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Radiant World unter Druck: Ermittlungen und Klagen wegen Betrugsverdachts

Rohstoffhändler Radiant World sieht sich mit Ermittlungen, Klagen und eingefrorenen Konten konfrontiert.

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Radiant World unter Druck: Ermittlungen und Klagen wegen Betrugsverdachts

Der international tätige Rohstoffhändler Radiant World gerät zunehmend in die Krise. Nachdem Berichte über die Verwendung mutmaßlich ungültiger Dokumente gegenüber Banken laut wurden, haben zahlreiche Geschäftspartner die Zusammenarbeit mit dem Unternehmen eingestellt. Radiant World, das von dem 45-jährigen Inder Pinkesh Nahar gegründet wurde, weist die Vorwürfe als unbegründet zurück und betont, man arbeite nach höchsten kommerziellen und rechtlichen Standards.

Das Unternehmen mit Standorten in Großbritannien, China, Indien, Singapur, der Schweiz, den USA und den Vereinigten Arabischen Emiraten gilt als einer der weltweit größten Eisenerzhändler. Das jährliche Handelsvolumen liegt bei über 80 Millionen Tonnen. Laut Unternehmensangaben belief sich der Umsatz der operativen Einheit in Singapur im Geschäftsjahr bis September 2025 auf 9,6 Milliarden US-Dollar. Neben Eisenerz handelt die Gruppe auch mit Basismetallen wie Kupfer und Aluminium.

Geschäftspartner ziehen die Reißleine

Die Vorwürfe wiegen schwer: Wie Bloomberg berichtete, haben große Handelshäuser wie Vitol und Cargill die Geschäftsbeziehungen abgebrochen. Der Grund: Radiant World soll bei Banken Dokumente eingereicht haben, die als ungültig eingestuft wurden. Auch Glencore hat neue Geschäfte gestoppt und Rückstellungen im Zusammenhang mit dem Unternehmen gebildet. Zudem haben chinesische Stahlhersteller die Zusammenarbeit beendet.

Auf finanzieller Ebene haben Banken wie die Deutsche Bank und die KBC Group Konten eingefroren, während andere Kreditgeber Kreditlinien ausgesetzt haben. Reuters berichtete zudem, dass der Broker Marex die Derivate-Handelskonten von Radiant eingefroren hat. Radiant World ist bei zahlreichen Banken verschuldet, darunter Societe Generale, Macquarie, Raiffeisen, Barclays und die Deutsche Bank.

Behörden schalten sich ein

Die rechtliche Lage verschärft sich: Die Polizei in Singapur hat Ermittlungen aufgenommen. Auch das US-Justizministerium sowie die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) untersuchen die Handelsaktivitäten des Unternehmens. Vor dem High Court in Singapur sieht sich Radiant World zudem mit einer Klage des Finanzdienstleisters Incomlend konfrontiert, der über 34 Millionen US-Dollar von dem Unternehmen, Pinkesh Nahar sowie dem Tanas-Capital-Geschäftsführer Amit Sharma fordert. Der Vorwurf lautet auf "unerlaubte Täuschung durch rechtswidrige Mittel".

Parallel dazu hat die japanische Mizuho Bank eine einstweilige Verfügung gegen die operative Einheit von Radiant in Singapur beantragt. Die Vielzahl paralleler Verfahren und behördlicher Untersuchungen deutet auf ein systemisches Problem hin, das weit über einzelne Geschäftsvorfälle hinausgeht.

Erinnerungen an frühere Betrugsfälle

Die Branche beobachtet den Fall mit Sorge, da er Erinnerungen an frühere Betrugsfälle im Rohstoffhandel weckt. So wurde 2014 der chinesische Händler Dezheng Resources wegen gefälschter Lagerhausbelege verurteilt. Anfang 2023 sah sich das Handelshaus Trafigura mit einem systematischen Betrugsfall durch den Geschäftsmann Prateek Gupta konfrontiert, der minderwertige Frachten als hochwertiges Nickel deklariert hatte.

Für deutsche Anleger ist der Fall Radiant World auch deshalb relevant, weil mit der Deutschen Bank ein bekanntes deutsches Finanzinstitut zu den betroffenen Kreditgebern zählt. Die Bank hat nach eigenen Angaben Konten des Rohstoffhändlers eingefroren. Inwieweit die Deutsche Bank oder andere europäische Institute faule Kredite in ihren Büchern haben, ist bislang nicht bekannt.

Radiant World selbst hält an seiner Verteidigungslinie fest. Das Unternehmen weist alle Vorwürfe zurück und betont, nach höchsten kommerziellen und rechtlichen Standards zu arbeiten. Ob diese Strategie angesichts der geballten Ermittlungsmacht mehrerer Staaten und der Flut von Zivilklagen aufgehen kann, bleibt abzuwarten. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob sich der einstige Milliardenhändler aus der Krise befreien kann oder ob das Schicksal des Unternehmens bereits besiegelt ist.

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