ANZEIGE

Qantas-Mitarbeiter streiken 24 Stunden an vier australischen Flughäfen

Der TWU fordert höhere Löhne, mehr Vollzeitstellen und bessere Sicherheitsstandards bei der australischen Fluggesellschaft.

4 Min
Qantas-Mitarbeiter streiken 24 Stunden an vier australischen Flughäfen

Die Beschäftigten an den Flughäfen von Qantas haben am Donnerstag einen 24-stündigen Streik begonnen. Betroffen sind die australischen Städte Sydney, Brisbane, Adelaide und Perth, wie der australische Transportarbeitergewerkschaftsverband (TWU) mitteilte. Die Gewerkschaft nennt drei zentrale Forderungen: höhere Löhne, sicherere Arbeitsplätze und verbesserte Sicherheitsstandards. Der Ausstand begann nach Angaben des TWU am Donnerstag und dauert 24 Stunden.

Von den industriellen Maßnahmen betroffen sind laut Gewerkschaft Mitarbeiter von Qantas Ground Services (QGS), dem Frachtbetrieb Australian Air Express (AAE) sowie der Regionalfluggesellschaft QantasLink. Damit trifft der Streik mehrere Tochtergesellschaften des australischen Luftfahrtkonzerns gleichzeitig. Qantas reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage der Nachrichtenagentur Reuters nach einer Stellungnahme.

Die Beschäftigten streben Lohnsteigerungen im Einklang mit den branchenüblichen Standards an. Zudem fordern sie mehr Vollzeitstellen sowie die Zusammenführung der Arbeitsgruppen unter einer einzigen Qantas-Struktur. Die Gewerkschaft argumentiert, dass der Einsatz mehrerer Tochtergesellschaften durch das Unternehmen die Belegschaft fragmentiert und die Sicherheitsstandards geschwächt habe.

Die Details

In Sydney schließen sich den Arbeitern nach TWU-Angaben bis zu 400 Sicherheitsscreening-Mitarbeiter an. Sie führen zwei Runden von jeweils zweistündigen Arbeitsniederlegungen durch. Darüber hinaus ist eine weitere dreistündige Arbeitsniederlegung für den 28. September geplant. Diese Angaben stammen aus der Erklärung des TWU.

Michael Kaine, National Secretary des TWU, begründete den Schritt mit Sicherheitsbedenken. "Streikmaßnahmen sind immer ein letztes Mittel, aber wir sehen buchstäblich, wie Arbeiter verletzt oder getötet werden, während sie diese kritischen Dienstleistungen aufrechterhalten", sagte Kaine in einer Erklärung. Die Gewerkschaft kritisierte zudem die Arbeitsstruktur von Qantas und forderte nach Jahren der Kostensenkungen einen "grundlegenden Neustart" bei der Fluggesellschaft.

Der Konflikt hat eine Vorgeschichte: Während der COVID-19-Pandemie hatte Qantas die Stellen von mehr als 1.800 Bodenarbeitern in Australien ausgelagert, die für das breitere Netzwerk der Gesellschaft zuständig waren. Diese Maßnahme wurde später als illegal eingestuft. Ein Gericht verhängte im vergangenen Jahr gegen die Fluggesellschaft eine Rekordstrafe von 90 Millionen australischen Dollar (64,03 Millionen US-Dollar) in dieser Angelegenheit.

Hintergrund: Was bisher geschah

Bereits am 06.08.2026 berichtete aktien.news, dass die Qantas-Aktie auf ein Einmonatshoch gestiegen war. Auslöser war eine Grundsatzeinigung zwischen der australischen Fluggesellschaft und der Gewerkschaft ihrer Langstreckenpiloten, die das unmittelbare Risiko von Arbeitskampfmaßnahmen auf internationalen Flügen deutlich reduzierte. Die Aktie legte damals um 0,5 Prozent auf 10,65 australische Dollar zu, nachdem sie im Tagesverlauf ein Intraday-Hoch von 10,76 australischen Dollar markiert hatte – den höchsten Stand seit dem 26. Juni. Der breitere australische Leitindex S&P/ASX 200 legte seinerzeit lediglich um 0,3 Prozent zu.

Am 26.02.2026 berichtete aktien.news über das erste Halbjahr von Qantas. Das Unternehmen erzielte demnach ein Rekordergebnis, doch die Börse reagierte mit einem Kurseinbruch von rund 10 Prozent. Auslöser war ein unerwarteter Gewinnrückgang in der Auslandssparte. Der internationale Bereich litt unter steigenden Betriebskosten und einer spürbar schwächeren Nachfrage nach Economy-Class-Tickets auf US-Routen.

Am 11.06.2026 meldete aktien.news zudem einen Arbeitskampf in der australischen Rohstoffbranche. Hunderte Elektrofachkräfte des Eisenerzförderers BHP in Port Hedland, Westaustralien, stimmten für Streikmaßnahmen. Die Electrical Trades Union (ETU) gab an, dass 100 Prozent ihrer Mitglieder in der Region Arbeitsniederlegungen befürworten. Die geplanten Streiks konnten zwischen 30 Minuten und 24 Stunden dauern. Dieser Bericht zeigt, dass Arbeitskämpfe in Australien derzeit nicht auf die Luftfahrt beschränkt sind.

Was das für Anleger bedeutet

Für deutsche Privatanleger ist Qantas vor allem über den australischen Aktienmarkt (ASX: QAN) erreichbar. Der aktuelle Streik betrifft Boden-, Fracht- und Regionalbereiche – also nicht das Langstreckengeschäft, das im Mittelpunkt der Piloteneinigung vom August stand. Insofern ist die Nachricht nicht mit der damaligen Grundsatzeinigung gleichzusetzen, die den Aktienkurs kurzfristig stützte.

Arbeitskämpfe können operative Kosten erhöhen und den Betrieb stören. Wie stark der 24-stündige Ausstand den Flugbetrieb tatsächlich beeinträchtigt, geht aus dem Quelltext nicht hervor. Qantas hat sich bislang nicht geäußert. Anleger sollten daher weitere Unternehmensmitteilungen abwarten, bevor sie die Tragweite einschätzen.

Die Vorgeschichte der ausgelagerten Bodenarbeiter und die Rekordstrafe von 90 Millionen australischen Dollar zeigen, dass Arbeitsrechtsstreitigkeiten bei Qantas ein wiederkehrendes Thema sind. Das kann die Reputation und die Kostenbasis belasten. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.

Ausblick

Der TWU hat für den 28. September eine weitere dreistündige Arbeitsniederlegung angekündigt. Ob es darüber hinaus zu weiteren Ausständen kommt, ist im Quelltext nicht genannt. Qantas hat bislang keine Stellungnahme abgegeben. Ob und wann die Verhandlungen zwischen Gewerkschaft und Unternehmen wieder aufgenommen werden, geht aus den vorliegenden Informationen nicht hervor.

Kurz erklärt

  • Qantas Ground Services (QGS): Die Bodendienst-Tochter der australischen Fluggesellschaft, die Abfertigungsdienste an Flughäfen erbringt.
  • Australian Air Express (AAE): Der Frachtbetrieb von Qantas, der Luftfracht befördert.
  • QantasLink: Die Regionalfluggesellschaft des Qantas-Konzerns, die Strecken außerhalb der großen Drehkreuze bedient.
  • TWU: Der australische Transportarbeitergewerkschaftsverband, der die Beschäftigten im Verkehrssektor vertritt.
  • Arbeitsniederlegung: Ein befristeter, organisierter Ausstand von Beschäftigten, um Forderungen gegenüber dem Arbeitgeber durchzusetzen.
QantasStreikTWUFlughafenAustralienArbeitskampfQantas Ground ServicesLöhne

Meistgelesene News

  1. Volvo Cars kämpft mit EX60-Produktionsziel und Batterieplänen
  2. Jugendarbeitslosigkeit in China steigt im August auf 18,9 Prozent
  3. Iran-Kriegsende droht: Insider kaufen trotz Ölpreis-Risiko Energieaktien
  4. SpaceX-Aktie: Kann eine 5.000-Dollar-Investition zum Millionär machen?
  5. BlackRock-Strategin warnt: Fed-Zinsentscheidung ist nicht die entscheidende Frage

Disclaimer