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Polymarket: WSJ deckt irreführende Social-Media-Kampagne in den USA auf

Das Wettplattform-Unternehmen Polymarket soll trotz US-Handelsverbot gezielt amerikanische Nutzer mit gefälschten Werbevideos ansprechen.

• 2 Min
Polymarket: WSJ deckt irreführende Social-Media-Kampagne in den USA auf

Polymarket, eine der bekanntesten Prognosemärkte-Plattformen weltweit, steht im Zentrum eines Medienskandals. Seit 2022 ist es dem Unternehmen untersagt, US-Nutzern den Handel auf seiner Website zu ermöglichen. Dennoch führt Polymarket laut einer Untersuchung des Wall Street Journal eine verdeckte Marketingkampagne durch, die gezielt auf amerikanische Nutzer in sozialen Medien abzielt.

Die Recherchen des WSJ zeigen, dass das Unternehmen Content-Ersteller dafür bezahlt, Handelsvorgänge auf gefälschten Websites zu filmen. Zusätzlich sollen ausländische Mitarbeiter eingestellt worden sein, um diese Videos gezielt in den USA viral zu verbreiten. Die Kampagne erweckte dabei den Eindruck, dass Polymarket es Nutzern ermöglicht, schnell und einfach Geld zu verdienen.

Hintergrund: Was ist Polymarket?

Polymarket ist eine Plattform für sogenannte Prognosemärkte, auf der Nutzer auf den Ausgang realer Ereignisse wetten können – etwa auf Wahlergebnisse, Wirtschaftsdaten oder andere globale Entwicklungen. Die Plattform erlangte insbesondere rund um die US-Präsidentschaftswahl 2024 große Bekanntheit, als ihre Wettquoten weltweit mediale Aufmerksamkeit erhielten. Für deutsche Privatanleger ist das Konzept vergleichbar mit Sportwetten, jedoch auf politische und wirtschaftliche Ereignisse ausgerichtet.

Das US-Handelsverbot für Polymarket geht auf das Jahr 2022 zurück. Damals einigte sich das Unternehmen mit der US-Aufsichtsbehörde CFTC (Commodity Futures Trading Commission) und durfte seitdem keine amerikanischen Nutzer mehr auf seiner Offshore-Plattform bedienen. Vor diesem Hintergrund erscheint die nun aufgedeckte Marketingkampagne besonders brisant: Das Unternehmen soll aktiv versucht haben, genau jene Zielgruppe anzusprechen, der der Zugang offiziell verwehrt ist.

Reaktion von Polymarket auf die Vorwürfe

Als Reaktion auf die Berichterstattung des WSJ äußerte sich Polymarket in einer offiziellen Stellungnahme. Das Unternehmen erklärte, man sei „bestrebt, genaue, faire und transparente Märkte aufrechtzuerhalten". Weiter hieß es: „Wir sind Teil einer schnell wachsenden Branche und prüfen ständig Möglichkeiten, wie wir die Interaktion mit unserem Publikum verbessern und dessen Vertrauen gewinnen können."

Darüber hinaus kündigte Polymarket an, eine Prüfung der aktiven Werbeinhalte durchzuführen. Eine konkrete Stellungnahme zu den spezifischen Vorwürfen der gefälschten Videos und der gezielten Verbreitung durch ausländische Mitarbeiter enthielt die Erklärung nicht.

Interessenkonflikt und Transparenzhinweis

Das WSJ weist in seiner Berichterstattung ausdrücklich auf eine bestehende Geschäftsbeziehung hin: Polymarket unterhält eine Datenpartnerschaft mit Dow Jones, dem Herausgeber des Wall Street Journal. Um die journalistische Unabhängigkeit der Untersuchung zu gewährleisten, verwendeten die Redakteure nach eigenen Angaben ausschließlich öffentlich zugängliche Daten für ihre Analyse.

Für deutsche Anleger und Beobachter des Finanzmarktes verdeutlicht der Fall, wie Unternehmen aus dem Bereich der Krypto- und Wettplattformen mit regulatorischen Einschränkungen umgehen. Die Nutzung von Social-Media-Kampagnen mit bezahlten Content-Erstellern ist zwar weit verbreitet, doch die gezielte Umgehung eines behördlichen Handelsverbots durch verdeckte Werbemaßnahmen wirft ernsthafte rechtliche und ethische Fragen auf. Der Fall dürfte die Diskussion über die Regulierung von Prognosemärkten und ähnlichen Plattformen weiter befeuern.

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