OpenAI verfehlt Umsatzprognosen um 20 Milliarden Dollar – KI-Aktien fallen
Ein Bericht vom Donnerstag zeigt: Der annualisierte Umsatz von OpenAI liegt rund 20 Milliarden US-Dollar unter den Prognosen. KI-Aktien geraten unter Druck.

Der annualisierte Umsatz von OpenAI liegt einem Bericht vom Donnerstag zufolge rund 20 Milliarden US-Dollar unter den Prognosen. Das berichtete die Financial Times unter Berufung auf nicht namentlich genannte Quellen. Die entsprechenden Umsatzzahlen sollen in Finanzdokumenten offengelegt worden sein, die Investoren vorgelegt wurden.
Die Nachricht belastete den gesamten KI-Sektor an der Wall Street. Große KI-Aktien verloren am Nachmittag an Wert. Zu den Verlierern zählten Microsoft (MSFT), Oracle (ORCL), Broadcom (AVGO) und Nvidia (NVDA). Damit trifft die Meldung genau jene Titel, die in den vergangenen Monaten besonders stark von der KI-Euphorie profitiert hatten.
OpenAI gilt als eines der bekanntesten und einflussreichsten Unternehmen im Bereich der künstlichen Intelligenz. Der Entwickler von ChatGPT hatte Investoren nach Angaben des Berichts mitgeteilt, dass der annualisierte Umsatz des Unternehmens hinter den Erwartungen zurückbleibt. Die genauen Hintergründe der Abweichung werden in dem Bericht nicht vollständig ausgeführt.
Die Details
Im Zentrum des Berichts steht der annualisierte Umsatz von OpenAI. Diese Kennzahl beschreibt die auf das Jahr hochgerechnete Einnahmenrate eines Unternehmens. Sie wird aus einem kürzeren Zeitraum berechnet und auf zwölf Monate extrapoliert. Die Abweichung von rund 20 Milliarden US-Dollar zu den Prognosen ist erheblich, gemessen an der Größenordnung, die OpenAI zuletzt kommuniziert hatte.
Die Zahlen stammen aus Finanzdokumenten, die Investoren vorgelegt wurden. Die Financial Times beruft sich dabei auf nicht namentlich genannte Quellen. Ein genaues Datum für die Offenlegung nennt der Bericht nicht. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung fällt auf einen Donnerstag, der Handelstag selbst war von deutlichen Kursbewegungen bei KI-Titeln geprägt.
Betroffen waren gleich mehrere Schwergewichte des KI-Sektors. Microsoft ist als Unterstützer und Cloud-Partner eng mit OpenAI verbunden. Oracle gilt laut früheren Berichten von aktien.news als einer der wichtigsten Infrastrukturpartner im KI-Ökosystem. Broadcom und Nvidia gehören zu den größten KI-Aktien an der Wall Street. Alle vier Titel gaben am Nachmittag nach.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 28.04.2026 berichtete aktien.news, dass OpenAI nach einem Bericht des Wall Street Journal wichtige Umsatz- und Wachstumsziele für das Jahr 2025 verfehlt haben soll. Damals löste die Nachricht eine deutliche Verkaufswelle bei Tech-Aktien aus. Zu den verfehlten Kennzahlen zählten neben dem Umsatz auch Ziele für das Nutzerwachstum. Das angestrebte Ziel von einer Milliarde wöchentlich aktiver Nutzer bis Jahresende soll nicht erreicht worden sein. Die Meldung traf den Markt mitten in den Vorbereitungen für den mit Spannung erwarteten Börsengang von OpenAI.
Am selben Tag berichtete aktien.news, dass die Oracle-Aktie zu den Verlierern eines turbulenten Handelstages für KI-Titel gehörte. Oracle gilt als einer der wichtigsten Infrastrukturpartner im KI-Ökosystem und reagiert entsprechend sensibel auf Nachrichten, die das Wachstumstempo der Branche in Frage stellen.
Ein anderes Bild zeigte sich am 30.09.2026. Damals berichtete aktien.news, dass die Oracle-Aktie um 4 Prozent zulegte. Auslöser war ein Bericht des Nachrichtendienstes Axios, wonach sich der wiederkehrende Jahresumsatz von OpenAI der Marke von 70 Milliarden US-Dollar nähert. Der Markt wertete diese Nachricht als positives Signal für Oracle und andere Aktien aus dem Bereich der künstlichen Intelligenz.
Zurück bis in den Januar reicht eine weitere wichtige Wegmarke. Am 20.01.2026 berichtete aktien.news, dass OpenAI seine jährliche Umsatzrate innerhalb von zwei Jahren dramatisch gesteigert hat. Von 2 Milliarden US-Dollar im Jahr 2023 kletterte der Wert auf über 20 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025. Dies gab Finanzchefin Sarah Friar in einem Blogbeitrag bekannt. Für 2026 plante das Microsoft-gestützte Unternehmen, sich verstärkt auf die praktische Adaption von KI-Technologie zu konzentrieren.
Damals wuchs auch die technische Infrastruktur rasant. Die verfügbare Rechenleistung stieg von 0,2 Gigawatt im Jahr 2023 auf etwa 1,9 Gigawatt im Jahr 2025. Das entspricht einer Verzehnfachung der Kapazität innerhalb von zwei Jahren.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Meldung vor allem ein Signal für die Bewertungslogik im KI-Sektor. Viele der großen KI-Aktien sind in Depots deutscher Anleger über ETFs und Einzelaktien breit vertreten. Wenn das Wachstumstempo des wichtigsten privaten KI-Unternehmens hinter den Erwartungen zurückbleibt, geraten die Kurse der gesamten Lieferkette unter Druck.
Besonders relevant ist die Verflechtung zwischen OpenAI und den börsennotierten Partnern. Microsoft, Oracle, Broadcom und Nvidia profitieren direkt oder indirekt vom Ausbau der KI-Infrastruktur. Fällt die Umsatzdynamik bei OpenAI schwächer aus als erwartet, stellt das die Annahmen über künftige Investitionen in Rechenleistung in Frage. Genau diese Annahmen tragen einen erheblichen Teil der aktuellen Bewertungen.
Zu beachten ist, dass der Bericht auf nicht namentlich genannten Quellen basiert. Die Financial Times stützt sich auf Dokumente, die Investoren vorgelegt wurden. Eine offizielle Bestätigung durch OpenAI liegt nicht vor. Anleger sollten die Meldung daher als einen Datenpunkt einordnen, nicht als abschließende Gewissheit.
Ausblick
Der Bericht nennt keine konkreten Termine für weitere Offenlegungen. Klarheit könnte erst bringen, wenn OpenAI selbst Zahlen vorlegt oder Investoren neue Dokumente erhalten. Im Raum steht weiterhin der mit Spannung erwartete Börsengang von OpenAI, der bereits im April 2026 als Hintergrund der Berichterstattung genannt wurde.
Für 2026 hatte OpenAI angekündigt, sich verstärkt auf die praktische Adaption von KI-Technologie zu konzentrieren. Ob sich diese Strategie in steigenden Umsätzen niederschlägt, wird sich an den nächsten veröffentlichten Kennzahlen zeigen. Bis dahin bleibt der Markt auf Berichte und Indiskretionen angewiesen.
Kurz erklärt
- Annualisierte Umsatzrate: Kennzahl, die einen kürzeren Umsatzzeitraum auf ein volles Jahr hochrechnet.
- ARR (Annual Recurring Revenue): Wiederkehrender Jahresumsatz aus Abonnements und anderen regelmäßigen Quellen.
- Börsengang: Der erstmalige Verkauf von Aktien eines Unternehmens an der Börse.
