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Private Equity entdeckt Bildungssektor als lukratives Investitionsziel

Investoren wittern im angeschlagenen britischen Hochschulmarkt große Chancen – mit Roll-up-Strategien und Immobilienpotenzial.

• 3 Min
Private Equity entdeckt Bildungssektor als lukratives Investitionsziel

Private-Equity-Investoren richten ihren Blick zunehmend auf den Bildungssektor. Während Studierende in Großbritannien dem Hochschulstudium skeptischer gegenüberstehen, sehen Finanzinvestoren in angeschlagenen Universitäten attraktive Übernahmeziele mit stabilen Einnahmen und verwertbaren Vermögenswerten.

Besonders aktiv ist dabei Galileo Global Education, Europas größte gewinnorientierte Hochschulgruppe. Das Unternehmen prüft derzeit Übernahmen unter den finanziell schwächelnden britischen Universitäten. Bereits 2020 kaufte Galileo die Regent's University London – ein Schritt, der die Strategie des Konzerns exemplarisch verdeutlicht.

Auch Global University Systems (GUS) ist in diesem Markt eine treibende Kraft. Das Unternehmen übernahm vor elf Jahren die University of Law und erwarb vor wenigen Monaten Y Schools, die Studiengänge in Frankreich und Kamerun anbietet. GUS gibt an, mehr als 174.000 Campus-Studenten an über 36 Institutionen zu betreuen.

Warum britische Universitäten als Übernahmeziele attraktiv sind

Der britische Hochschulsektor bietet aus Investorensicht besondere Rahmenbedingungen. Anders als in den USA, wo die meisten Universitäten ohnehin in Privatbesitz sind, sind britische Hochschulen fast ausnahmslos sogenannte „exempt charities" – steuerbefreite gemeinnützige Organisationen, die keiner regulären Aufsicht durch die Wohltätigkeitsbehörde unterliegen. Ein Großteil dieser Einrichtungen schreibt rote Zahlen, und eine Trendwende ist kaum in Sicht.

Für Investoren sind diese Institutionen dennoch interessant: Selbst angeschlagene Universitäten verfügen häufig über wertvolle Immobilien, die monetarisiert werden können. Hinzu kommen vorhersehbare Einnahmen aus Studierendengebühren sowie ein langfristiger Wachstumstrend im Bildungsbereich. Morgan Stanley schätzt, dass der globale Bildungsmarkt bis 2030 einen Umsatz von 8 Billionen US-Dollar generieren wird.

Die Investitionslogik folgt dem bewährten Roll-up-Modell, das aus anderen Branchen wie der Veterinärmedizin oder professionellen Dienstleistungen bekannt ist. Effizienzgewinne entstehen durch gemeinsame Back-Office-Dienste – etwa in den Bereichen IT, Marketing und Studierendenakquise. In den USA zeigt die Grand Canyon University in Arizona, wie dieses Modell funktionieren kann: Sie lagert solche Dienstleistungen an ein an der Nasdaq notiertes Vehikel aus, Grand Canyon Education, das mehrere Institutionen unterstützt.

Höhere Gebühren, niedrigere Zulassungsstandards – die Kehrseite

Das Modell hat jedoch auch Schattenseiten. Private Universitäten verlangen in der Regel deutlich höhere Studiengebühren als ihre nicht-privaten Konkurrenten, ohne das gleiche Renommee bieten zu können. Die Regent's University London etwa verlangt für Studiengänge wie Modedesign jährlich 24.500 Britische Pfund – mehr als das Doppelte der Gebühren, die einheimische Studierende an staatlichen britischen Universitäten zahlen.

Zudem sind die Zulassungsvoraussetzungen oft niedriger. Die University of Law, Teil von GUS, verlangt Prüfungsergebnisse, die zwei bis vier Stufen unter denen für Jurastudiengänge an Spitzenuniversitäten liegen. Auch Reputationsrisiken bestehen: Das Regent College London – nicht zu verwechseln mit der Regent's University – wurde 2024 von Aufsichtsbehörden wegen einer Reihe von Mängeln gerügt, darunter das Angebot veralteter und ineffektiv vermittelter Kurse.

Dennoch muss Wertschöpfung nicht zwingend auf Kosten von Personal oder Lehrqualität gehen. Spezialisierte, arbeitsmarktrelevante Studiengänge können höhere Gebühren rechtfertigen, wenn Studierende und ihre Familien einen klaren Bezug zum Berufseinstieg erkennen. Darüber hinaus bieten Forschungsergebnisse und geistiges Eigentum der Institutionen Potenzial für Spin-off-Unternehmen – besonders dort, wo Investoren ihr finanzielles Know-how und ihre Netzwerke einbringen können.

Für Privatanleger bleibt der Bildungssektor ein Bereich, den es genau zu beobachten gilt: stabile Cashflows, Immobilienpotenzial und ein globaler Wachstumsmarkt machen ihn zu einem zunehmend begehrten Ziel für institutionelles Kapital.

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