Frankreichs Designer-Nachwuchs: Tremplin fördert nachhaltige Mode in Paris
Das einjährige Förderprogramm Tremplin gibt jungen Modedesignern in Paris Coaching, Geld und Netzwerk – zwei Beispiele zeigen, wie das gelingt.

In der Galerie Wilde im Pariser Trendviertel Marais waren die Talks komplett besetzt. Kein freier Platz, als über die Zukunft der Mode diskutiert wurde. Im Mittelpunkt standen drei Modedesigner, die eine Woche lang ihre Projekte ausstellten – und dabei zeigte sich, wie das Förderprogramm Tremplin den Nachwuchs der französischen Designszene unterstützt.
Ein zweiter Talk widmete sich einem hybriden Kunstwerk und der Frage, wie sich der Körper neu denken lässt. Solche Formate sind typisch für die Szene im Marais, der als Pariser Trendviertel gilt. Dort treffen junge Kreative, Geldgeber und etablierte Institutionen aufeinander.
Wolle, die schrumpft: Louise Courcols neue Formen
Zu den vorgestellten Designerinnen gehört Louise Courcol. Sie nutzt die Schrumpfung von Wolle, um neue Formen zu schaffen. Ihre Stücke sind Oberteile, Röcke und Kleider aus Wolle. Ein salbeifarbenes Kleid wirkt blasenschlagend, ein graues Top erinnert an einen Brustpanzer.
Courcol strickt, produziert und recherchiert selbst. Ihr Ansatz kreist um die Frage, wie sich vermeintliche Fehler in Gestaltung ummünzen lassen. "Wie können wir Prozesse, die immer noch als Fehler gelten, nutzen, um neue Formen zu schaffen?", sagt sie.
Vom Ring zur tragbaren Skulptur
Der zweite Designer ist Matthieu Gautier. Er gründete im vergangenen Jahr das Modeunternehmen Mutagene. Ausgestellt hat er Ringe in Silber, Gold und Rosé. Seine neue Kollektion, die nächsten Monat erscheint, besteht aus großen tribalistischen, tragbaren Skulpturen.
Gautier tritt im Finale des Festivals in Hyères an. Das Festival gilt als wichtiger internationaler Wettbewerb für Nachwuchsdesigner. Über seinen Weg sagt er: "Es ist schwer, seinen Platz zu finden. Aber man muss ihn sich schaffen."
Was Tremplin leistet
Tremplin ist ein einjähriges Förderprogramm. Es richtet sich an ungewöhnliche, nachhaltige Ansätze. Organisiert wird es von Pariser Mode- und Design-Unis, darunter das renommierte Institut Français de la Mode. Die Teilnehmer erhalten Coachings, Geld und Netzwerktreffen.
Die Ausstellung dient zugleich als Netzwerk-Event für Geldgeber. Tremplin funktioniert damit als Inkubator für frühe Gründungsideen. Beide Designer sehen das Programm als Fundament für ihren weiteren Weg.
Für Privatanleger ist das ein Blick auf eine Branche, die oft nur Kleidung, Laufstege und die Fashion Week in den Fokus rückt. Nachhaltige Produktion und junge Labels sind ein wachsendes Feld – aber auch ein frühes und risikoreiches. Wer sich in solchen Strukturen engagiert, sollte Förderlogik, Netzwerke und Marktreife genau prüfen.
Denn ein Förderprogramm ersetzt keinen Markt. Es verschafft Zeit, Kontakte und erste Finanzierung, doch ob aus einer Idee ein tragfähiges Geschäft wird, entscheidet sich später. Genau an dieser Schwelle zwischen Experiment und Unternehmen positioniert sich Tremplin.
Gautier bringt die Haltung auf den Punkt: "Es ist schwer, seinen Platz zu finden. Aber man muss ihn sich schaffen." Genau das versucht Tremplin zu erleichtern – mit Zeit, Geld und Kontakten.
