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Prada wirbt mit Schnorchelausflügen und 100.000-Dollar-Röcken um Superreiche

Mailand: Prada setzt bei seiner Damenkollektion konsequent auf die Betreuung seiner reichsten Kunden.

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Prada wirbt mit Schnorchelausflügen und 100.000-Dollar-Röcken um Superreiche

MAILAND – Prada hat mehr als 100 seiner besten Kunden in die italienische Modemetropole eingeladen und ihnen während der Mailänder Fashion Week ein Programm geboten, das weit über eine gewöhnliche Laufstegschau hinausgeht. Die Gäste erhielten privaten Zugang zu Leonardo da Vincis „Letztes Abendmahl“ sowie Abendessen in Restaurants, die exklusiv für sie gebucht wurden. Damit untermauert das Modehaus eine Strategie, die sich immer stärker auf die sogenannten VICs – „Very Important Clients“ – konzentriert.

Der Auftritt in Mailand war Teil eines wachsenden Wettbewerbs der Luxusbranche um die Gunst der Superreichen. Prada brachte nach eigenen Angaben letzte Woche mehr Großverdiener nach Mailand als noch bei seiner vorherigen Damenkollektion im Februar. Die Marke folgt damit dem Vorgehen von Rivalen, die diesen Kundenkreis seit Jahren intensiv bearbeiten.

Im Mittelpunkt der Modenschau standen Modelle mit Krokodil-Handtaschen – eine Wiederauferstehung eines Designs aus den 1920er Jahren, verziert mit Verschlüssen aus Onyx. Diese Taschen wurden den Top-Kunden am folgenden Tag exklusiv für etwas mehr als $20.000 angeboten.

Die Details

Der Besuch der ausgewählten Kunden umfasste eine Führung durch den neu renovierten Komplex von Prada in der Mailänder Galleria Vittorio Emanuele II. Dort befindet sich oberhalb des öffentlichen Geschäfts und der Ausstellungsräume ein privater Einkaufsbereich. Dieses Areal bietet Neuauflagen von Laufsteg-Looks aus dem Jahr 1988, maßgeschneiderte Schneiderei vor Ort und exklusive Schmuckstücke, die nirgendwo sonst erhältlich sind.

Das Programm für die VICs bestand aus mehreren Bausteinen: private Führungen zu einem der bekanntesten Kunstwerke Mailands, exklusiv gebuchte Restaurants und ein exklusives Warenangebot, das zeitlich an die Schau gekoppelt war. Die exklusive Öffnung des privaten Einkaufsbereichs verdeutlicht, wie stark Prada inzwischen auf Erlebnisse jenseits des reinen Produktverkaufs setzt.

Die Strategie wird durch Zahlen untermauert. Pradas Top-Kunden geben nach Angaben von Konzernchef Andrea Guerra etwa €7 – oder etwa $8 – bei der Marke aus, für jeden Euro, den sie unterhalten. Mit anderen Worten: Dieselbe Personengruppe erzeugt ein Vielfaches des Umsatzes, den weniger kaufkräftige Kunden beisteuern.

Allerdings holt Prada beim Werben um die höchsten Ausgaben noch auf. Dies ist ein Feld, in dem Konkurrenten wie Louis Vuitton, Dior und Chanel seit Jahren investieren. Führungskräfte rivalisierender Luxusgruppen sagen, dass die Rendite in diesem Segment bis zu 10 zu 1 betragen kann.

Hintergrund: Was bisher geschah

Bereits am 24.06.2026 berichtete aktien.news, dass die Mailänder Männermodewoche für die Saison Frühjahr/Sommer 2027 ein klares Signal gesendet habe: Der Kunde steht im Mittelpunkt. Statt experimenteller Avantgarde dominierten Pragmatismus, Leichtigkeit und Tragbarkeit die Kollektionen. Die Designer mieden bewusst Trends des „Groupthinks“ und konzentrierten sich stattdessen auf ihre jeweiligen Stammkunden – die sogenannten VICs (Very Important Clients).

Schon damals zeigte sich, dass die Häuser höchst individuelle Wege gingen und ihre treuen Kundensegmente mit unverwechselbaren Handschriften bedienten. Das Ergebnis war eine Saison, in der die Modemarken taten, was sie für ihre Klientel als richtig erachteten. Der aktuelle Auftritt von Prada in Mailand lässt sich als konsequente Fortsetzung dieser Ausrichtung lesen.

Am 22.06.2026 berichtete aktien.news zudem, dass während der Mailänder Modewoche das begehrteste Ticket längst kein Platz mehr in der ersten Reihe einer Laufstegschau sei. Begehrter war eine Einladung zum Abendessen in einem Renaissance-Palazzo, den kein Reiseführer kennt. Luxusmarken befänden sich in einem eskalierenden Wettlauf um die versteckten Privatresidenzen Mailands – auf der Suche nach einer neuen Form von Exklusivität, die desillusionierte Käufer ansprechen soll.

Die Branche habe sich dabei stetig über die bekannten Prachtadressen wie den Palazzo Serbelloni, den Palazzo Visconti und den Palazzo Clerici hinausbewegt. Gesucht wurden Räumlichkeiten, die noch nie zuvor der Öffentlichkeit zugänglich waren. Genau in diese Logik der knappen, nicht reproduzierbaren Erlebnisse fügt sich das Mailänder Programm von Prada ein.

Ergänzend hatte aktien.news am 05.02.2026 berichtet, dass das italienische Modehaus Versace mit Pieter Mulier einen renommierten Designer als neuen Kreativdirektor gewonnen hat. Der Belgier wechselte im Juli von der Richemont-Marke Alaia zu Versace, das seit Dezember zum Prada-Konzern gehört. Mulier verließ Alaia nach seiner Show auf der Pariser Fashion Week im März. Die Ernennung erfolgte zu einem kritischen Zeitpunkt für Versace nach der Übernahme durch Prada.

Und am 28.04.2026 meldete aktien.news, dass Prada eine limitierte Sandalen-Kollektion lanciert hat, die von den traditionellen indischen Kolhapuri-Sandalen inspiriert ist. Die Schuhe kosten 750 Euro pro Paar und werden von Kunsthandwerkern in den indischen Bundesstaaten Maharashtra und Karnataka handgefertigt. Die Kollektion ist in 40 Prada-Filialen weltweit sowie online erhältlich. Der Schritt kam fast ein Jahr, nachdem Prada im Juni 2025 massiv in die Kritik geraten war, weil das Modehaus bei einer Modenschau in Mailand ähnliche Entwürfe präsentierte, ohne auf deren indischen Ursprung hinzuweisen.

Was das für Anleger bedeutet

Für deutsche Privatanleger ist die Nachricht vor allem ein Signal zur Ertragsqualität im Luxussegment. Prada verschiebt Ressourcen dorthin, wo die höchsten Umsätze pro Kopf entstehen. Wenn ein Top-Kunde für jeden Euro, den er unterhält, rund €7 ausgibt, dann wirkt sich die Pflege dieser Gruppe überproportional auf den Umsatz aus. Ob sich diese Rechnung tatsächlich auszahlt, hängt davon ab, wie viele Kunden das Unternehmen in dieses Segment führen kann.

Gleichzeitig zeigt der Vergleich mit Louis Vuitton, Dior und Chanel, dass Prada hier Nachholbedarf hat. Der Hinweis auf eine mögliche Rendite von bis zu 10 zu 1 stammt aus dem Kreis rivalisierender Luxusgruppen und bezieht sich auf die Branche insgesamt, nicht speziell auf Prada. Anleger sollten solche Kennzahlen daher als Branchengröße einordnen und nicht als gesicherte Prada-Kennzahl.

Interessant ist auch die Verbindung zum Konzernumbau: Mit Versace gehört seit Dezember ein weiteres Traditionshaus zu Prada, dessen kreative Neuausrichtung im Juli begann. Ob und wie stark die VIC-Strategie auch auf Versace übertragen wird, lässt der Quelltext offen.

Ausblick

Konkrete finanzielle Ziele für das VIC-Geschäft nennt Prada in dem Bericht nicht. Fest steht, dass das Modehaus die Zahl der eingeladenen Großverdiener gegenüber der Damenkollektion im Februar erhöht hat und dass der neu renovierte Komplex in der Galleria Vittorio Emanuele II mit seinem privaten Einkaufsbereich dauerhaft zur Verfügung steht. Wie sich die Investitionen in Gastfreundschaft und private Räume in den kommenden Quartalen niederschlagen, bleibt abzuwarten.

Kurz erklärt

  • VIC (Very Important Client): Bezeichnung für die kaufkräftigsten Stammkunden eines Luxushauses, die besonders betreut werden.
  • Fashion Week: Internationale Modewochen, auf denen Designer ihre neuen Kollektionen präsentieren.
  • Laufsteg-Look: Ein auf der Modenschau gezeigtes Outfit, das häufig später in veränderter Form in den Handel kommt.
  • Maßschneiderei: Anfertigung von Kleidung nach individuellen Körpermaßen eines Kunden.
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