Boeing bangt vor Trump-Xi-Gipfel um milliardenschwere China-Bestellungen
Der US-Flugzeugbauer hofft auf einen Großauftrag aus China, doch die Erwartungen schwinden vor dem Gipfeltreffen.

Boeing hofft auf neue Großbestellungen aus China, doch ausgerechnet vor dem Gipfeltreffen von US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatschef Xi schwinden die Hoffnungen. Nach Angaben von Insidern sind die Verhandlungen zwar noch im Gange, eine schnelle Einigung gilt aber zunehmend als unwahrscheinlich. Das Treffen der beiden Präsidenten findet derzeit in den USA statt.
Im Mittelpunkt der Gespräche stehen nach Einschätzung von Beobachtern andere Themen als Flugzeuge. Der China-Experte Scott Kennedy vom Center for Strategic and International Studies nennt KI-Schutzmaßnahmen, Taiwan-Waffen, Sojabohnen und Seltene Erden als die zentralen Streitpunkte. Neue Flugzeugverträge seien dagegen keine oberste Priorität.
Mai-Vereinbarung als erste Tranche
Bereits im Mai hatten sich beide Seiten bei einem Treffen der Präsidenten auf Boeing-Verkäufe nach China verständigt. Der Vertrag über 200 Flugzeuge galt dabei als erste Tranche. Boeing-Chef Kelly Ortberg hatte die Vereinbarung als Wiedereröffnung des chinesischen Marktes bezeichnet. Vor dem Frühjahrsgipfel war sogar über bis zu 500 Flugzeuge diskutiert worden.
Nun will Boeing die Mai-Vereinbarung über die 200 Jets abschließen. Investoren und Analysten hatten jedoch gehofft, dass beim aktuellen Gipfel ein weiterer Großauftrag folgen würde. Ortberg selbst spielte die Aussicht auf einen solchen Großauftrag herunter. Kennedy formuliert es so: "Viele Handelsbeziehungen hängen von diesen Treffen ab. Neue Flugzeugaufträge wären ein Gewinn, aber ich glaube nicht, dass dies für diesen Gipfel eine Notwendigkeit ist."
Für Boeing steht viel auf dem Spiel. Der Konzern ist seit 2017 praktisch vom chinesischen Markt ausgeschlossen. In dieser Zeit baute der europäische Rivale Airbus seinen Anteil in China weiter aus. Ein Grund dafür ist die Endmontagelinie von Airbus in Tianjin, ein anderer die freundlicheren Beziehungen zwischen China und der EU.
Airbus dominiert, Boeing kämpft mit Altlasten
China gilt als einer der wichtigsten Wachstumsmärkte der Luftfahrt. Bis 2045 werden dort rund 9.000 neue Flugzeuge erwartet. Dieses Volumen macht den Markt für beide Hersteller attraktiv. Boeing will mit der Zulassung neuer Modelle und der Mai-Vereinbarung die Auslieferungen erhöhen und die Vormachtstellung von Airbus in China brechen.
Doch der US-Konzern leidet seit Jahren unter Qualitätsproblemen. Die 737-MAX-Familie war zeitweise gegroundet. Erst im August erhielt die kleinste Variante der 737 MAX die Zulassung der US-Luftfahrtbehörde FAA. Die 737 MAX 10 wartet dagegen noch auf ihre Zulassung. Im zweiten Quartal schrieb Boeing rote Zahlen, der bereinigte Verlust je Aktie lag bei 76 Cent.
Shukor Yusof, Gründer von Endau Analytics, bringt die Lage auf den Punkt: "Boeing hat in unserer Region einen Großteil seines Einflusses verloren, teilweise aufgrund politischer Faktoren, vor allem aber wegen eigener interner Probleme."
Für Anleger bedeutet das eine Gemengelage. Einerseits ist der chinesische Markt langfristig riesig, andererseits hängen konkrete Aufträge stark von der Politik ab. Wer in Boeing investiert, sollte daher nicht allein auf einen schnellen China-Durchbruch setzen, sondern die Zulassungsverfahren und die operative Erholung im Blick behalten.
Ölpreise ziehen an, DAX gibt nach
Auch an den Rohstoffmärkten bewegt sich etwas. Die Ölpreise legten nach anfänglichen Verlusten zu. Brent stieg um rund 3 Prozent auf 106,50 Dollar je Fass, WTI um rund 3 Prozent auf 94,67 Dollar je Fass. Hintergrund sind Versorgungsängste wegen eines unklaren Kriegs im Nahen Osten. Der Chef-Marktanalyst von CMC Markets sagte dazu: "Im Nahen Osten ist eine schnelle diplomatische Lösung weiterhin nicht in Sicht."
Robuste US-Konjunkturdaten halten zugleich die Spekulationen über weitere Zinserhöhungen am Leben. Der DAX fiel zur Mittagszeit um 0,5 Prozent auf 25.289 Punkte. Für Privatanleger zeigt sich damit ein vertrautes Muster: Geopolitische Unsicherheit und Zinsfantasie treiben die Kurse, während einzelne Unternehmen wie Boeing von politischen Entscheidungen abhängen, die sich kaum vorhersehen lassen.
