte Dezember zusätzliche Mengen einspeichern.

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat den Staatskonzern Sefe beauftragt, zusätzliches Gas für den deutschen Markt zu beschaffen und einzuspeichern. Bis zum 15. Dezember soll das Unternehmen acht Terawattstunden (TWh) in die Speicher bringen. Damit reagiert Berlin auf einen Füllstand, der deutlich hinter früheren Jahren zurückliegt.
Aktuell sind die deutschen Gasspeicher zu knapp 58 Prozent gefüllt. Im Vorjahr lag der Wert zum selben Zeitpunkt bei knapp 77 Prozent. In früheren Jahren erreichten die Füllstände Ende September sogar Werte an die 90 Prozent oder höher. Anfang September dieses Jahres waren es erst rund 53 Prozent. Das gesamte Speichervolumen in Deutschland beträgt rund 247 TWh – die angeforderte Menge von acht TWh ist also ein überschaubarer, aber gezielter Zusatzbeitrag.
Warum Berlin jetzt eingreift
Als Grund für den Schritt nennt das Bundeswirtschaftsministerium andauernde geopolitische Risiken und die Krisenvorsorge. Eine Sprecherin des Ministeriums ordnet den Auftrag so ein: "Aus der Perspektive der Krisenvorsorge ist dieser Schritt ein wichtiger zusätzlicher Beitrag, um die Resilienz der deutschen Gasversorgung zu erhöhen." Zugleich betont das Haus, dass die Pflicht zur Speicherung für alle gilt: "Klar muss sein, die Erwartung an alle anderen Marktakteure, ihrer Verpflichtung nachzukommen, Gas für den Winter einzuspeichern, bleibt ohne Wenn und Aber bestehen."
Über die konkreten Mengen und Zeitpunkte der Einspeicherung entscheidet Sefe nach Angaben aus dem Ministerium selbst. Die zusätzlichen Lieferungen sollen die Kontingente anderer Marktteilnehmer nicht beeinträchtigen. Bereits Mitte September hatte es einen finanziellen Anreiz gegeben, aber keine formale Anweisung. Für verschiedene Szenarien seien die Instrumente vorbereitet, so das Ministerium.
Hintergrund: Vom Gazprom-Ableger zum Staatskonzern
Sefe firmierte früher als Gazprom Germania und war eine Tochter des russischen Staatskonzerns Gazprom. Infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine und der Energiekrise wurde das Unternehmen verstaatlicht. Die EU-Kommission verlangt inzwischen eine weitgehende Privatisierung; die Frist dafür läuft bis Ende 2028.
Für Anleger lohnt ein Blick auf die wirtschaftliche Logik hinter der Speicherung. Normalerweise kaufen Großhändler im Sommer günstig ein und verkaufen das Gas im Winter mit Gewinn – die Differenz zwischen Sommer- und Winterpreis trägt das Geschäft. Wegen der Preisentwicklung nach dem Iran-Krieg rechnet sich diese Speicherung derzeit jedoch nur begrenzt, weshalb der finanzielle Anreiz nötig wurde. Hinzu kommt, dass die Bundesregierung ab 2027 eine strategische Gasreserve plant. Für Privatanleger bedeutet das: Versorgungssicherheit ist ein politisch gesetztes Ziel, das nicht allein über Marktanreize erreicht wird.
Kritik und Risikoszenario
An dem Vorgehen gibt es Kritik. Reiche habe zu lange gezögert und zu wenig getan, lautet der Vorwurf. Der Verband Initiative Energien Speichern warnt zudem vor Engpässen bei einem sehr kalten Winter. Als möglicher kritischer Zeitraum gilt der Januar. Ob es tatsächlich zu einem Gasmangel kommt, hängt maßgeblich vom Wetter und der weiteren Nachfrage ab.
Erstmals berichtet über den Vorgang hatte das Handelsblatt. Für den Markt ist die Botschaft zweigeteilt: Einerseits sinkt das Risiko einer akuten Versorgungskrise, andererseits zeigt der Eingriff, dass die Speicherlage fragiler ist als in den Vorjahren. Investoren in energieintensiven Branchen, in Versorgern und in Gas-Futures sollten die Füllstände bis Mitte Dezember genau verfolgen – sie sind der wichtigste Frühindikator für Preisschwankungen im Winterhalbjahr.
